Wer Schä­den durch Schnee zahlt

Im­mer mehr Schnee las­tet auf den Dä­chern. Was, wenn der Druck zu groß wird und das Ge­bäu­de lei­det? Oder ei­ne Dach­la­wi­ne Pas­san­ten trifft? Wir er­klä­ren, wer dann ein­springt

Donauwoerther Zeitung - - Geld & Leben -

Han­no­ver Wenn ei­ne Schnee­la­wi­ne vom Haus ab­geht und ei­nen Pas­san­ten trifft oder die Schnee­last das Dach be­schä­digt, kön­nen die Fol­gen da­für teu­er wer­den. Wel­che Ver­si­che­rung greift dann für die Schä­den? Ei­ne Über­sicht.

● Schnee­la­wi­ne vom Dach Haus­be­sit­zer müs­sen da­für sor­gen, dass Pas­san­ten nicht durch gro­ße Schnee­men­gen ver­letzt wer­den, be­rich­tet die R+V-Ver­si­che­rung. Da­zu sei es sinn­voll, Schnee­fang­git­ter ein­zu­set­zen. Doch die­se hiel­ten den Schnee auf dem Dach fest, ho­he Dach­las­ten sei­en mög­lich. „Haus­be­sit­zer soll­ten vor der Mon­ta­ge prü­fen, ob das Dach das aus­hält“, schreibt die Ver­si­che­rung.

An­ge­nom­men, ein Pas­sant ver­letzt sich doch, weil ein Schnee­brett vom Haus­dach ab­ge­gan­gen ist und ihn ge­trof­fen hat. Was dann? „Bei Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern soll­ten Ei­gen­tü­mer ei­ne Haus- und Grund­be­sit­zer-Haft­pflicht­ver­si­che­rung ha­ben“, rät Andre­as Gernt, Ver­si­che­rungs­ex­per­te der Ver­brau­cher­zen­tra­le Nie­der­sach­sen. „Da­mit sind sie im­mer auf der si­che­re­ren Sei­te.“

Bei Ein­fa­mi­li­en­häu­sern reicht meist die pri­va­te Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Ei­gen­tü­mers, wenn die­ser das Haus selbst be­wohnt. „Sie schützt vor Scha­dens­an­sprü­chen Drit­ter.“Das gilt auch, wenn et­wa ein Pas­sant auf dem Geh­weg we­gen Glät­te aus­rutscht.

Wich­tig zu wis­sen: Um den Ver­si­che­rungs­schutz nicht zu ge­fähr­den, müs­sen Ei­gen­tü­mer Geh­we­ge, Zu­fahr­ten so­wie Flä­chen, die zum Grund­stück ge­hö­ren, tags­über räu­men und bei Glät­te streu­en. Die Pflich­ten kön­nen sie über­tra­gen – et­wa auf Mie­ter oder Di­enst­leis­ter. Aber auch dann be­steht wei­ter­hin ei­ne Kon­troll­pflicht.

● Schnee­druck Rich­tet die Schnee­last auf dem Dach Schä­den am Ge­bäu­de an, greift kei­nes­falls au­to­ma­tisch die Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung, warnt Gernt. „Das ist nur der Fall, wenn Ver­si­cher­te zu­sätz­lich ei­ne Ele­men­tar­scha­den­ab­de­ckung ab­ge­schlos­sen ha­ben.“Denn die Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung schützt nur vor Grund­ri­si­ken – al­so bei Schä­den et­wa durch Brand, Blitz­schlag oder Sturm und Ha­gel.

Sein Tipp: Ver­brau­cher soll­ten prü­fen, ob im Ver­trag die­ser Ele­men­tar­schutz schon ent­hal­ten ist. An­dern­falls soll­ten sie ihn in den Ver­trag auf­neh­men las­sen. Nur dann wer­den Kos­ten für Schä­den er­stat­tet, die Na­tur­ge­wal­ten ver­ur­sa­chen – al­so bei­spiels­wei­se durch Schnee­last, La­wi­nen, Erd­rutsch, Hoch­was­ser oder Stark­re­gen. Auch die R+V-Ver­si­che­rung warnt Haus­be­sit­zer: „Schä­den durch gro­ße Schnee­men­gen sind nur ver­si­chert, wenn Ele­men­tar­schä­den ein­ge­schlos­sen sind.“

● La­wi­nen­ge­bie­te Wenn ei­ne La­wi­ne ein Haus be­schä­digt, ist das nicht nur ein Fall für die Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung mit Ele­men­tar­scha­den­ab­de­ckung. Denn für Schä­den im Haus ist die Haus­rat­ver­si­che­rung zu­stän­dig – sie er­setzt dann et­wa ka­put­te Mö­bel oder die Ein­rich­tung. „Aber eben auch nur, wenn der Ver­trag Ele­men­tar­schä­den ab­deckt!“, er­klärt Gernt.

Die Haus­rat­ver­si­che­rung greift auch in we­ni­ger hef­ti­gen Fäl­len, et­wa bei Fol­ge­schä­den: Al­so wenn ein Sturm ein Haus­dach ab­deckt oder Ha­gel Fens­ter ka­putt macht und dann Feuch­tig­keit ins Haus ge­langt, greift sie ge­ge­be­nen­falls bei Schä­den an be­weg­li­chen Ge­gen­stän­de wie Mö­beln.

● Schä­den am Au­to Wird ein Au­to durch ei­ne Schnee­la­wi­ne be­schä­digt, die vom Dach ab­ge­gan­gen ist, müs­sen Be­trof­fe­ne sich an ih­re Kf­zVoll­kas­ko­ver­si­che­rung wen­den. Un­ter Um­stän­den kön­nen Be­trof­fe­ne Scha­den­er­satz­an­sprü­che ge­gen Haus­ei­gen­tü­mer gel­tend ma­chen, wenn die­se ih­re Pflich­ten ver­nach­läs­si­gen und et­wa ei­ne re­gio­na­le Ver­pflich­tung für Schnee­fän­ge igno­riert oder bei Ge­fahr im Ver­zug nicht re­agiert ha­ben. „Dann prüft die Pri­vat­haft­pflicht oder die Haft­pflicht für Haus- und Grund­be­sit­zer, ob ein An­spruch be­steht, und deckt die Schä­den ge­ge­be­nen­falls ab“, sagt Gernt.

● Ein­sturz der Ga­ra­ge Stürzt das Ga­ra­gen­dach tat­säch­lich durch die Schnee­last ein, ist der Scha­den am Ge­bäu­de über die Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung ab­ge­deckt – so­fern Ele­men­tar­schä­den ein­ge­schlos­sen sind, be­rich­tet die R+V-Ver­si­che­rung. „In schnee­rei­chen Re­gio­nen lohnt sich des­halb be­son­ders ein Blick in den Ver­si­che­rungs­ver­trag“, sagt Di­plom-In­ge­nieur Kris­to­fer Ols­son, Bau­ex­per­te im R+V-In­fo­cen­ter. Das­sel­be gel­te für die Haus­rat­ver­si­che­rung, die Schä­den über­nimmt, die im In­ne­ren des Ge­bäu­des ent­ste­hen. Aus­nah­me: Schä­den an Au­tos, die durch Schnee­druck ent­ste­hen, wer­den nur von der Voll­kas­ko­ver­si­che­rung über­nom­men, be­rich­tet die Ver­si­che­rung.

● So­lar­an­la­gen Schä­den durch Schnee­druck an So­lar­an­la­gen sind der R+V-Ver­si­che­rung zu­fol­ge über die Ele­men­tar­scha­den­ver­si­che­rung ab­ge­deckt. Die So­lar­an­la­ge muss al­ler­dings zu­vor mit­ver­si­chert wer­den.

Foto: Li­no Mir­gel­er, dpa

Vie­le Ge­bäu­de äch­zen ge­ra­de un­ter ho­hen Schnee­las­ten. Wenn es zu Be­schä­di­gun­gen an der Bau­sub­stanz kommt, reicht Haus­be­sit­zern ei­ne Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung nicht. Nö­tig ist ei­ne Ele­men­tar­scha­den­ab­de­ckung.

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