„Lasst die­sen Ver­ein nicht un­ter­ge­hen“

Die Ak­ti­on „Freun­de schaf­fen Freu­de“, die auch im Land­kreis Dil­lin­gen wirkt, fei­ert ihr 35-jäh­ri­ges Be­ste­hen. Zum Ju­bi­lä­um geht es um die Fra­ge, wie es wei­ter­ge­hen soll

Donau Zeitung - - Kultur Vor Ort -

Di­schin­gen Dein Gott ist auch mein Gott, und wer sich von ihm et­was er­bit­tet, be­kommt das auch. Mit die­sem Be­kennt­nis be­kun­de­te der tür­ki­sche Ge­schäfts­mann Ha­san Perk­tas beim gro­ßen Ge­burts­tags­fest der Ak­ti­on „Freun­de schaf­fen Freu­de“in der voll be­setz­ten Di­schin­ger Egau­hal­le am Sonn­tag sei­ne Freund­schaft und be­ton­te zugleich, auch in Zu­kunft ger­ne rund um die Uhr spon­tan zu hel­fen. Mo­de­ra­tor Hen­drik Rupp lenk­te die Ge­dan­ken sei­ner Zu­hö­rer auf die Zu­kunft: „Die Freun­de ste­hen auf vie­len Bei­nen. Aber noch mehr Freun­de braucht die Or­ga­ni­sa­ti­on an der Spit­ze.“

Das war ein Ge­burts­tag, wie man ihn ger­ne in sei­nem Ver­ein fei­ern möch­te. Kei­ne lang­at­mi­gen Re­den, da­für ein Pro­gramm mit Über­ra­schun­gen. Ein Teil der Pro­mi­nen­ten aus Po­li­tik und Wirt­schaft kam in ei­nem kur­zen Vi­deo (nur) zu Wort. Die zen­tra­le Bot­schaft: „Freun­de schaf­fen Freu­de“sind ei­ne groß­ar­ti­ge Ein­rich­tung, die dem Na­men Di­schin­gen Wohl­klang und Ach­tung ge­ben. Und die um­trie­bi­gen Mo­to­ren seit 35 Jah­ren: In­ge Gr­ein-Feil und ihr Mann Sig­gi, der al­ler­dings im kom­men­den Jahr kür­zer­tre­ten wird. An sei­ne Stel­le kommt, mit viel Bei­fall be­grüßt, im Ja­nu­ar 2020: St­ef­fi Zen­ger­le aus Her­ma­rin­gen als Lei­te­rin der Ge­schäfts­stel­le.

Frank Ro­sen­kranz, sei­nes Na­mens we­gen nach ei­ge­nen Wor­ten Eh­ren­ka­tho­lik, brach­te als Ge­schäfts­füh­rer der Dia­ko­nie das Wir­ken von Gr­ein-Feil und ih­rem Mann auf den Punkt mit der Fra­ge an die Fest­be­su­cher: „Sind auch Sie be­reit, wie die bei­den, ihr ge­sam­tes Ver­mö­gen in ei­ne Idee, in ei­nen Ver­ein ein­zu­brin­gen und bei­spiel­los den Mit­men­schen zu die­nen?“

Laut wur­de in An­we­sen­heit des SPD-Lan­des­vor­sit­zen­den Andre­as Stoch, des Grü­nen-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­tin Grath so­wie des frü­he­ren CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Bernd Hitz­ler dar­über nach­ge­dacht, wie es in Zu­kunft mit dem Ver­ein wei­ter­ge­hen soll. Der Ko­blen­zer Schau­spie­ler Christoph Hei­ner schloss sei­ne La­ser­show mit ei­nem Ap­pell: „Lasst die­sen Ver­ein nicht un­ter­ge­hen, denn was der macht, ist Wahn­sinn.“

Und noch je­mand be­kam hef­tig Bei­fall: Mar­ti­na Mül­ler. Sie dient den Freun­den seit 33 Jah­ren als Schrift­füh­re­rin und ver­sprach, wei­ter bei der Stan­ge zu blei­ben. Dies ge­denkt auch In­ge Gr­ein-Feil: „Mein Vor­bild ist die Queen.“

Di­schin­gens Bür­ger­meis­ter Al­fons Jakl blick­te in sei­nem Gruß­wort zu­nächst auf die An­fän­ge von „Freun­de schaf­fen Freu­de“zu­rück, er­in­ner­te an manch kri­ti­sche Stim­me. Al­len Un­ken­ru­fen zum Trotz sei Groß­ar­ti­ges ent­stan­den: die Ar­che und ei­ne Men­ge an so­zia­len oder kul­tu­rel­len Vor­ha­ben. Na­tür­lich hät­ten die­se 35 Jah­re auch bei den Haupt­ak­teu­ren wie bei den un­ge­zähl­ten Mit­strei­tern Spu­ren hin­ter­las­sen: „Wir al­le wol­len die Ak­ti­on wei­ter un­ter­stüt­zen. Ers­te gu­te An­sät­ze für wei­te­re 35 Jah­re sind ja schon er­kenn­bar.“Pro­fes­sor und De­kan Sven van Mee­gen kon­fron­tier­te sei­ne Zu­hö­rer mit Zah­len, die be­trof­fen ma­chen: 80 Pro­zent der Frau­en im Kreis Heidenheim könn­ten sich im Al­ter nicht von ih­rer Ren­te er­näh­ren. 49,8 Pro­zent der Frau­en hät­ten ver­gan­ge­nes Jahr nur halb so viel ver­dient wie ih­re männ­li­chen Kol­le­gen in ver­gleich­ba­rer Po­si­ti­on. Im Blick auf die Freun­de ent­fal­te­te van Mee­gen die Vi­si­on, dass Ca­ri­tas, die Stif­tung Haus Lin­den­hof und die Dia­ko­nie Heidenheim das Werk der Freun­de so wei­ter­füh­ren, dass es al­len – Be­hin­der­ten wie Ge­sun­den oder al­ten Men­schen – hilft.

Hel­fen macht glück­lich. Das war die zen­tra­le Aus­sa­ge von Lars Hel­fert, der für die Stif­tung Haus Lin­den­hof noch ein­mal die enor­me Rol­le der Eh­ren­amt­li­chen dar­stell­te, aber auch be­kla­gen muss­te, dass die Be­reit­schaft zum Eh­ren­amt lei­der ab­neh­me.

Der Grün­dungs­rek­tor der Dua­len Hoch­schu­le Heidenheim, Pro­fes­sor Man­fred Trä­ger, sprach von der „un­bän­di­gen Lei­den­schaft und Her­zens­wär­me“, die In­ge Gr­ein-Feil und ihr Mann Sig­gi für die Ak­ti­on Freun­de schaf­fen Freu­de ent­wi­ckel­ten und die nun eben auch in die Jah­re ge­kom­men sei­en: „Wie soll es wei­ter­ge­hen?“Ger­ne wol­le man an der Hoch­schu­le in der Fa­kul­tät für So­zi­al­we­sen gründ­lich nach­den­ken. Das sei wich­tig, schließ­lich müs­se es ja wei­ter­ge­hen. Trä­ger: „Freun­de schaf­fen Freu­de sind für mich ein Vor­bild ge­leb­ter, christ­li­cher Nächs­ten­lie­be.“

Foto: Klaus-Die­ter Kir­sch­ner

Tom Cro­el (links) und Sig­gi Schwarz spiel­ten zum Ge­burts­tags­fest von „Freun­de schaf­fen Freu­de“ein be­geis­tert auf­ge­nom­me­nes Ständ­chen.

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