Durch­stoß sie­ben Me­ter un­ter der El­be

Um­land­ge­mein­den pum­pen Ab­was­ser nach Ka­ditz und un­ter­que­ren den Fluss an der Au­to­bahn­brü­cke

Dresdner Neueste Nachrichten - - DRESDEN - VON THO­MAS BAU­MANN-HART­WIG

Von der Vi­si­on bis zur Fer­tig­stel­lung dau­er­te es sechs Jah­re: Der Ab­was­ser­zweck­ver­band (AZV) „Wil­de Sau“mit den Ge­mein­den Wils­druff, Tha­randt, Klipp­hau­sen und ein­zel­nen Orts­tei­len von Frei­tal muss­te 2012 über die Zu­kunft ent­schei­den. Soll die Klär­an­la­ge mo­der­ni­siert und er­wei­tert wer­den? Oder gibt es ei­nen bes­se­ren und vor al­lem kos­ten­güns­ti­ge­ren Plan?

Zwi­schen der Um­set­zung der Vi­si­on liegt nur noch die El­be: „Wir ha­ben be­schlos­sen, die Ab­wäs­ser in die Dresd­ner Klär­an­la­ge nach Ka­ditz zu pum­pen“, er­klär­te Azv-vor­sit­zen­der Andre­as Claus­nit­zer. Acht bis neun Mil­lio­nen Eu­ro kos­te die Lö­sung die Ge­büh­ren­zah­ler. Ei­ne Bun­des­stra­ße und ei­ne Ei­sen­bahn­tras­se muss­ten un­ter­quert wer­den, nun ist auf dem Weg nach Ka­ditz die El­be dran.

Un­ter­halb der Au­to­bahn­brü­cke ist auf Alt­städ­ter Sei­te ein grö­ße­res Are­al ab­ge- sperrt. Lkw rol­len über die schma­le Flens­bur­ger Stra­ße, ein grü­nes Un­ge­tüm brummt. Auf der an­de­ren Elb­sei­te liegt ein end­los lan­ges grau­es Rohr. Die­ses Rohr soll, wenn es das Wet­ter zu­lässt, in we­ni­gen Ta­gen un­ter dem Fluss auf die Alt­städ­ter Sei­te ge­zo­gen wer­den, er­läu­tert Hen­ry Stru­ke, Bau­lei­ter bei der Jo­sef Beer­mann Gm­bh & Co. KG. „Die Pi­lot­boh­rung ist schon fer­tig. Jetzt wird sie ver­grö­ßert.“

Durch Fels­ge­stein muss­ten sich die Boh­rer von der Alt­städ­ter auf die Neu­städ­ter Elb­sei­te ar­bei­ten. Die Ma­schi­nen schie­ben mit 250 Ton­nen, wo­bei sie ih­re Kraft nicht voll­stän­dig ein­set­zen müs­sen. „Wir ar­bei­ten lang­sam, da­mit wir das Bohr­gut wie­der auf­be­rei­ten kön­nen“, so Stru­ke. Ein mi­ne­ra­li­sches Ton­ge­misch wird dank ei­nes Spül­ver­fah­rens aus der Ma­schi­ne ge­schwemmt.

Knapp vier Ta­ge hat es ge­dau­ert, bis der Boh­rer das Neu­städ­ter Elb­ufer er­reicht hat, rund 500 Me­ter ist die Boh­rung lang. Et­wa sie­ben Me­ter un­ter dem Elb­grund ver­läuft das Bohr­loch und un­ge­fähr zehn Me­ter un­ter dem Fest­land in Ka­ditz. 350 Mil­li­me­ter Durch­mes­ser hat die Pi­lot­boh­rung, 650 Mil­li­me­ter das aus­ge­wach­se­ne Bohr­loch.

Wenn es nach den In­ten­tio­nen des AZV ge­gan­gen wä­re, wä­re das Rohr in ei­nem Dü­ker ver­legt wor­den. „Wir ha­ben uns die Aus­schrei­bung durch­ge­le­sen und uns ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu ei­ner of­fe­nen Que­rung der El­be über­legt“, er­klär­te Sven Fischer, Ge­schäfts­füh­rer der Jo­sef Pfaf­fin­ger Leip­zig Bau­ge­sell­schaft mbh, die ge­mein­sam mit Beer­mann die El­bun­ter­que­rung er­rich­tet. Der Ein­griff in die Na­tur sei beim Boh­ren ge­rin­ger als beim Dü­kern, der Schiffs­ver­kehr wer­de nicht durch ein Bag­ger­schiff be­ein­träch­tigt. „Ei­ne Elb­que­rung ist im­mer ein Hö­he­punkt“, er­klär­te Fischer, war­um er sich in­ten­siv um den Auf­trag be­müht hat.

Mit ei­nem mo­der­nen Mess­ge­rät lässt sich die Boh­rung zen­ti­me­ter­ge­nau über­wa­chen, er­läu­ter­te Stru­ke, und wei­te­re hoch­wer­ti­ge Tech­nik ver­hin­de­re bö­se Über­ra­schun­gen: „Wir kön­nen da­mit me­tal­li­sche Hin­der­nis­se und Kampf­mit­tel im Um­feld der Boh­rung er­fas­sen“, so der Bau­lei­ter. Hoch­was­ser­si­cher ist die Bau­stel­le auch – bin­nen ei­nes Ta­ges kann sie ge­räumt wer­den.

Im Ju­ni soll al­les fer­tig sein, dann flie­ßen rund ei­ne Mil­li­on Ku­bik­me­ter Ab­was­ser aus Wils­druff und Um­ge­bung nach Dres­den. Die Re­gi­on wächst, wie Claus­nit­zer er­klär­te. „In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ha­ben wir 500 neue Haus­an­schlüs­se ge­legt. Zahl­rei­che Un­ter­neh­men ha­ben sich in den Ge­wer­be­ge­bie­ten an­ge­sie­delt.“

Die Dresd­ner Klär­an­la­ge kann es ver­kraf­ten. Neue Um­lauf­be­cken und Um­lauf­ver­tei­ler sor­gen für ei­ne Ge­samt­ka­pa­zi­tät von 48 Mil­lio­nen Ku­bik­me­ter Ab­was­ser. 30 Mil­lio­nen kom­men aus Dres­den und zehn Mil­lio­nen aus Um­land­kom­mu­nen wie Pir­na und Hei­denau.

Fo­to: An­ja Schnei­der

Bohr­tech­ni­ker Stef­fen Ja­cob ar­bei­tet mit an der neu­en El­bun­ter­que­rung un­ter­halb der Au­to­bahn­brü­cke.

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