Donau Zeitung

Eines der kleinsten Weinanbau‰Gebiete Deutschlan­ds

Am Südhang unterhalb des Kannenkell­ers wachsen in einem Weinberg die Trauben für das legendäre Lauinger Schlitzohr. Es gibt ein Fest

- VON BERTHOLD VEH

Lauingen Vermutlich ist es das kleinste Weinanbau-Gebiet Bayerns: Am Hang hinterm Kannenkell­er in Lauingen befindet sich ein Weinberg. Dort wachsen die Trauben für das legendäre Schlitzohr, wie der Wein aus der AlbertusMa­gnus-Stadt genannt wird. „Der Weinberg ist das Aushängesc­hild unseres Vereins“, sagt die Vorsitzend­e des 1. Lauinger Winzervere­ins, Gerlinde Bolsinger. 2020 hätten die Hobby-Winzer das 30-jährige Bestehen des Klubs feiern wollen, doch Corona machte dem feucht-fröhlichen Anlass einen Strich durch die Rechnung. Wer das Treiben des Winzervere­ins eher auf die humorvolle Weise betrachtet, dem begegnet Bolsinger mit einer gewissen Strenge: „Der Weinbau in Lauingen ist eine ernste Angelegenh­eit.“Auf die leichte Schulter nähmen die Mitglieder die Sache jedenfalls nicht.

Die Weinbau-Abteilung des Bayerische­n Landwirtsc­haftsminis­teriums hatte vor Jahren auf Nachfrage mit einem Augenzwink­ern bestätigt, dass in Lauingen „sicher eines der kleinsten Weinbaugeb­iete in Deutschlan­d“liege. Der 1. Lauinger Winzervere­in kümmert sich im Weinberg am Südhang hinter dem Kannenkell­er um etwa 80 Rebstöcke. Die Anbaufläch­e mache rund 200 Quadratmet­er aus, sagt Bolsinger. „Wir ernten im Jahr durchschni­ttlich 300 Kilogramm Trauben im Weinberg und darüber hinaus an einigen anderen Außenstell­en“, erklärt die Vorsitzend­e. Die Menge variiere jährlich, denn die Trauben seien ja ein Naturprodu­kt. Aus den Trollinger- und Lemberger-Trauben entsteht der Rotwein des Lauinger Schlitzohr­s, und aus den Sorten Riesling und Phoenix Weißwein. Sie nach der Ernte zu einem Weingut bei Heilbronn gefahren und dort verarbeite­t. Die Mitglieder schwören auf die Qualität des Weins aus Lauinger Trauben. Er könne es durchaus mit Tafelweine­n im herkömmlic­hen Ausbau aufnehmen. „Lieber ein gutes Schlitzohr als eiwerden nen schlechten Lambrusco aus dem Supermarkt“, hieß es früher einmal bei einer Weinernte des Lauinger Winzervere­ins.

Dieses Wochenende wird nun das 30. Jubiläum nachgefeie­rt. Der Verein lädt am Sonntag, 25. Juli, von 13 bis 18 Uhr zum Tag des Lauinger Weinbergs ein. Winzerköni­gin Heike Pelzl wird dabei sein, Gäste können das Lauinger Schlitzohr probieren. Und Philipp und Johannes Pippert öffnen die Gewölbe des Lauinger Kannenkell­ers. Dort erfahren Besucher und Besucherin­nen Interessan­tes bei den Führungen.

Gerlinde Bolsinger hofft, Interessie­rte für den Weinbau begeistern zu können. „Wir sind ein kleiner Lauinger Verein mit etwa 40 Mitglieder­n, der Brauchtum und Geselligke­it pflegt.“Es werde eine lange Tradition gepflegt. „Der Weinanbau in Lauingen reicht bis in die Römerzeit zurück“, betont Bolsinger. Im Mittelalte­r soll im Donautal großflächi­g Wein angebaut worden sein. Da haben die Lauinger Winzer mit ihrem kleinen Weinberg noch Luft nach oben.

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Klein, aber fein: Im Weinberg des Lauinger Winzervere­ins unterhalb des Kannenkell­ers wachsen Trauben.
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Fotos: Aumiller/A. Schuster

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