In Wit­tis­lin­gen gibt es Är­ger um drei Ste­ge

Seit ewi­gen Zei­ten gibt es in der Eg­au­tal-Kom­mu­ne Ste­ge, die ins Bäch­le – ei­nen Ne­ben­arm der Egau – füh­ren. Jetzt müs­sen die Be­sit­zer sie plötz­lich ent­fer­nen. Doch die wei­gern sich

Donau Zeitung - - Erste Seite - VON JO­NA­THAN MAY­ER

Die „Brück­la“am Bäch­le sol­len ent­fernt wer­den, for­dert das Land­rats­amt. Doch die An­woh­ner wei­gern sich.

Wit­tis­lin­gen Es sind drei klei­ne Ste­ge, für die Hans Wör­ner und Rein­hold Sing kämp­fen. Knapp ei­nen bis 1,5 Me­ter lang, nicht ganz ei­nen Me­ter breit ra­gen die höl­zer­nen Bau­ten vom Ufer aus ins Bäch­le, den klei­nen, vor Jahr­hun­der­ten von Hand ge­gra­be­nen Ne­ben­arm der Egau in Wit­tis­lin­gen.

In der Markt­ge­mein­de sind die Ste­ge bes­ser als „Brück­la“be­kannt. Frü­her nutz­ten die An­woh­ner sie, um Was­ser für ih­re Pflan­zen im Gar­ten aus der Egau zu schöp­fen oder um schmut­zi­ge Klei­dung im sau­be­ren Fluss­was­ser zu wa­schen. Heu­te müs­sen die klei­nen Holz­bau­ten weg. In ei­nem Brief des Land­rats­amts, der auch un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt, wur­den die An­woh­ner an­ge­wie­sen, die Ste­ge zu ent­fer­nen. Bis 15. Ok­to­ber hat­ten sie da­für Zeit. Jetzt ist No­vem­ber – und die Ste­ge ste­hen noch im­mer.

Denn An­woh­ner wie Hans Wör­ner wei­gern sich, der For­de­rung nach­zu­kom­men. Er steht auf dem Steg, der an sein Grund­stück in der Stra­ße Kas­ar­men an­grenzt. Erst vor we­ni­gen Mo­na­ten, er­zählt er, hat sein Sohn ihn rund­um er­neu­ert. Im Ver­gleich zu den an­de­ren ist das Holz hier noch hell. Der 67-Jäh­ri­ge sagt: „Die Brück­la gab es schon, da war ich noch ein Kind. Und es gab noch nie Pro­ble­me des­we­gen. Wie­so sol­len sie jetzt weg?“

Im Brief an die An­lie­ger heißt es zur Be­grün­dung le­dig­lich, dass die Ste­ge „ein Ab­fluss­hin­der­nis“dar­stell­ten und oh­ne Ge­neh­mi­gung ge­baut wor­den sei­en. Rein­hold Sing, der selbst mit den Ste­gen auf­ge­wach­sen ist, will das Ar­gu­ment je­doch nicht gel­ten las­sen: „Es gab noch kei­ne Bun­des­re­pu­blik, noch nicht ein­mal das Deut­sche Reich, aber es gab schon die­se Brü­cken!“Sie jetzt ent­fer­nen zu müs­sen, das kön­ne doch nicht sein. Vor al­lem wun­dert er sich über den Zeit­punkt. War­um kam die Auf­for­de­rung so plötz­lich?

Auf Nach­fra­ge beim Land­rats­amt heißt es, es ha­be ei­ne Be­schwer­de we­gen der Ste­ge ge­ge­ben. Dar­auf­hin ha­be sich ein Mit­ar­bei­ter des Was­ser­wirt­schafts­am­tes die Si­tua­ti­on an­ge­se­hen und be­wer­tet. Das Er­geb­nis ist im Brief nach­zu­le­sen. Laut Chris­ta Marx vom Land­rats­amt geht es vor al­lem um Hoch­was­ser­schutz. Denn wenn der Pe­gel in der Egau – und da­mit auch im Bäch­le – stei­ge, sei der ord­nungs­ge­mä­ße Ab­fluss des über­schüs­si­gen Was­sers we­gen der Ste­ge und ih­rer Hal­te­rungs­pfos­ten nicht mehr mög­lich. Denn an Letz­te­ren könn­te sich Schmutz, Ge­äst und mehr ver­ha­ken. „Ich kann den Är­ger der An­woh­ner nach­voll­zie­hen. Aber die recht­li­che La­ge ist ein­deu­tig.“Und: „Wenn wir sie ste­hen las­sen und bei ei­nem Hoch­was­ser kommt es we­gen der Ste­ge zum Rück­stau, heißt es, das Land­rats­amt hät­te nichts ge­tan.“

Nun ist es je­doch so, dass die Egau auf der Hoch­was­ser­ge­fah­ren­kar­te des Was­ser­wirt­schafts­am­tes gar nicht auf­ge­lis­tet ist. Wie wahr­schein­lich ist ein sol­ches dann über­haupt? Jing­bo Ha­su­b­ek, die dort für den Land­kreis zu­stän­dig ist, sagt: „Seit ich hier ar­bei­te, hat es dort noch kein Hoch­was­ser ge­ge­ben. Aber es gab si­cher schon mal eins.“Au­ßer­dem be­ste­he die Ge­fahr ei­ner Über­schwem­mung an Ge­wäs­sern im­mer. „Und un­ab­hän­gig da­von gibt es für die Ste­ge kei­ne Ge­neh­mi

Die Ste­ge müs­sen we­gen der Hoch­was­ser­ge­fahr weg

gung. Sie hät­ten al­so nie ge­baut wer­den dür­fen.“

Ak­tu­ell ste­hen die „Brück­la“al­so noch. Wör­ner sagt, er ha­be dem Land­rats­amt be­reits auf den Brief ge­ant­wor­tet und ei­ne Er­klä­rung ver­langt. Not­falls wol­le er recht­li­che Schrit­te ein­lei­ten, da­mit sein „Brück­le“viel­leicht doch ste­hen blei­ben darf.

Doch wie­so reißt er den klei­nen Holz­bau nicht ein­fach ab? Er sagt selbst, dass der Steg heu­te nicht mehr ak­tiv ge­nutzt wird: Was­ser braucht der 67-Jäh­ri­ge nicht mehr aus dem Bäch­le zu ho­len, da­für hat er ei­nen Brun­nen im Gar­ten. Und Klei­dung wird auch seit Jahr­zehn­ten nicht mehr im Fluss ge­wa­schen. Doch für Wör­ner ha­ben die Ste­ge nach wie vor ei­nen Wert, wenn auch nur ei­nen ide­el­len: „Die gibt es schon so lan­ge. Es wä­re doch ein­fach scha­de, wenn sie weg­müss­ten“, er­klärt er. „Ich ver­ste­he ein­fach nicht, was das soll.“

Falls sich die An­woh­ner wei­gern, so heißt es beim Land­rats­amt, wer­de man mit ei­ner An­ord­nung und not­falls mit Zwangs­geld re­agie­ren. „Wenn das nicht hilft, kön­nen wir die Ste­ge auch auf Kos­ten der An­woh­ner ent­fer­nen las­sen. Aber das wä­re wirk­lich die al­ler­letz­te Op­ti­on“, be­tont Marx.

Fo­tos: Jo­na­than May­er

Frü­her gab es in Wit­tis­lin­gen deut­lich mehr Ste­ge ent­lang des Bäch­les, heu­te sind es nur noch fünf. Sie wer­den von den An­woh­nern in Schuss ge­hal­ten.

Hans Wör­ner wohnt schon fast sein gan­zes Le­ben am Bäch­le in Wit­tis­lin­gen. Die klei­nen Ste­ge gab es schon, da war der 67-Jäh­ri­ge noch ein Kind. Ab­rei­ßen will er sie des­halb auf kei­nen Fall.

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