Tr­übt sich die Stim­mung der Wirt­schaft ein?

Beim Herbst­emp­fang der IHK Nord­schwa­ben in Rain er­le­ben 250 Gäs­te ei­nen Prä­si­den­ten Andre­as Kop­ton, der nicht nur Op­ti­mis­mus aus­strahlt und Elek­tro­mo­bi­li­tät kri­tisch be­wer­tet

Donau Zeitung - - LANDKREIS DILLINGEN - VON HEL­MUT BISSINGER

Rain Die Stim­mung in der nord­schwä­bi­schen Wirt­schaft ist gut. Noch! Aber wer­den die Be­trie­be in den Land­krei­sen Do­nau-Ries und Dil­lin­gen auch wei­ter­hin so her­vor­ra­gend da­ste­hen? „Ja, aber nur, wenn die Po­li­tik künf­tig un­se­re An­lie­gen mehr be­rück­sich­tigt“, sagt Andre­as Kop­ton. Der Prä­si­dent der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwa­ben sieht die Wirt­schaft in der Re­gi­on vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen. Beim Herbst­emp­fang sei­ner Ver­ei­ni­gung warn­te er vor wei­te­ren Ne­ga­tiv­ten­den­zen.

Der tra­di­tio­nel­le Herbst­emp­fang der IHK Nord­schwa­ben bot ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, ge­mein­sam Rück­schau zu hal­ten, über ak­tu­el­le The­men zu spre­chen und in die Zu­kunft zu bli­cken. Rund 250 Gäs­te aus Wirt­schaft, Po­li­tik, Ver­wal­tung, Ver­bän­den, Kam­mern und Me­di­en pfleg­ten ei­nen in­ten­si­ven Dia­log.

Andre­as Dirr, Vor­sit­zen­der der IHK-Re­gio­nal­ver­samm­lung Do­nau-Ries, ver­mit­tel­te ein kon­trast­rei­ches Bild. Den Fo­kus lenk­te er auf zwei Be­rei­che: Fach­kräf­te­man­gel und die künf­ti­ge Mo­bi­li­tät. Die Rah­men­be­din­gun­gen, so Dirr, wür­den im­mer schwie­ri­ger. Ge­ra­de bei der Aus­bil­dung und Be­rufs­ori­en­tie­rung wol­le die IHK ins­be­son­de­re auf re­gio­na­ler Ebe­ne ver­stärkt ak­tiv sein. „Wir müs­sen uns fra­gen, wie es noch bes­ser ge­lin­gen kann, jun­ge Men­schen für ei­ne dua­le Aus­bil­dung zu be­geis­tern.“Die Wirt­schaft be­nö­ti­ge aber nicht nur gut aus­ge­bil­de­te Fach­ar­bei­ter, son­dern auch gut aus­ge­bil­de­te Aka­de­mi­ker.

„Haus der Wirt­schaft“in Dil­lin­gen nann­te Dirr „ele­men­tar“. Dort wer­de es qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te ge­ben. 1300 Qua­drat­me­ter des im Roh­bau be­find­li­chen Ge­bäu­des, das Gre­gor Lud­ley, Vor­sit­zen­der der IHK-Re­gio­nal­ver­samm­lung Dil­lin­gen, kurz vor­stell­te, sei­en als Schu­lungs­flä­che vor­ge­se­hen. „Ei­ne ge­werb­lich-tech­ni­sche Lehr­werk­statt ist ein gro­ßes Plus für den Pro­duk­ti­ons­stand­ort Nord­schwa­ben“, freu­te sich Dirr, der gleich­zei­tig die ge­plan­ten Bil­dungs­räu­me der IHK Aka­de­mie an­sprach. „In Nord­schwa­ben hin­ken wir beim Aus­bau von Stra­ße und teil­wei­se hin­ter­her“, er­klär­te Dirr. Stark be­we­ge die Wirt­schaft der Aus­bau der B 16. „30 Jah­re Dis­kus­si­on müs­sen ein­fach rei­chen“, sag­te er und kün­dig­te die Neu­auf­la­ge der „B-16-Kon­fe­renz“an. Ne­ben der B16 als Ach­se quer durch Nord­schwa­ben sei ein Zu­gang zu den Au­to­bah­nen au­ßer­halb der bei­den Land­krei­se wich­tig. Die B25 müs­se demnächst den drei­spu­ri­gen Ab­schnitt Möt­tin­gen–Nörd­lin­gen er­hal­ten. Es sei er­freu­lich, so Dirr, dass sich beim Aus­bau der B492 zwi­schen Gun­del­fin­gen und der A 7 „nun end­lich et­was auf ba­den-würt­tem­ber­gi­scher Sei­te“be­we­ge.

Es sei ge­glückt, beim not­wen­di­gen Durch­stich des Fuß­gän­ger­tun­nels zu Air­bus bei der Sa­nie­rung des Bahn­hofs in Do­nau­wörth Ver­bün­de­te zu fin­den. Dirr for­der­te ein drit­tes Gleis für die Bahn­stre­cke zwi­schen Augs­burg und Do­nau­wörth. Ge­ra­de Do­nau­wörth pro­fiDas tie­re enorm von der neu­en ICESchnell­stre­cke. Dirr: „Da darf es nicht sein, dass der Gü­ter­ver­kehr noch mehr ICE auf die an­de­re Stre­cke über In­gol­stadt ver­drängt.“

„Das Um­feld für die Kon­junk­tur wird schwie­ri­ger“, er­nüch­ter­te IHK-Prä­si­dent Andre­as Kop­ton. Die Pro­gno­sen zur wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung sei­en eher pes­si­mis­tisch, was sich in den Ein­schät­zun­gen der Un­ter­neh­men und ih­rer ak­tu­el­len La­ge zei­ge. Vor al­lem die In­dus­trie brem­se jetzt in Nord­schwa­chen den Kon­junk­tur­mo­tor. Das sei alar­mie­rend, „denn die In­dus­trie ist über die zahl­rei­chen Wert­schöp­fungs­ket­ten und den Ar­beits­markt eng mit den an­de­ren Bran­chen ver­bun­den“. Ge­ra­de die ex­port­ori­en­tier­te schwä­bi­sche In­dus­trie be­las­te­ten die Hemm­nis­se der Welt­wirt­schaft. Kop­ton nann­te da­für den Han­dels­kon­flikt zwi­schen USA und Chi­na und die „Br­ex­it-End­losSchie­ne schlei­fe“als ver­ant­wort­lich. Hart ging Kop­ton mit der Po­li­tik ins Ge­richt. Die Ver­ant­wort­li­chen hät­ten noch nicht be­grif­fen, „dass wir ge­gen die Wand fah­ren“, er­klär­te der IHK-Prä­si­dent un­ter dem fri­schen Ein­druck ei­ner Di­enst­rei­se nach Viet­nam. Die Strom­prei­se und die EEG-Um­la­ge be­ein­träch­ti­gen nach ei­ner Rech­nung Kop­tons die Be­trie­be „im­mer mehr“. Heu­te schon zah­le die Wirt­schaft in­ner­halb der EU die höchs­ten Strom­kos­ten.

„Wer ist mit dem E-Scoo­ter zum Herbst­emp­fang ge­kom­men?“, frag­te Kop­ton pro­vo­ka­tiv. Das sei na­tür­lich nie­mand, denn die Mo­bi­li­tät hin­sicht­lich von Elek­tro­au­tos sei auf dem fla­chen Land an­ders als in der Groß­stadt zu se­hen. „Nur noch Elek­tro­mo­to­ren, das könn­te auch Selbst­mord sein“, warn­te er. Kop­ton be­fürch­tet, dass der tech­no­lo­gi­sche Wan­del hin zur Elek­tro­mo­bi­li­tät und be­son­ders zu bat­te­rie­be­trie­be­nen Mo­to­ren auch die Zu­lie­fe­rer­in­dus­trie in Schwa­ben ver­än­dern wird. Bei al­ler Er­nüch­te­rung pro­gnos­ti­zier­te Kop­ton Chan­cen für den Stand­ort. Er will ei­nen re­la­tiv al­ten Be­ruf neu be­le­ben: „Die IHK Schwa­ben möch­te deutsch­land­weit Leit-IHK für den Leicht­fug­zeug­bau­er wer­den.“Ge­mein­sam mit der Be­rufs­schu­le Do­nau­wörth und in en­ger Ab­stim­mung mit dem Kul­tus­mi­nis­te­ri­um wol­le man die­ses Po­ten­zi­al nut­zen. Schließ­lich äu­ßer­te Kop­ton ei­ne Vi­si­on: Er rief da­zu auf, das Kli­ma zu schüt­zen, „die Kräf­te der Na­tur zu nut­zen“. Er ap­pel­lier­te da­zu, Bäu­me zu pflan­zen, um die Ver­bin­dung von Öko­no­mie und Öko­lo­gie sicht­bar zu ma­chen.

„Nur noch Elek­tro­mo­to­ren, das könn­te auch Selbst­mord sein.“

IHK-Prä­si­dent Andre­as Kop­ton

Foto: Hel­mut Bissinger

Gut ge­füll­tes Haus beim Herbst­emp­fang der IHK im Deh­ner-Blu­men­ho­tel in Rain. Andre­as Dirr be­grüß­te die Ver­tre­ter aus Wirt­schaft, Po­li­tik, Ver­wal­tung und Ver­bän­den.

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