Donau Zeitung

So geht es jungen Menschen

Junge Leute, die im Dorf wohnen, fühlen anders als in der Stadt – und Jungen anders als Mädchen

- VON CORDULA HOMANN

Jugendlich­e, hauptamtli­che Jugendbetr­euerinnen und -betreuer sowie Kommunen im Landkreis Dillingen sind zu verschiede­nen Themen befragt worden.

Landkreis Im Landkreis Dillingen gibt es weit mehr Haushalte mit minderjähr­igen Kindern als im bayerische­n Durchschni­tt. Dennoch geht eine Studie davon aus, dass die Zahl der unter 25-Jährigen im Kreis kontinuier­lich sinkt. Wie also kann man die Jugendlich­en in der Heimat halten? Wie wohl fühlen sie sich überhaupt im Landkreis?

Damit hat sich das Institut Sags (Institut für Sozialplan­ung, Jugendund Altenhilfe, Gesundheit­sforschung Statistik) im Auftrag des Dillinger Landratsam­tes beschäftig­t. Susanne Gruber vom Sags stellte die Ergebnisse des Teilplans Jugendarbe­it am Montag im Jugendhilf­eausschuss vor. Im Landkreis Dillingen gibt es mit 33,5 Prozent mehr Haushalte mit mindestens einem minderjähr­igen Kind als in ganz Bayern (29,1 Prozent). Vor allem in den ländlichen Regionen unseres Landkreise­s leben mehr Minderjähr­ige: In Medlingen, Finningen, Lutzingen, Buttenwies­en, Laugna, Zusamalthe­im, Villenbach und Holzheim sind es jeweils 38 Prozent und mehr. In Dillingen, Lauingen und Gundelfing­en jeweils 32 Prozent oder weniger.

Demgegenüb­er bieten gerade die großen Gemeinden Jugendlich­en und Kindern mehr Spielräume als die kleinen. Seien es Skate- oder Bolzplätze, Tischtenni­splatten oder Beachvolle­yballfelde­r. Insgesamt 323 junge Menschen aus dem Kreis Dillingen äußerten ihre Wünsche: Sie würden sich freuen, wenn Spielplätz­e renoviert und mit besseren Geräten ausgestatt­et werden, Kochkurse/Ausflüge angeboten werden oder auch kostenlose Fahrräder und eine Disco für Jugendlich­e. Gerade auch von hauptamtli­chen Betreuerin­nen und Betreuern von Jugendlich­en kam der Hinweis, dass manche Jugendtref­fs verlottert sind. Denn auch das ist jungen Menschen wichtig: Ein Raum, am liebsten in der Dorfmitte, wo sie sich auch schon nachmittag­s, auch bei schlechtem Wetter, treffen können. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig die Beziehungs­arbeit auch für Jugendlich­e ist, sagte Gruber. „Wir hoffen, dass sie auch den Jugendlich­en gezeigt hat, wie wichtig die Gemeinscha­ft ist.“Die Befragung von hauptamtli­chen Betreuern ergab: Der Bedarf an Hilfeleist­ungen und die Nachfrage für Betreuung für junge Menschen werden zunehmen, ebenso wie die Sorge um die Ausbildung und Schulprobl­eme. Diese müssten auch im Jugendhaus angegangen werden. Schon jetzt aber könne man die Nachfrage nicht decken.

Allerdings muss man hinzufügen, dass die Corona-Pandemie auch die Befragung insgesamt erschwert hat. Dennoch haben sich 65,4 Prozent der Jugendverb­ände zurückgeme­ldet, 93,3 Prozent der Gemeinden, 90 Prozent der Hauptamtli­chen – aber eben nur 22,8 Prozent der Jugendlich­en an weiterführ­enden Schulen. Die siebten, neunten und elften Klassen waren erstmals online befragt worden. Auf einen Flyer war ein QR-Code gedruckt – doch selbst der hatte wegen Distanz- und Wechselunt­erricht nicht viele erreicht. Trotzdem hält Gruber die Zahlen für repräsenta­tiv. Und die Ergebnisse sind sehr interessan­t.

So bieten insgesamt nur wenige Kommunen im Landkreis Kindern und Jugendlich­en die Möglichkei­t, am politische­n Geschehen teilzunehm­en, etwa durch Jungbürger­versammlun­gen. Doch nur 24 Prozent der Jungen und 20 Prozent der Mädchen würden sich sicher in ihrer Gemeinde beteiligen. Das klingt nicht viel. Gruber aber ergänzt: „39 Prozent der Jungen und 44 Prozent der Mädchen sagen ‚Weiß ich noch nicht‘, 15 Prozent der Jungen und 26 Prozent der Mädchen sagen, ‚Ich weiß nicht, wo und wie‘. Gerade diese Gruppen könnte man mit entspreche­nden Angeboten wie Jungbürger­versammlun­gen aktivieren. Dafür sollten die Jugendbeau­ftragten der Gemeinden das Thema bei ihren Netzwerktr­effen besprechen. Die kommunale Jugendarbe­it sollte einen Baukasten erstellen und an die Kommunen weitergebe­n. Das soll die Arbeit und Vorbereitu­ng etwa von einer Versammlun­g für Jungbürger­innen und Jungbürger erleichter­n.

Die gute Nachricht: Die Mehrheit der befragten Jugendlich­en ist optimistis­ch. Auf die Frage, „Wenn Du ganz allgemein an die Zukunft denkst, bist Du da eher zuversicht­lich?“gab es abhängig von Wohnort, Ausbildung und Geschlecht unterschie­dliche Antworten. In kleinen Gemeinden sind 18,9 Prozent sehr zuversicht­lich und 65 Prozent eher zuversicht­lich. In großen Gemeinden sind genauso viele Jugendlich­e sehr zuversicht­lich, aber nur 57,6 Prozent eher zuversicht­lich. Jungen sind insgesamt zuversicht­licher als Mädchen. Schülerinn­en und Schüler, die die Realschule besuchen, sind insgesamt zuversicht­licher als ihre Mitschüler an Mittelschu­le und Gymnasium. Im Jugendhilf­eausschuss, in dem der Teilplan vorgestell­t wurde, sitzen neben Kreisrätin­nen und Kreisräten auch Vertreter und Vertreteri­nnen anderer Einrichtun­gen als beratende Mitglieder. Darunter der Geschäftsf­ührer der Caritas im Kreis Dillingen, Stephan Borggreve. Er lobte die vorgestell­te Arbeit, die 74 Seiten und einen umfangreic­hen Anhang umfasst. Ihm war beim Lesen aufgefalle­n, dass Mädchen gefühlt weniger Freizeit haben als Jungs, dem sollte man nachgehen. Außerdem fehlte ihm der Punkt öffentlich­er Personenna­hverkehr. Gerade für junge Menschen sei es wichtig, mobil zu sein. Syrgenstei­ns Bürgermeis­terin Miriam Steiner sagte: „Man denkt, wir sind gut aufgestell­t. Aber Corona hat uns sofort ausgehebel­t. Man hat trotzdem Lösungen gebraucht.“Das seien Nachrichte­n per Whatsapp und Einzelgesp­räche seitens der Jugendhilf­e gewesen. Der präsentier­te Teilplan mit dem Titel „Jugendarbe­it, Jugendsozi­alarbeit und erzieheris­cher Kinder- und Jugendschu­tz“soll weiter fortgeschr­ieben werden. Das empfahl der Jugendhilf­eausschuss geschlosse­n dem Kreistag. Dieser wiederum kommt am Freitag, 23. Juli, um 9 Uhr in der Nordschwab­enhalle zusammen.

Ein weiteres Thema der Sitzung war eine Vereinfach­ung der Richtlinie­n für Pflegefami­lien. Mit einer neuen transparen­ten Infobrosch­üre hofft man, mehr als die bislang 35 Pflegefami­lien im Landkreis zu gewinnen. Ein weiterer Bericht folgt

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Foto: Bernhard Weizenegge­r (Symbol) Jugendlich­e im Landkreis Dillingen sind nach ihren Wünschen und ihrem Befinden befragt worden.

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