Donau Zeitung

Neu‰Ulm: Sind 5000 Impfdosen unwirksam?

Schwere Panne in Praxis. Kühlschran­k eines bekannten Arztes war nicht kalt genug

- VON MARKUS BÄR UND MICHAEL KROHA

Neu‰Ulm Eine spektakulä­re Impfpanne hat Folgen für Tausende von Patienten weit über den Landkreis Neu-Ulm hinaus: Bis zu 5000 Impfungen des bundesweit bekannten Hausarztes Christian Kröner sind möglicherw­eise unwirksam. Der Kühlschran­k, in dem die Wirkstoffe gelagert waren, war danach über Wochen zu warm eingestell­t.

Es sei nicht ausgeschlo­ssen, dass durch die etwas erhöhte Lagertempe­ratur der Impfstoff in seiner Wirkung abgeschwäc­ht worden sei oder seine Wirkung ganz verloren haben könnte, betonte Kröner in einem Schreiben an seine Patienten. „Willkommen in der blanken Hölle“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das hätte nie passieren dürfen. Aber ich kann es nicht rückwärts drehen. “Ob eine Impfung erfolgreic­h war, will der 39-Jährige nun durch Antikörper­tests im Blut der betroffene­n Patienten feststelle­n. Die Kosten dafür übernehme er. Sollten bei diesem Test nicht ausreichen­d Antikörper festgestel­lt werden können, empfiehlt Kröner eine erneute Impfung. Die Ergebnisse der ersten Tests zeigen nach seinen Worten jedoch, dass es mit Biontech weniger Probleme gebe als bei Impfungen mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson, die Werte für AstraZenec­a stünden noch aus.

Menschen aus ganz Deutschlan­d kamen in den vergangene­n Monaten nach Pfuhl, um sich in der Praxis von Kröner impfen zu lassen, der sich selbst einen „Impfluence­r“nennt und bundesweit immer wieder in den Medien präsent war. Er prangerte offensiv Missstände in der nur zögerlich angelaufen­en Impfkampag­ne an und warf der Ständigen Impfkommis­sion vor, im Kampf gegen die Pandemie nicht schnell genug zu sein. Weil er in seiner Praxis im Neu-Ulmer Stadtteil Pfuhl auch Kinder und Jugendlich­e gegen das Coronaviru­s impft und sogar öffentlich für diese Impfungen wirbt, hatte Kröner zwischenze­itlich sogar Morddrohun­gen erhalten.

Entdeckt wurden die Probleme offenbar bei einem Ortstermin der Gesundheit­sbehörde in der Praxis. Dabei sei aufgefalle­n, dass die Temperatur des Kühlschran­ks zu hoch eingestell­t war, betonte ein Sprecher des Landratsam­tes. „Darauf musste der Inhalt des Kühlschran­ks weggeworfe­n werden.“Außerdem musste die Praxis alle Patienten auflisten, die im Zeitraum seit April geimpft wurden. Kröner dagegen betonte gegenüber unserer Redaktion, der Kühlschran­k sei ständig von seinen Mitarbeite­rn kontrollie­rt worden, die die Ergebnisse auch protokolli­ert hätten.

Nachdem Kröner ja bereits zugesagt hat, dass er einen Antikörper­test bei den betroffene­n Geimpften aus eigener Tasche zahlen würde, stellt sich nun allerdings auch die Frage, wer den Impfstoff bezahlt, sollten Patienten noch einmal nachgeimpf­t

An Impfstoff fehlt es nicht

werden müssen. Aus Sicht der Kassenärzt­lichen Vereinigun­g Bayern wird dieser jedoch vom Staat bezahlt. „Die Patienten werden ihn jedenfalls nicht bezahlen müssen“, ist sich der Sprecher der Vereinigun­g, Axel Heise, sicher. Kröner würde den Impfstoff vermutlich nachbestel­len – und bekommen. Inzwischen stehe Impfstoff in großer Menge zur Verfügung. Sicher ist Heise sich aber nicht. „Dazu ist dieser Fall zu neu.“Aus dem gleichen Grunde wisse er auch noch nicht, ob Kröner Sanktionen drohen. Das bayerische Gesundheit­sministeri­um hat nach eigenen Angaben noch keine näheren Informatio­nen zu dem Fall. Ein Sprecher betonte lediglich: „Sofern eine Qualitätsm­inderung des Impfstoffs nicht auszuschli­eßen ist, sollte noch vorhandene­r Impfstoff entsorgt werden.“

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