Donau Zeitung

Corona: Wickommt man in die Brenpunkte

Egal ob Abstandsre­geln oder Impfen: The Milieus scheinen schwer erreichbar zu sein. Das hat viele Gründe und wird immer mehr zuoblem – auch in Augsburg. Was helfen könnte

- Von Maria Heinrich, Daniela Hur, Ina Marks und Stephanie Sartor

Gefangen in der Pandemie. Zu sechst leben sie in einer Augsburger Wohnung auf 61 Quadratmet­ern. Der 19-Jährige mit den Eltern, den Geschwiste­rn, dem Onkel. Sein Vater reinigt Busse. Im Dezember passierte es. Der Vater infizierte sich. Und nach ihm alle. Seine ganze Familie. „Mein Vater kann sich nur in der Arbeit infiziert haben, er ist sonst immer daheim“, erzählt der junge Mann, der vor fünf Jahren aus Syrien nach Augsburg gekommen ist und eine Ausbildung zum Mechatroni­ker macht.

Der Fall aus Augsburg ist kein Einzelfall. Denn auch in Augsburg kann man beobachten, was sich bundesweit nun als drängendes Problem zeigt: Menschen in beengten Wohnverhäl­tnissen, Menschen mit Jobs, in denen Homeoffice nicht möglich ist, Menschen, die einen Migrations­hintergrun­d haben, Menschen, die sozial schwächer gestellt sind, Menschen, die wenig Geld haben, sie alle tragen ein höheres Risiko, schwer an Corona zu erkranken. Der Anstieg der Covid-19-Todesfälle fiel in sozial benachteil­igten Regionen Deutschlan­ds am stärksten aus – sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Das schreibt das RobertKoch-Institut. Und ergänzt: Im Dezember und Januar lag die Covid-19-Sterblichk­eit in sozial stark benachteil­igten Regionen um rund 50 bis 70 Prozent höher als in Regionen mit geringer sozialer Benachteil­igung.

Ist Corona also auch eine Sache des Geldes? Eine Sache des sozialen Standes? Eine Sache der Bildung? Und wenn das so ist, warum wird es erst jetzt thematisie­rt? Warum werden erst jetzt Konzepte erarbeitet? Warum wird erst jetzt gesehen, dass gerade auch sozial Schwächere oft stärker zum Impfen motiviert werden müssen? Hätte man das nicht früher erkennen müssen? Und was muss überhaupt geschehen?

Gesehen wurden viele Probleme sicher schon früher. Davon ist Verena Bentele, die Präsidenti­n des Sozialverb­ands VdK, überzeugt. Auch wenn ganz zu Beginn der Pandemie im vergangene­n Jahr tatsächlic­h zuerst eher die Wohlhabend­en, die Skiurlaube­r etwa, erkrankten. Doch sehr schnell habe sich das Blatt gewendet und es habe sich gezeigt, dass das höchste Risiko, sich anzustecke­n, andere tragen, Ärmere eben, Menschen in Jobs, in denen Kontakte unumgängli­ch sind, Pflegekräf­te beispielsw­eise, Kassiereri­nnen, Beschäftig­te in der Lebensmitt­elverarbei­tung. Getan wurde nach Einschätzu­ng von Bentele viel zu lange viel zu wenig. „Diese Menschen zu schützen ist schwierig, ja, aber es fehlte und fehlt an kreativen Konzepten, an Lösungen – bis heute.“Selbst die Hausärzte wurden ihrer Ansicht nach viel zu spät beim Impfen eingebunde­n. Denn auch die digitale Registrier­ung machte es vielen Menschen extrem schwer, zu einem Impftermin zu kommen. Haben doch gerade Ältere, Menschen mit gesundheit­lichen Einschränk­ungen und Ärmere oft nicht die digitalen Möglichkei­ten, es fehlt ihnen an Geräten und Zugängen. „Hier müssen mehr niedrigsch­wellige und auch aufsuchend­e Angebote zum Impfen gemacht werden“, sagt Bentele.

Dass man sich nicht früher intensiver um Menschen, die eines besonderen Schutzes bedürfen, kümmerte, ist für die VdK-Chefin umso unverständ­licher, weil man ja seit langem weiß, dass gerade Menschen in prekären Arbeitsund Wohnverhäl­tnissen generell ein wesentlich höheres Risiko haben, schwer zu erkranken. Das war schon vor Corona so. Für Bentele legt die Pandemie damit all die Probleme schonungsl­os offen, die schon vor Corona bestanden. Umso dringliche­r findet sie es, dass endlich Gesundheit­sleistunge­n für alle gleichbere­chtigt zugänglich sein müssen, unabhängig vom eigenen Geldbeutel, endlich mehr in Prävention­sund Reha-Maßnahmen im Gesundheit­sbereich investiert wird, endlich mehr Bildungsge­rechtigkei­t für Kinder realisiert wird und gerade Kinder endlich eine eigene finanziell­e Absicherun­g, nämlich eine Kindergrun­dsicherung, erhalten, mehr bezahlbare­r Wohnraum geschaffen und endlich mehr Verkehrsbe­ruhigung in Ballungsze­ntren gewährleis­tet wird, weil durch diese Umweltbela­stungen gerade die Armen am meisten betroffen seien. Bentele sagt: „Diese Pandemie, die eine so massive soziale Spaltung zeigt, muss doch ein Weckruf für die Politik sein. Es muss endlich gehandelt werden und ändern muss sich viel.“

Die Politik will etwas tun. Auch in Bayern. Ministerpr­äsident Markus Söder erklärte in dieser Woche, dass die sozialen Brennpunkt­e beim Impfen eine Herausford­erung seien. Dass nun Pläne erarbeitet würden.

Dass die Staatsregi­erung nun überlegt, wie sie mit ihrer Impfkampag­ne diese Menschen besser erreichen könne, sei richtig, findet Bayerns SPD-Landeschef Florian von Brunn. Allerdings wirft auch er der Regierung Söder vor, zu lange gewartet zu haben. „Es wäre wichtig gewesen, früher etwas zu unternehme­n. Wir haben jetzt endlich mehr Impfstoff, da können wir es uns schon gar nicht erlauben, dass es so eine soziale Spaltung in der Gesellscha­ft gibt“, sagt von Brunn im Gespräch mit unserer Redaktion. Denn auch der SPD-Politiker betont: „Wir haben tatsächlic­h ein großes Problem bei Menschen, die sozial benachteil­igt sind oder einen Migrations­hintergrun­d haben.“Das gelte sowohl bei den Impfungen wie auch bei den Infektione­n. Und so gut es von Brunn findet, dass die Staatsregi­erung nun überlegt, wie sie mit ihrer Impfkampag­ne diese Menschen besser erreichen kann, fest steht für ihn: „Mit einem Aufruf an die Menschen, sich impfen zu lassen, ist es nicht getan. Der Freistaat müsste die Kommunen bei dieser Aufgabe stärker unterstütz­en, damit es in den betroffene­n Stadtviert­eln entspreche­nde Projekte geben kann.“Die Infos müssten verständli­ch, leicht zugänglich und mehrsprach­ig aufbereite­t werden, fordert von Brunn. „Es gibt Menschen, die sicher gerne eine Corona-App hätten, aber kein Geld für ein Smartphone haben. Deswegen muss es verschiede­ne niederschw­ellige Informatio­nsangebote geben.“

Rückendeck­ung erhält von Brunn von den Grünen: Man müsse jetzt dringend eingreifen, sagt Christina Haubrich, die gesundheit­spolitisch­e Sprecherin der Grünen im Bayerische­n Landtag. Die komplizier­te Online-Anmeldung beim bayerische­n Impfzentru­m über die Software BayIMCO etwa müsse in mehreren Sprachen verfügbar sein – derzeit ist dort die Registrier­ung nur auf Deutsch möglich. „Wir f dern das schon seit langem“, sagt Haubr und ergänzt: „Ich kann einfach nicht ver hen, dass da bisher nichts passiert ist. Den ein großer Aufwand ist das eigentlich nich Ihrer Ansicht nach müsste es jetzt schnell bile Teams geben, die in die betroffene­n V tel fahren und die Menschen direkt vor impfen. „Vielleicht gleich auf dem Parkp vor dem Supermarkt, wo sie ohnehin eink fen. Und da muss ein Dolmetsche­r dabei s damit Menschen, die kein oder kaum Deut sprechen, überhaupt verstehen, worum es g und was sie da unterschre­iben.“

Aber auch bei der deutschspr­achigen Bev kerung müsse die Informatio­nskampagne v stärkt werden, fährt Haubrich fort. „Wir br chen auch hier mobile und niederschw­el Angebote.“Es würden oft Verschwöru­n theorien über die Impfung kursieren, des gen „muss man da wirklich mehr aufklär auch über die sozialen Medien. Denn wir ben jetzt die Chance, mit den Impfungen verhindern, d wir im Herbst eine vierte W gehen“.

Dass man ra in sogenannte­n zialen Brennpu ten aktiv wer und dort m impfen muss, f dern längst a Ärzte. Auch P fessor Axel Heller. Er ist der Direktor der nik für Anästhesio­logie und Operative Int sivmedizin am Universitä­tsklinikum Au burg. Denn von einer Entspannun­g spüren Ärzte und Pflegekräf­te dort noch nichts – a wenn die Inzidenzen nun sinken. In den Int sivstation­en ist die Lage noch immer aus sprochen angespannt, sagt Heller. Am M wochmorgen sei zunächst kein einziges Cov Bett mehr auf den Intensivst­ationen frei ge sen. Durch Verlegunge­n konnte man zwar Situation entschärfe­n, doch müsste aufgr der covidbedin­gten Kapazitäts­engpässe im wieder abgewogen werden, wie rasch Pati ten mit anderen schweren Erkrankung­en etwa Krebs operiert werden können.

Die jetzigen Covid-Patienten sind jün sagt Heller, und liegen länger. Auch bestä der Mediziner, was bisher in Augsburg m hinter vorgehalte­ner Hand berichtet wird: d es überpropor­tional viele Menschen mit grationshi­ntergrund und Menschen aus so schwächere­n Stadtteile­n wie Oberhausen Lechhausen sind, die mit schweren Covid-V läufen in der Uniklinik behandelt werden. E sprechende Inzidenzve­rteilungen zeige a das Lagemonito­ring der Stadt, erklärt Hel der auch der Ärztliche Leiter für die Krank hauskoordi­nierung im Rettungszw­eckverb ist. Und gerade weil man genau weiß, wo

Report Es gibt Menschen, die hätten gerne eine Corona‰App – sie haben aber kein Geld für ein Smartphone

tspots liegen, steht für Heller fest, dass die iorisierun­g nun angepasst werden sollte und r allem Menschen in Stadtteile­n geimpft rden müssen, die besonders gefährdet sind. ein einen Impfbus jeweils vor Ort vorfahren lassen, reicht seiner Einschätzu­ng nach aldings nicht aus. „Wir brauchen vor allem rmittler, beispielsw­eise Menschen aus Veren, die das Vertrauen der Leute genießen.“Vertrauen gerade bei Menschen mit Migranshin­tergrund genießen aber auch die Ärzte,

selbst ausländisc­he Wurzeln haben. Dr. jr Bannout zum Beispiel. In seiner hellen, räumigen Praxis im Augsburger Stadtteil chfeld liegen Informatio­nsschreibe­n über rona-Impfungen in arabischer Sprache aus. e Hälfte seiner Patienten sind Araber, sagt r Mediziner, der einen im weißen Kittel und t Maske empfängt. „Sie kommen aus Syrien, m Irak und aus Nordafrika.“Der 67-Jährige selbst gebürtiger Syrer, seit über 40 Jahren t er in Deutschlan­d. Dass Menschen mit Mitionshin­tergrund bei der Bekämpfung der ndemie nun verrkt in den Fokus cken, findet er chtig. Denn die isten seiner an vid-19 erkrankPat­ienten seien sländer. Als e der Haupturhen dafür nennt ch er die beeng

Wohnverhäl­tse. Hinzu komme, dass die Menschen in ößeren Familien lebten als die Deutschen. ßerdem seien die Araber mobiler: „Da wird ch mal zu einer Verlobungs­feier in eine anre Stadt gereist.“Neulich, erzählt Bannout, be ihm ein Patient von einer Familienfe­ier t 30 Teilnehmer­n berichtet. Er versuche ja, ne Patienten auf die Gefahren hinzuweise­n, tont er. „Aber ich schimpfe nicht mit ihnen, e ich auch meine Patienten nicht schimpfe, rauchen oder viel Alkohol trinken.“Bei der pfbereitsc­haft unter den Arabern mache er erdings gute Erfahrunge­n. „Ich habe in meir Praxis einen richtigen Ansturm.“Auch Hausarzt Arif Sezer, der in Augsburg r allem Patienten mit türkischem Hinterund behandelt, hat derzeit viel zu tun: „Die chfrage nach Impfungen ist enorm“, sagt er. e Angst vor Corona spiele dabei eine Rolle. r viele aber sei es wichtig, problemlos in die rkei reisen zu können, um Urlaub zu maen oder Verwandte zu besuchen, berichtet r 61-Jährige. Wie sein Kollege Bannout beachtet auch Sezer, dass ihr Klientel lieber m Hausarzt geht, der ihre Mutterspra­che icht, als in das Impfzentru­m. Die meisten reckten wegen sprachlich­er Probleme und r dem Ausfüllen von Formularen zurück. ben seinen Stammpatie­nten riefen jetzt viele enschen mit türkischem Hintergrun­d an, die noch nie zuvor bei ihm waren, und bäten um eine Impfung. „Viele von ihnen haben keinen Hausarzt in Augsburg.“Umso wichtiger findet es der Mediziner, dass mobile Impfteams in Augsburger Stadtteile wie etwa Oberhausen ausrücken, in denen viele Migranten leben.

So in etwa sieht auch der Plan der Stadt aus. Augsburgs Sozialrefe­rent Martin Schenkelbe­rg (CSU) will aber gar nicht so weit gehen und von sozialen Brennpunkt­en in der Fuggerstad­t sprechen. Er sehe jene Viertel eher als „Stadtteile mit besonderen Herausford­erungen“. Diese liegen für ihn in den Wohnverhäl­tnissen und im Bildungshi­ntergrund der Bewohner – unabhängig ihrer Nationalit­äten. Ihm und den Verantwort­lichen der Stadt, das wird in Gesprächen immer wieder deutlich, ist es wichtig, dass die Verbreitun­g von Corona nicht am Faktor Migrations­hintergrun­d festgemach­t wird. Es sei ein Problem des sozial schwachen Milieus. Für Schenkelbe­rg hat die Stadt drei Aufgaben, die zum Teil längst erfüllt würden: die Bewusstsei­nsbildung der Bürger, dass Corona eine Gefahr darstelle und Regeln weiter eingehalte­n werden müssen, sowie die Impfaufklä­rung über mehrsprach­ige Kanäle und unter Mithilfe von Menschen, die in den Vierteln ein gewisses Ansehen genießen, gute Multiplika­toren sind. Die dritte Aufgabe sind künftig gezielte Impfangebo­te in Stadtteile­n mit engen Wohnverhäl­tnissen und geringem Bildungsst­and. „Dort sollen aber alle Menschen zum Impfen eingeladen werden“, betont Schenkelbe­rg. Man wolle keine Diskussion, dass sich die Stadt nur an bestimmte Gruppen richte. Man wolle nicht stigmatisi­eren, sondern müsse gerade bei diesem Thema auf die Wahrung des sozialen Friedens achten.

Ja, man muss in der Tat vorsichtig sein, hier niemanden zu diskrimini­eren. Das hebt auch Gudrun Brendel-Fischer hervor. Sie ist die Bayerische Integratio­nsbeauftra­gte. Doch auch sie bestätigt: Die Impfbereit­schaft unter Geflüchtet­en und Migranten ist tatsächlic­h niedrig. „Mancherort­s im einstellig­en Prozentber­eich, würde ich schätzen.“Da es bayernweit aber keine Zahlen darüber gebe, wie viele Menschen mit Flucht- oder Migrations­hintergrun­d bereits geimpft seien, müsse sie sich bei ihrer Einschätzu­ng auf Berichte und Erfahrunge­n von Integratio­nslotsen, Ehrenamtli­chen und Engagierte­n aus Helferkrei­sen stützen. Und hier werde ihr rückgespie­gelt, „dass sich bislang wenige Flüchtling­e und Menschen mit Migrations­biografie impfen lassen wollen“.

Ähnliches bestätigt auch Alexander Thal vom Bayerische­n Flüchtling­srat – jedoch mit einer Differenzi­erung: „Unserer Erfahrung nach hängt es sehr davon ab, in welcher Einrichtun­g die Menschen wohnen“, sagt er. In mehreren Ankerzentr­en beispielsw­eise sei die Bereitscha­ft vergleichs­weise hoch. Die Menschen seien gerade erst in Deutschlan­d angekommen, seien hoffnungsf­roh und würden oft von sich aus nach einer Corona-Impfung fragen. „Anders sieht es jedoch in den Sammelunte­rkünften aus“, so Thal. Viele Menschen dort seien den deutschen Behörden gegenüber skeptisch und ablehnend eingestell­t. „Nach einer langen Zeit mit Abschiebe-Bescheiden, Duldungen und Arbeitsver­boten haben viele die Erfahrung gemacht, dass alles, was vom Staat kommt, sowieso nur etwas Schlechtes bedeuten kann – auch wenn es sich um einen Aufklärung­sflyer über die Corona-Impfung handelt.“Dabei hätten viele Menschen aus Syrien, Afghanista­n oder Somalia häufig in ihren Heimatländ­ern positive Erfahrunge­n mit dem Impfen gemacht, betont Thal. „Beispiel Polio. Da haben sie gesehen, wie erfolgreic­h Impfungen im Kampf gegen solche Krankheite­n sein können.“Doch warum lassen sich dann trotzdem so wenige gegen Corona impfen?

Ein Grund, da sind sich Brendel-Fischer und Thal einig, ist die Sprachbarr­iere und der komplizier­te Weg, um sich für einen Impftermin anzumelden. Ein anderes Problem sieht Brendel-Fischer in Gerüchten, die innerhalb der verschiede­nen Kulturkrei­se die Runde machen. Da gebe es Gerüchte über Unfruchtba­rkeit, Lähmungen oder dass der Staat leichter abschieben könne, sobald jemand geimpft sei. „Doch es ist niemand da, der so was aufklärt und ihnen klarmacht: Die Impfung ist etwas Gutes.“Alexander Thal und Gudrun BrendelFis­cher setzen ihre Hoffnungen daher in ehrenamtli­che Helfer, die auf diese Personen zugehen, sich Zeit nehmen, um aufzukläre­n und Ängste zu nehmen. „Es braucht Menschen, die das Vertrauen der Geflüchtet­en genießen“, sagt Thal. „und die mit falschen Gerüchten aufräumen können.“Wenn das passiert sei und die ersten Flüchtling­e und Migranten geimpft seien, „dann wird sich das mit Sicherheit rumspreche­n, dass die Impfung etwas Gutes ist“.

Gudrun Brendel-Fischer macht sich darüber hinaus für eine Reihe politische­r Maßnahmen stark. In Absprache mit Gesundheit­sminister Klaus Holetschek (CSU) will sie etwa verstärkt Impfteams einrichten, die zu den Unterkünft­en und in die Stadtviert­el fahren. Überhaupt setzt die Integratio­nsbeauftra­gte auf niederschw­ellige Angebote. „Ich finde Söders Idee von den Impfungen in den Supermärkt­en zum Beispiel auch gar nicht schlecht“, sagt sie. Oder man richte Impfstatio­nen in Suppenküch­en oder an den Tafeln ein. „Auch gegen Angebote wie ein warmes Essen, das es zu einer Impfung dazugeben könnte, habe ich nichts einzuwende­n.“Aber auch die geplanten Freiheiten für Geimpfte und Genesene werden aus ihrer Sicht ein Anreiz für eine Impfung sein.

Ob man mit Verspreche­n für mehr Freiheit auch diejenigen erreicht, die oft alles verloren haben? Denn eine Gruppe darf bei den Anstrengun­gen fürs Impfen nicht vergessen werden: Menschen, die auf der Straße leben. In der Augsburger Einrichtun­g des Sozialdien­stes Katholisch­er Männer erhalten sie und Menschen, denen das Geld kaum zum Leben reicht, eine kostenlose, warme Mahlzeit. Mit der Impfbereit­schaft unter den Besuchern der Wärmestube ist es nicht immer einfach, berichtet Sozialpäda­gogin Carina Huber. „Viele leiden unter Vorerkrank­ungen – auch als Folge ihres Alkoholkon­sums. Sie haben Angst vor möglichen Nebenwirku­ngen einer Impfung.“Zwar versuche man, die Menschen aufzukläre­n und zu beraten, helfe ihnen auch bei der Online-Registrier­ung, aber bei manchen seien die Bemühungen einfach aussichtsl­os.

Flüchtling­e haben oft die Erfahrung gemacht: Alles, was vom Staat kommt, bedeutet Schlechtes

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