Au­ßer­ge­wöhn­li­che Sprach­bil­der

Die in Lau­in­gen ge­bo­re­ne Au­to­rin Eli­sa­beth Spies hat ei­nen neu­en Ly­rik­band her­aus­ge­bracht. Ih­re Ge­dich­te ha­ben ho­hes Ni­veau

Donau Zeitung - - Kultur Vor Ort - VON ERICH PAWLU

Lau­in­gen „Als an den Fens­tern / noch Eis­far­ne wuch­sen und / Bu­chen­schei­ter im Ofen krach­ten, / als die Her­drin­ge glüh­ten und / die Mut­ter duf­ten­de Brat­äp­fel / aus dem Ofen­rohr hol­te, / zo­gen wir mit Schlit­ten / hin­aus zum Hang, / ei­ne Hand­voll Hut­zeln / im Man­tel­sack.“– Die­se Zei­len aus dem Gedicht „Win­ter der Kind­heit“fin­den sich im neu­en Ly­rik­band, den die ge­bür­ti­ge Lau­in­ge­rin Eli­sa­beth Spies so­eben un­ter dem Ti­tel „Son­nen­g­lut am Ho­ri­zont“im EOS-Ver­lag her­aus­ge­bracht hat. Die Au­to­rin be­stä­tigt mit den Ge­dich­ten ih­re Fä­hig­keit, ei­ge­ne Be­ob­ach­tun­gen und Er­fah­run­gen in au­ßer­ge­wöhn­li­chen, höchst poe­ti­schen Sprach­bil­dern fest­zu­hal­ten. In zu­meist freirhyth­mi­scher Spra­che ge­win­nen die ly­ri­schen Tex­te me­ta­pho­ri­sche Be­deu­tung, wenn es um die Be­schrei­bung land­schaft­li­cher Schön­heit, me­di­ta­ti­ver Emp­fin­dung oder mensch­li­cher Lei­der­fah­rung geht.

Er­staun­li­cher­wei­se stand der Au­to­rin die­se dich­te­ri­sche Kraft schon in frü­hen Jah­ren zur Ver­fü­gung. Ge­stei­gert wur­de sie aber durch die Er­fah­run­gen, die ih­re Hei­rat mit dem ka­tho­li­schen Pries­ter Lorenz Spies im Jahre 1977 aus­lös­te. Die Ge­schich­te die­ser Be­zie­hung hat sie im Ro­man „Das Leuch­ten der Dun­kel­heit“un­ter au­to­bio­gra­fi­schem Aspekt dar­ge­stellt. Die Ex­kom­mu­ni­ka­ti­on des Ehe­man­nes und an­de­re kirch­li­che Sank­tio­nen er­wie­sen sich als Ur­sa­che für die me­lan­cho­li­sche Grund­me­lo­die in vie­len spä­ter ent­stan­de­nen Ge­dich­ten. Selbst die von Schön­heit ge­präg­ten Rei­se­ein­drü­cke er­hal­ten bei der Um­for­mung in ly­ri­sche Ge­bil­de ein am­bi­va­len­tes, dop­pel­bö­di­ges Ko­lo­rit. Be­son­ders ein­drucks­voll sind die Ge­dich­te, die wie in „Ex­kom­mu­ni­ka­ti­on“er­lit­te­nes Leid durch sprach­li­che Meis­ter­schaft zu be­wäl­ti­gen ver­su­chen. „Als du noch gingst / hoch­er­ho­be­nen Haup­tes / das vio­let­te Zin­gu­lum / um die Hüf­ten / das Volk fast / an­be­tend dir zu Fü­ßen / da kann­test du / die letz­te Lie­be / noch nicht. / Die ver­ström­test du, / als dich / die Mäch­ti­gen der Kir­che / ans Kreuz schlu­gen / wie dei­nen Herrn.“

Der neue Ly­rik­band „Son­nen­g­lut am Ho­ri­zont“ent­hält nicht nur ei­ne Viel­zahl an­rüh­ren­der Ge­dich­te, son­dern auch Fotos von Skulp­tu­ren der Künst­le­rin Ant­je Te­sche-Ment­zen, die Auf­nah­me ei­ner Skulp­tur Andreas Kuhn­leins so­wie Bil­der von Re­née Rauch­al­les.

Eli­sa­beth Spies, als Eli­sa­beth Schrei­ber 1934 in Lau­in­gen ge­bo­ren, stu­dier­te eng­li­sche Spra­che und Li­te­ra­tur, wur­de di­plo­mier­te Aus­lands­kor­re­spon­den­tin und trat in den baye­ri­schen Staats­dienst ein. Im Dil­lin­ger Li­te­ra­tur­wett­be­werb von 1985 wur­de sie mit dem ers­ten Preis aus­ge­zeich­net. Seit dem Tod ih­res Man­nes im Jahre 1987 lebt Eli­sa­beth Spies im Chiem­gau.

Die Lau­in­ge­rin war Aus­lands­kor­re­spon­den­tin

Eli­sa­beth Spies „Son­nen­g­lut am Ho­ri­zont“, Ge­dich­te, EOS-Ver­lag St. Ot­ti­li­en, 232 Sei­ten, 19,95 Eu­ro. Der Band ist im ört­li­chen Buch­han­del vor­rä­tig.

Repro: Pawlu

Mit ei­nem Ro­man und meh­re­ren Ly­rik­bän­den hat die in Lau­in­gen ge­bo­re­ne Eli­sa­beth Spies, geb. Schrei­ber, die ho­he Qua­li­tät ih­rer schrift­stel­le­ri­schen Ar­beit be­wie­sen. So­eben ist un­ter dem Ti­tel „Son­nen­g­lut am Ho­ri­zont“ein neu­er Ge­dicht­band er­schie­nen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.