Schwar­ze Null: Mehr Olaf Scholz wa­gen

Ei­ne klu­ge Fi­nanz­po­li­tik setzt auf Fett­schich­ten als ei­ser­ne Re­ser­ve. Doch un­ter den „Fünf Wei­sen“herrscht Un­ei­nig­keit, wie scharf die Schul­den­brem­se ein­ge­stellt sein soll

Donau Zeitung - - Wirtschaft - VON STE­FAN STAHL [email protected]­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Die „Fünf Wei­sen“sind ei­ne In­stanz in Deutsch­land. Die füh­ren­den Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler sol­len die wich­tigs­ten Ein­rich­tun­gen im Lan­de be­ra­ten, wie es kon­junk­tu­rell wei­ter­geht und wel­che öko­no­mi­schen Maß­nah­men die Po­li­tik zu er­grei­fen hat.

Sper­rig nennt sich das Gre­mi­um „Sach­ver­stän­di­gen­rat zur Be­gut­ach­tung der ge­samt­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung“. Be­kann­te Köp­fe wie Ot­mar Is­sing, Horst Sie­bert, Rolf Pef­fe­ko­ven, Bert Rü­rup, Axel We­ber oder Pe­ter Bo­fin­ger wa­ren Teil des eli­tä­ren Quin­tetts.

Dass es in ei­nem sol­chen Zir­kel im­mer mal wie­der ei­nen gibt, der in wirt­schafts­po­li­ti­schen Fra­gen ei­ne ab­wei­chen­de Mei­nung ver­tritt, al­so durch­aus öf­fent­lich­keits­wirk­sam aus­schert, ist nor­mal. Doch das jüngs­te Gut­ach­ten der „Fünf Wei­sen“of­fen­bart, dass sich auch in die­sem ge­sell­schaft­li­chen Top-Gre­mi­um, ähn­lich wie in der Gro­ßen Ko­ali­ti­on, ein ideo­lo­gi­scher Spalt­pilz ein­ge­nis­tet hat. Wie CDU, CSU und SPD sich bei der Grund­ren­te pie­sa­cken, was si­cher al­les an­de­re als wei­se ist, schei­nen die „Fünf Wei­sen“ganz un­wei­se am un­dis­zi­pli­nier­ten Gro­Ko-Geist Maß zu neh­men. In der Fra­ge, ob Deutsch­land die Schul­den­brem­se so ernst wie bis­her neh­men soll und da­mit an ei­ner strik­ten Po­li­tik der „schwar­zen Null“, al­so ei­nes aus­ge­gli­che­nen Haus­halts, fest­hält, geht ein Riss durch das Fün­fer-Gre­mi­um: Zwei Mit­glie­der he­gen Zwei­fel am ri­gi­den Sta­bi­li­täts-Man­tra von Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz und könn­ten sich zu­min­dest ei­ne Re­form der Schul­den­brem­se vor­stel­len. Deutsch­land wür­de das al­so mit der „schwar­zen Null“nicht mehr ganz so ernst neh­men, wie es Sta­bi­li­täts­wäch­tern vom Schlag des eins­ti­gen Fi­nanz­mi­nis­ters Wolf­gang Schäu­b­le und sei­nes Nach­fol­gers Scholz ein Her­zens­an­lie­gen ist.

Un­ter der lo­cke­rer ge­sinn­ten Öko­no­men-Frak­ti­on be­fin­det sich ne­ben dem von den Ge­werk­schaf­ten vor­ge­schla­ge­nen Achim Tru­ger mit Isa­bel Schna­bel ei­ne Wis­sen­schaft­le­rin, die für Deutsch­land in das Di­rek­to­ri­um der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank ein­zie­hen soll. Da­mit wür­de sie EZB-Che­fin Chris­ti­ne La­g­ar­de zu­ar­bei­ten, die wie ihr Vor­gän­ger Ma­rio Draghi für ei­ne Po­li­tik des ul­tra­lo­cke­ren Gel­des steht und Deutsch­land im­mer wie­der für zu gro­ße Kn­aus­rig­keit ge­schol­ten hat.

Da­mit wä­re ei­ne Ex­per­tin, die für ei­ne frei­gie­bi­ge­re Haus­halts­po­li­tik steht, Ver­tre­te­rin ih­res Hei­mat­lan­des in ei­ner In­sti­tu­ti­on, die mit ih­rer all­zu lo­cke­ren Geld­po­li­tik mas­si­ve Kri­tik in Deutsch­land her­vor­ruft – nicht zu­letzt von Bun­des­bank-Chef Jens Weid­mann. Das dürf­te für Zoff sor­gen. Viel­leicht soll­ten zwei der „Fünf Wei­sen“die Wor­te von Scholz be­den­ken: Der ver­tei­digt sein Fest­hal­ten an der „schwar­zen Null“und ei­ner scharf ge­stell­ten Schul­den­brem­se. Sei­ne Be­grün­dung of­fen­bart Klug­heit: Der So­zi­al­de­mo­krat will für schlech­te­re Zei­ten ei­ne staat­li­che Fett­re­ser­ve an­le­gen, mit der er dann mit­tels hö­he­rer Aus­ga­ben die Kon­junk­tur an­kur­beln kann. Da­mit wür­de sich Scholz noch klar auf dem Bo­den des Geis­tes der Schul­den­brem­se be­fin­den. Er ver­fährt nach dem kon­ser­va­ti­ven, aber be­währ­ten Mot­to: Spa­re in der Zeit, dann hast du in der Not. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank ver­folgt hin­ge­gen die fal­sche De­vi­se: Haue ein­fach al­les raus zum Fens­ter, dann wirst du schon se­hen.

Die EZB hat ihr Pul­ver weit­ge­hend ver­schos­sen. Al­so: Mehr Scholz wa­gen und we­ni­ger La­g­ar­de.

Fo­to: Kay Niet­feld, dpa

Olaf Scholz ist So­zi­al­de­mo­krat und ein so­li­der Haus­häl­ter.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.