Dresdner Neueste Nachrichten

Neue Bademode im Stil der Kaiserbäde­rzeit kommt aus Sachsen

Die Designerin K0trin Werger lässt ihre Entwürfe in Oberlungwi­tz produziere­n

- VON MARTINA RATHKE

AHLBECK. 90-60-90: Nur wenige Frauen entspreche­n heute dem vermeintli­chen Schönheits­ideal mit den Traummaßen weiblicher Proportion­en. Laut Angaben des Statistisc­hen Bundesamte­s haben mehr als 40 Prozent der Frauen einen Body-mass-index von über 25 und tragen an Bauch sowie Hüften mehr oder weniger formenden Wohlstands­peck mit sich herum. Jürgen Kraft, Sammler historisch­er Bademoden aus Ahlbeck auf der Ostsee-insel Usedom, kann deshalb beim aktuellen Trend zu knappen Badeanzüge­n und freizügige­n Bikinis nur mit dem Kopf schütteln. Die historisch­en Bademieder aus seiner Sammlung zeigen dagegen, dass das Mehr an Stoff durchaus seine Reize haben kann. „Das Verhüllen von gewissen Körperpart­ien kann doch viel erotischer sein als das Bloßstelle­n“, meint der Sammler.

Vor etwa einem Jahr hörte die Stylistin Katrin Werger einen Radiobeitr­ag über Kraft und dessen historisch­e Bademode-sammlung. Sie nahm Kontakt zu dem Ahlbecker auf, um sich von den historisch­en Modellen für ihre Prachtstüc­k-kollektion im Vintage-look inspiriere­n zu lassen. „In unserer Modeindust­rie ist das 16-jährige Mädchen das Ideal. Ich bin aber keine 16 mehr, und ich bin auch kein Strich, will mich aber trotzdem als Frau erkannt sehen“, beschreibt Werger ihre Intention, Bademoden zu entwerfen, die die weiblichen Rundungen in Szene

setzen und Problemzon­en gekonnt kaschieren.

Seit etwa drei Wochen werden ihre Badeanzüge und Zweiteiler, die an die Mode der zwanziger Jahre und an körperform­ende Mieder der fünfziger Jahre erinnern, online verkauft. Ein Badeanzug in der Zwanziger-jahre-tennisklei­d-optik oder ein Badekleid mit kleinem Röckchen im Josephine-baker-stil gehören ebenso dazu wie ein Bikini, der mit seinen nostalgisc­hen Schleifche­n Bezug auf

diede Miedermode­edeode derde damaligend­aage Zeitet nimmt. Vorbilder für die Kollektion sind ebenfalls der figurbeton­te Look von Marilyn Monroe oder Sophia Loren.

Als Reminiszen­z an die Usedomer Bade-tradition soll ein Teil der Stücke nun auf der Insel als sogenannte Kaiserbäde­r-edition mit kleinem goldenem Kaiserbäde­r-logo angeboten werden. „Der Trend zu Vintage ist nicht neu, aber er ist stabil“, sagt Sigrid Münzberg, Sprecherin des Bundesverb­andes Design Mode Textil. Zum einen diene dieser Mode-trend dazu, sich vom Mainstream abzusetzen. Zum anderen könne er auch als Rückbesinn­ung auf alte Werte, die Erinnerung an die Jugend oder die Identifika­tion mit einem Jahrzehnt verstanden werden – auch wenn der Blick dabei manchmal verklärt sei.

Produziert werden die Bademoden in einem Werk in Sachsen, was Bademodesa­mmler Kraft besonders freut. Genauer in Oberlungwi­tz im Kreis Zwickau. „Dort lag bis zur Wende der Schwerpunk­t der Ddr-bademoden-produktion“, sagt er. Der ehemalige VEB Strickware­n OLUBA mit 3200 Beschäftig­ten produziert­e Bademoden, die in 18 Ländern exportiert wurden – auch als sogenannte „Gestattung­sproduktio­n“für westdeutsc­he Bademodenh­ersteller. Der Name OLUBA setzte sich zusammen aus Oberlungwi­tzer Untertriko­tagen und Badeartike­l.

Die Idee, an die Tradition züchtigere­r, aber dennoch reizvoller Bademoden anzuknüpfe­n, sei aus der eigenen Notlage heraus entstanden. „Ich war selber sehr unglücklic­h. Ich habe nichts gefun- den, was mir gefällt“, erinnert sich Werger. Ihre Stücke im nostalgisc­hen Schick sollen wohl proportion­ierten Frauen nun „würdevolle­n Halt“geben.

Dazu arbeitet Werger mit Tricks aus dem Sportmoden-bereich oder aus der Bademoden-geschichte: breitere Träger, ein straffer genähtes Innenteil, um der Figur mehr Form zu verleihen. Ihr Ziel: Das Positive betonen und das Negative optisch verschwind­en lassen.

Schon in den zwanziger Jahren wusste die Bademoden-industrie Frauen mit weiblichen Formen Halt zu geben, sagt Bademoden-historiker Kraft. Das Kölner Unternehme­n Rosenberg & Herz (RH Forma) habe sich damals das eingearbei­tete Mieder im Badeanzug patentiere­n lassen.

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Fotos (5): dp0 Die Models Julia, Elline und Karoline (v. l.) präsentier­en vor der Seebrücke am Strand des Usedomer Seebades Ahlbeck die neuen Bademode-kreationen.
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Ob Badeanzüge in Tennisklei­d-optik (l.) und mit Schleifche­n-verzierung (M.) oder Zweiteiler – die Mode von Katrin Werger orientiert sich an der Bademode der zwanziger Jahre.
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„In unserer Modeindust­rie ist das 16jährige Mädchen das Ideal. Ich bin aber keine 16 mehr.“ Katrin Werger, Stylistin

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