Schild und Schwert der Par­tei: Das bri­san­te Er­be der Staats­si­cher­heit

Donau Zeitung - - POLITIK -

● Im No­vem­ber 1989 fiel nicht nur die Mau­er zwi­schen dem Os­ten und dem Wes­ten Deutsch­lands – mit dem Zu­sam­men­bruch des DDR-Re­gimes ero­dier­te auch die Macht sei­nes be­rüch­tig­ten Ge­heim­diens­tes, der Staats­si­cher­heit mit ih­rem ge­fürch­te­ten Chef Erich Miel­ke. Mu­ti­ge Bür­ger be­setz­ten zu­nächst die Di­enst­stel­len der Sta­si, um die Ver­nich­tung der Un­ter­la­gen zu stop­pen. Früh schon setz­ten sie sich da­für ein, die Ber­ge von Ak­ten nicht nur zu er­hal­ten, son­dern auch der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich zu ma­chen.

● Die Staats­si­cher­heit war un­ter di­rek­ter An­lei­tung des so­wje­ti­schen Ge­heim­diens­tes auf­ge­baut wor­den. Sie war Ge­heim­po­li­zei, Er­mitt­lungs­be­hör­de und Aus­lands­nach­rich­ten­dienst in ei­nem. Das Mi­nis­te­ri­um für Staats­si­cher­heit (MfS) ver­füg­te über 17 ei­ge­ne Un­ter­su­chungs­ge­fäng­nis­se, stand un­ter Waf­fen und hat­te ein ei­ge­nes Wach­re­gi­ment. Es un­ter­lag al­lei­ne der Kon­trol­le durch die Par­tei­füh­rung der SED und sah sich als „Schild und Schwert der Par­tei“. Um „feind­lich-ne­ga­ti­ve Ele­men­te“auf­zu­spü­ren und aus­zu­schal­ten, ver­such­te die Sta­si auch in die pri­va­tes­ten Le­bens­be­rei­che der DDR-Bür­ger vor­zu­drin­gen.

● We­ni­ge Ta­ge nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung am 3. Ok­to­ber 1990 wur­de der Ros­to­cker Pfar­rer Joa­chim Gauck zum Son­der­be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für die Un­ter­la­gen der Staats­si­cher­heit er­nannt. Zeit­wei­se be­schäf­tig­te sei­ne Be­hör­de in Ber­lin und ih­ren 13 Au­ßen­stel­len mehr als 3000 Mit­ar­bei­ter. In Spit­zen­zei­ten muss­ten die­se mehr als 520 000 An­trä­ge auf Ak­ten­ein­sicht pro Jahr be­ar­bei­ten. Auch heu­te, fast drei Jahr­zehn­te nach der Er­stür­mung der ers­ten Sta­si-Zen­tra­len, be­an­tra­gen noch mehr als 40 000 Men­schen pro Jahr Ein­sicht in die Un­ter­la­gen. Ins­ge­samt hat die Be­hör­de bis­her mehr als drei Mil­lio­nen Aus­künf­te er­teilt.

● Dien­ten die ers­ten Be­schei­de der so­ge­nann­ten Gauck-Be­hör­de in ers­ter Li­nie der Über­prü­fung von Ab­ge­ord­ne­ten, Mi­nis­tern, Staats­se­kre­tä­ren und Be­schäf­tig­ten des Öf­fent­li­chen Di­ens­tes auf ei­ne mög­li­che Zu­sam­men­ar­beit mit der Staats­si­cher­heit, so trat am 29. De­zem­ber 1991 das Sta­si-Un­ter­la­gen-Ge­setz in Kraft, auf des­sen Ba­sis dann auch die ers­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger Ein­sicht in die Ak­ten neh­men konn­ten, die die Staats­si­cher­heit über sie an­ge­legt hat­te. Auch Jour­na­lis­ten und His­to­ri­ker er­hiel­ten Zu­gang zu den Sta­si-Un­ter­la­gen.

● Im Ok­to­ber 2000 wur­de die frü­he­re Bür­ger­recht­le­rin Ma­ri­an­ne Birth­ler Nach­fol­ge­rin von Gauck, seit März 2011 steht Ro­land Jahn an der Spit­ze der Be­hör­de, ein ehe­ma­li­ger Jour­na­list, der in der DDR mehr­fach fest­ge­nom­men und ver­hört und 1983 schließ­lich aus­ge­bür­gert wor­den war. (rwa)

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