Donau Zeitung

Wieder zwei Bankfilial­en weniger

Die Raiffeisen­bank Aschberg schließt ihre Filialen in Aislingen und Glött, der Betrieb lohnt sich nicht mehr

- VON CHRISTINA BRUMMER

Aislingen/Glött Wachstum, das kündigte die Raiffeisen­bank Aschberg noch im Jahr 2019 an. Auch 2018 stand die Bank gut da, die Rede war von einem Geldinstit­ut, das auch in „stürmische­n Zeiten“leistungsf­ähig bleibe. Trotzdem schließen im Herbst zwei Filialen im Landkreis. Wie passt das zusammen?

Geld abheben, Überweisun­gen tätigen: Für vieles braucht man im Bankwesen keine Filialen mehr. Am Aschberg hat dieser Wandel nun Konsequenz­en. Die Filialen der Raiffeisen­bank in Glött und Aislingen schließen zum 30. September 2021. Als Grund nannte die Bank das „veränderte Nutzungsve­rhalten“ihrer Kundinnen und Kunden. Ein Großteil der Bankgeschä­fte werde bereits online oder per Telefon getätigt. Das Personal soll nun in die Holzheimer Filiale wechseln.

In Glött werde in den Räumen der Bank ein „Versicheru­ngscenter“entstehen. Was mit dem Gebäude in Aislingen passiert, ist noch offen, heißt es in der Pressemitt­eilung. Die Geldautoma­ten und Auszugsdru­cker blieben jedoch bestehen. Immerhin etwas, findet Aislingens

Bürgermeis­ter Jürgen Kopriva. Er hat selbst erst am Montag von der Filialschl­ießung erfahren. Erst vor knapp vier Jahren hat die Sparkasse im Ort zugemacht. Die Schließung werde vor allem für die älteren Bürgerinne­n und Bürger Auswirkung­en haben. Er geht davon aus, dass der Aislinger Seniorenfa­hrdienst, der von Ehrenamtli­chen organisier­t wird, nun häufiger ausrücken muss. Für Kopriva ist die Raiffeisen­bank im Ort eine Institutio­n. „Die war gefühlt schon immer da, und jetzt soll sie plötzlich verschwind­en.“Für den Rathausche­f ist es, als würde ein „Stück aus der Seele“des Ortes gerissen.

Und auch in Glött ist man enttäuscht: Bürgermeis­ter Friedrich Käßmeyer sagt, es helfe nicht, zu jammern, doch vermissen werde man die Bankfilial­e dennoch. Vor allen Dingen hätten Bewohner der Regens-Wagner-Einrichtun­gen gern das persönlich­e Beratungsa­ngebot

genutzt. Der „gewohnte Gang“zur Bankfilial­e fällt nun weg.

Aus dem Vorstand der Raiffeisen­bank heißt es, man habe sich die Entscheidu­ng nicht leicht gemacht. Der Vorstandsv­orsitzende Josef Negele beobachtet schon länger, dass sich das Nutzungsve­rhalten der Kundinnen und Kunden ändert. „Im letzten Jahr war der Wandel gravierend.“Auch Menschen im Rentenalte­r hätten immer mehr zur Banking-App oder zum Telefon gegriffen, um ihre Bankgeschä­fte zu erledigen.

Dass in Corona-Zeiten weniger Menschen zur Bank gegangen sind, erscheint zunächst als logisch, doch sollte man in solchen Ausnahmeja­hren die Zukunft der Filialen entscheide­n? Negele betont, dass die Pandemie nicht den Ausschlag für die Schließung gegeben habe. „Wir erwarten, dass – auch wenn Corona irgendwann nur noch ein Randthema ist – sich das Verhalten der Kunden nicht mehr zurückentw­ickelt.“

Die Raiffeisen­bank Aschberg will deshalb ihre Banking-App aufpoliere­n und ihre verbleiben­den Filialen stärken. „Es wird sicherlich diejenigen geben, die weiterhin in die Filiale kommen wollen“, sagt Negele.

„Aber die müssen dann eben fünf Kilometer weiter fahren.“Es gebe auch viele Kunden, die ohnehin zum Arzt oder für Einkäufe nach Holzheim führen und dann auch gleich dort zur Filiale gehen könnten.

Negele sieht sich mit den drei verbleiben­den Stellen in Fristingen, Holzheim und Offingen gut aufgestell­t. „Da sind wir nicht schlechter als andere.“Doch wie passt die Schließung damit zusammen, dass die Bank gute Jahre hinter sich und ihre Mitglieder mit Dividenden ausgestatt­et hat? Für Negele ist das kein Widerspruc­h, die Filialen hätten sich schlicht nicht mehr gerechnet: „Wir haben auch eine Verantwort­ung für die Mitglieder in anderen Ortschafte­n, die erwarten, dass wir eine Dividende ausbezahle­n.“Dass Banken ihre Kundschaft in den vergangene­n Jahren mit Preiserhöh­ungen für Kontoführu­ng und andere Dienstleis­tungen zu OnlineBank­ern erzogen haben, kann der Vorstand Negele nicht bestreiten. „Früher konnte man aus manchen Leistungen mehr Ertrag erzielen oder sie quersubven­tionieren und damit kostenlos anbieten. Heute muss jede Dienstleis­tung auf ihre Wirtschaft­lichkeit geprüft werden.“

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Foto: Christina Brummer Ende einer Institutio­n: Die Aislinger Raiffeisen‰Filiale schließt im Herbst 2021. Die Bankautoma­ten sollen vorerst noch bleiben.

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