Donau Zeitung

„Ich werde hüpfen“

Hans Rosenthals Luftsprüng­e in „Dalli Dalli“sind legendär. Vor 50 Jahren hatte die Show Premiere – und Johannes B. Kerner will sie nun auf seine eigene Art würdigen

- Interview: Josef Karg

Herr Kerner, lassen Sie uns erst einmal über Stress sprechen.

Johannes B. Kerner: Ich habe keinen Stress. Dazu kann ich mich also nur als Unbeteilig­ter äußern.

Kaum zu glauben, da Sie in diesen Tagen im ZDF gleich in mehreren Quizshows zu sehen sind!

Kerner: Das geht schon. Es gibt in meinem Leben ja auch wieder Phasen der Regenerati­on. Das kriege ich schon hin. Ab und zu ist es ein bisschen mehr, aber das ist doch erfreulich. Ich arbeite gerne. Das liegt an meinem Beruf. Ich bereite mich gerne vor, lasse die Leute glänzen und lerne gerne dazu wie bei „Terra X“.

Man nennt Sie auch die „Allzweckwa­ffe des ZDF“. Wie finden Sie das? Kerner: Na, da haben Sie aber tief gestöbert. Das habe ich schon 20 Jahre nicht mehr gehört. Ich kann auch mit dem Begriff nicht so viel anfangen. Ein Fußballer wie Joshua Kimmich, der einen guten Verteidige­r gibt, aber auch auf der Sechs spielt – ist der nun Allzweckwa­ffe oder einfach ein guter Fußballer?

Vermutlich beides. Aber Sie haben recht: Der Begriff klingt ein wenig militarist­isch.

Kerner: Ganz genau. Für mich gilt, ich mag meinen Beruf und bereite mich auf die unterschie­dlichen Herausford­erungen gewissenha­ft vor. Wenn das dann jemand Allzweckwa­ffe nennt, dann habe ich damit aber auch kein Problem.

Von Thomas Gottschalk sagt man, er bereite sich nicht immer so richtig gründlich auf Sendungen vor ... Kerner: Ich weiß nicht, ob das bei Thomas stimmt. Ich jedenfalls bereite mich sehr gewissenha­ft vor. Das ist auch eine Form des Respekts vor den Sendungen. Darum mache ich das auch akkurat.

Wie lang bereiten Sie sich auf eine Sendung wie, sagen wir, „Die große Terra X-Show“vor?

Kerner: Wir haben da ja Mythen und wissenscha­ftliche Phänomene. Auch da lese ich mich ein, zu jedem Sachverhal­t gibt es Dossiers. Dann finden viele Gespräche über die Themen statt, ich schaue die fertigen Filme an, danach werden Abläufe und Spiele der Sendung durchgespr­ochen. Also, das zieht sich schon über Wochen, aber nicht „nine to five“oder „24/7“. Schließlic­h die Arbeit im Studio, die ja nicht nur die Sendung selbst ist, sondern auch aus Proben und anderen Vorbereitu­ngen besteht.

Ganz schön aufwendig, oder?

Kerner: Stimmt schon. Aber für mich ist es auch ein Ankämpfen gegen Nervosität. Denn nervös bin ich nur, wenn ich nicht weiß, was passiert. Darum bereite ich mich lieber genau vor. Das gibt Sicherheit. Oder wie schon Rudi Carrell gesagt hat: Man kann nur ein Ass aus dem Ärmel schütteln, wenn man es vorher reingestec­kt hat.

Kritiker werfen Ihnen vor, Sie seien zu nett. Was sagen Sie denen?

Kerner: Ich könnte Gesprächsp­artner vermitteln, die da ganz anderer Meinung sind. Aber per se gehe ich tatsächlic­h eher mit einem Lächeln im Gesicht durchs Leben. Ich bin den Menschen zugetan und denke, dass ich eher ein freundlich­er Mensch bin. Das ist aber eher eine Grundhaltu­ng.

Sie verstellen sich nicht?

Kerner: Nein, ich bin keiner, der unfreundli­ch ist oder scharf. Ich bin halt kein Misanthrop. Wenn das nun jemand nett nennt, kann ich damit gut leben.

Welche Fähigkeite­n braucht man, um ein guter Quizmaster zu sein? Kerner: Interesse für die Sache und am Spiel. Es gehört auch eine gewisse Sicherheit im Durchführe­n so einer Sendung dazu. Es geht ja nicht nur darum, Fragen vorzulesen. Es geht auch darum, wie ich den Kandidaten ihre Nervosität nehmen kann, und das auf eine sympathisc­he Art und Weise. Beim Fernsehen nennt man das Arbeit im Format.

Und was sind Ihre Stärken dabei? Kerner: Manchmal kommen beispielsw­eise beim „Quiz-Champion“Kandidaten raus, die kommen so selbstsich­er und breitbeini­g hereinspaz­iert, dass es unglaublic­h ist. Ich sehe das auch an Marcel Reif, wenn der so guckt und denkt: Du komm mir her, Freund! Die muss man eher einbremsen. Anderersei­ts gibt es auch welche, die zittern am ganzen Körper, da muss man dann eher Händchen halten, auch wenn dies derzeit pandemiebe­dingt nicht möglich ist.

Haben Sie eigentlich einen Lieblingsm­oderator oder eine Lieblingsm­oderatorin im Fernsehen?

Kerner: Ich gucke mit einem gewissen Interesse amerikanis­che LateNight-Shows. Von den deutschen Moderatore­n gucke ich verlässlic­h gerne Marietta Slomka oder Claus Kleber vom „heute-journal“.

Sie bleiben dem ZDF auch in dieser Hinsicht treu?

Kerner: Nein, nicht nur. Ich habe auch Riesenresp­ekt vor Thomas Gottschalk, Günther Jauch, Kai Pflaume oder früher Stefan Raab.

Und schauen Sie selbst auch Quizsendun­gen im Fernsehen oder moderieren Sie die nur?

Kerner: Neulich habe ich mal eine Stunde die eigene Sendung gesehen. Das mache ich sonst nie. Und ich habe es auch nur deshalb gemacht, weil wir hinterher eine Redaktions­konferenz haben sollten, in der über das Format gesprochen werden sollte. Sonst schaue ich keine eigenen Sendungen. In Quizsendun­gen wie „Wer wird Millionär?“zappe ich schon mal rein. Aber im Grunde eher selten.

Am 13. Mai 1971 wurde die legendäre Show „Dalli Dalli“erstmals im ZDF gesendet. Sie moderieren am Samstag eine Jubiläumss­how: Geben Sie da Hänschen Rosenthal?

Kerner: Dieser naheliegen­den Versuchung werde ich widerstehe­n. Ich will das auf meine eigene Art lösen. Aber ich bereite mich auf den berühmten „Spitze“-Sprung vor. Wenn die Mitspieler alle auf den roten Knopf drücken, werde ich hüpfen.

Würde eine Show wie „Dalli Dalli“denn heute noch funktionie­ren? Kerner: Ich kann mir das vorstellen, und das nicht nur, weil ich diese Sendung moderiere. Denn die Mischung aus schnellen Wortwitzsp­ielen und großen szenischen Spielen stimmt. Dieser Tempowechs­el ist für so ein Format wichtig.

Sie haben mal gesagt, Sie hätten noch keinen „Tatort“gesehen. Was sind Sie denn für ein Deutscher!

Kerner: Sie können gerne schreiben, dass ich kein guter Deutscher bin. Ich habe auch nur gesagt, dass ich noch keinen „Tatort“zu Ende gesehen habe. Wenn da Kinder entführt werden oder so, dann bin ich raus. Mein Leben ist aufregend genug. Ich brauche diese zusätzlich­e Anspannung nicht.

Johannes B. Kerner moderiert am Samstag um 20.15 Uhr im ZDF

„50 Jahre Dalli Dalli – die große Jubiläumss­how“. Kerner, 1964 in Bonn geboren, wurde in den 90ern durch das Sat.1‰Fußball‰Magazin „ran“bekannt. Später präsentier­te er im ZDF eine nach ihm benannte, überaus beliebte Talkshow. Der Vater von vier Kindern lebt in Hamburg.

 ??  ??
 ?? Fotos: Tobias Schult, Arthur Grimm/ZDF ?? Johannes B. Kerner und „Dalli Dalli“‰Legende Hans Rosenthal. Der moderierte die TV‰ Show erstmals am 13. Mai 1971. Alte Folgen sind in der ZDFmediath­ek im Internet abrufbar.
Fotos: Tobias Schult, Arthur Grimm/ZDF Johannes B. Kerner und „Dalli Dalli“‰Legende Hans Rosenthal. Der moderierte die TV‰ Show erstmals am 13. Mai 1971. Alte Folgen sind in der ZDFmediath­ek im Internet abrufbar.

Newspapers in German

Newspapers from Germany