Ka­e­ser denkt noch nicht an Ab­schied

Der Sie­mens-Chef preist aus­gie­big die Er­fol­ge sei­ner Amts­zeit – und kann schon wie­der mit gu­ten Zah­len glän­zen

Donau Zeitung - - Wirtschaft | Capito - VON STE­FAN STAHL

Mün­chen So viel ist jetzt je­den­falls be­kannt: Joe Ka­e­ser, der am 23. Ju­ni 62 wur­de, will in fünf Jah­ren nicht mehr Sie­mens-Chef sein. Das ließ der Ma­na­ger auf mehr­fa­che Nach­fra­gen bei der Bi­lanz-Pres­se­kon­fe­renz am Don­ners­tag in Mün­chen klar durch­bli­cken. Da­bei war dem Nie­der­bay­ern an­zu­mer­ken, wie sehr ihm das The­ma ge­gen den Strich geht. Aber die jour­na­lis­ti­sche Neu­gier­de wuss­ten nun mal die Sie­men­sVer­ant­wort­li­chen selbst zu we­cken, als sie Ro­land Busch, 54, zum Stell­ver­tre­ter Ka­e­sers er­ko­ren ha­ben.

Der Ver­trag des Noch-Sie­men­sBos­ses en­det An­fang 2021, al­so in zwei Jah­ren und gut zwei Mo­na­ten. Dann könn­te Ka­e­ser noch zwei Jah­re dran­hän­gen und wür­de im­mer noch un­ter der von ihm selbst ge­setz­ten Höchst­gren­ze von fünf Jah­ren blei­ben. Sei­ne dies­be­züg­li­che Aus­sa­ge of­fen­bart al­so ei­ne ge­wis­se Schlitz­oh­rig­keit. Den­noch re­agiert der Sie­mens-Re­gent in­zwi­schen all­er­gisch, wenn sein po­ten­zi­el­ler Nach­fol­ger Busch als „stell­ver­tre­ten­der Vor­stands­vor­sit­zen­der auf Be­wäh­rung“be­zeich­net wird. Ka­e­ser meint da­zu:

„Er ist das oh­ne Zu­satz.“Den­noch wird wei­ter spe­ku­liert, der Mann nach Ka­e­ser könn­te zu­min­dest ab 2021 für zwei wei­te­re Jah­re Ka­e­ser und nicht Busch hei­ßen.

Dann lockt ein Jour­na­list den obers­ten Sie­men­sia­ner er­folg­reich aus der Re­ser­ve, in­dem er sagt: „Ih­re Re­de hör­te sich manch­mal so an, als ob das Ih­re Ab­schieds­re­de sei. Aber das kann ich mir nicht vor­stel­len.“Ka­e­ser ent­geg­net dar­auf oh­ne gro­ße Nach­denk­zeit: „Ich auch nicht.“Den­noch ist es auf­fäl­lig, wie der Sie­mens-Chef im­mer wie­der auf die Jah­re an der Kon­zern­spit­ze seit Au­gust 2013 zu­rück­blickt und da­bei ei­ne lan­ge Rei­he von Er­fol­gen Re­vue pas­sie­ren lässt. Da­bei er­freut sich Ka­e­ser an ei­ner Gra­fik mit der Über­schrift: „Wir hal­ten, was wir ver­spre­chen“. Dem­nach hat Sie­mens un­ter sei­ner Re­gie, an­ders als zu­letzt bei sei­nem Vor­gän­ger Pe­ter Lö­scher, sechs Jah­re in Fol­ge die Jah­res­pro­gno­se er­füllt – ein bei ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft nicht un­er­heb­li­cher Um­stand. Das Sym­bol für die lan­ge Pha­se des Wort­hal­tens sind grü­ne Ha­ken. „Auf die­se Se­rie kön­nen wir stolz sein“, sagt Ka­e­ser. Der Mann der grü­nen Er­folgs­haken warnt aber

„vor Ar­ro­ganz“. Was auf­fällt: Im­mer wie­der nimmt er Be­zug auf das Jahr 2013, als er die Macht bei Sie­mens über­nahm, nach­dem sein Vor­gän­ger Lö­scher we­gen Ge­winn­war­nun­gen in die Kri­tik ge­ra­ten war. Die Bot­schaft wirkt über­deut­lich, auch wenn sie der Sie­mens-Chef nicht di­rekt aus­spricht: Mit ihm an der Spit­ze, der dem Kon­zern schon seit 1980 an­ge­hört, kam die Wen­de zum Bes­se­ren. Da­bei kann sich die Bi­lanz für das Ge­schäfts­jahr 2019, das bei Sie­mens bis En­de Sep­tem­ber geht, be­son­ders se­hen las­sen. Denn ein „ful­mi­nan­tes“vier­tes Quar­tal ließ das schwä­che­re drit­te ver­ges­sen und Ka­e­ser mit sei­nem Fi­nanz­vor­stand Ralf P. Tho­mas und dem de­si­gnier­ten Chef der Ener­gie­spar­te, Micha­el Sen, um die Wet­te strah­len. Letz­te­rer, wie im­mer mit farb­lich pas­sen­dem Ein­steck­tuch zum Hemd, lä­chel­te am aus­gie­bigs­ten.

Sen lei­tet schließ­lich das neue Un­ter­neh­men Sie­mens Ener­gy, das vom Mut­ter­haus ab­ge­spal­ten wird und nach den Pla­nun­gen wohl im Sep­tem­ber 2020 an die Bör­se geht. Das ver­gnüg­te Trio konn­te Traum­zah­len prä­sen­tie­ren. Ka­e­ser hebt be­son­ders her­vor, dass Sie­mens im ver­gan­ge­nen Ge­schäfts­jahr mehr als 43000 neue Mit­ar­bei­ter – dar­un­ter 5300 in Deutsch­land – ein­ge­stellt ha­be. So stieg die Zahl der Be­schäf­tig­ten net­to um gut 6000 auf 385 000. Vom Auf­schwung des Un­ter­neh­mens, der sich trotz der Ein­trü­bung der Welt-Kon­junk­tur fort­setzt, pro­fi­tie­ren al­so Men­schen und Marge. So soll die Di­vi­den­de je Ak­tie von 3,80 auf 3,90 Eu­ro zu­le­gen. Wie­der­um taucht hier die ma­gi­sche Ka­e­serZahl „sechs“auf, schließ­lich be­kom­men die An­teils­eig­ner seit 2013 zum sechs­ten Mal in Fol­ge ei­nen hö­he­ren Bo­nus. Da­bei leg­te der Um­satz um drei Pro­zent auf 87 Mil­li­ar­den Eu­ro zu, wäh­rend der Auf­trags­ein­gang um sechs Pro­zent auf 98 Mil­li­ar­den Eu­ro in die Hö­he schnell­te. Sie­mens blieb auf ho­hem Ni­veau pro­fi­ta­bel, lag das Net­to­er­geb­nis doch bei 5,6 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Wie geht es wei­ter? Wird auch Sie­mens Op­fer des Ab­schwungs?

Ka­e­ser bleibt zu­min­dest vor­sich­tig op­ti­mis­tisch und rech­net mit „mo­de­rat an­stei­gen­den Um­sät­zen und auch mit ei­ner net­to stei­gen­den Mit­ar­bei­ter­zahl“. Am En­de wird er pa­the­tisch und sagt über Deutsch­land: „Ich bin stolz auf un­ser Land.“

Fo­to: Pe­ter Kn­ef­fel/dpa

Sie­mens-Füh­rung: Ralf P. Tho­mas, Joe Ka­e­ser und Micha­el Sen.

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