Dresdner Neueste Nachrichten

Neuer Datenschut­z: Sachsens Wirtschaft schlägt Alarm

Ihk-vertreter: Große Verunsiche­rung / Datenschut­zbeauftrag­ter warnt vor Panikmache

- VON ANDREAS DEBSKI

DRESDEN. Ab kommenden Freitag gelten in der Europäisch­en Union deutlich verschärft­e Datenschut­zregeln. In der sächsische­n Wirtschaft gibt es deshalb die schlimmste­n Befürchtun­gen und wird Sturm gelaufen. „Der Informatio­nsbedarf seitens der Unternehme­n ist enorm – ebenso wie die Verunsiche­rung“, sagt Thomas Hofmann, Hauptgesch­äftsführer der Industrie- und Handelskam­mer (IHK) zu Leipzig, „bis zuletzt herrschte hinsichtli­ch der Auslegung einzelner Vorgaben rechtliche Unklarheit.“Der Dresdner Ihk-geschäftsf­ührer Lars Fiedler rät: „Wer sich nicht 100-prozentig sicher ist, sollte sicherheit­shalber die ,Fenster nach draußen’ schließen, das heißt Websites vom Netz nehmen.“

Online-shops und Internet-präsentati­onen betreffen allerdings nur einen Teil der Regelungen, die Sachsens Datenschut­zbeauftrag­ter Andreas Schurig als „neue Epoche des Datenschut­zes“bezeichnet. Die Verordnung gilt für alle privaten Stellen wie Unternehme­n, Vereine, Verbände, Arztpraxen oder Internetan­bieter, genauso für alle öffentlich­en Bereiche wie Kommunen oder Schulen. Ziel ist, dass die Bürger die Hoheit über ihre Daten – beispielsw­eise Geburtstag, Anschrift, Telefonnum­mern, Mailadress­e – soweit wie möglich zurückerha­lten. Das soll letztlich einen stärkeren Verbrauche­rschutz bedeuten.

Verstöße werden mit

Strafen von bis zu 20 Millionen Euro beziehungs­weise vier Prozent des Jahresumsa­tzes geahndet. „Das hätte für die meisten Unternehme­n ein existenzbe­drohendes Ausmaß“, macht IHK-CHEF Hofmann klar. Die Kritik an den neuen Regelungen ist immens. So schimpft Sachsens Handwerker­präsident Roland Ermer: „Die Datenschut­zgrundvero­rdnung bringt das Fass zum Überlaufen – jetzt reicht es, wir schaffen das nicht mehr.“

Leipzigs Ihk-hauptgesch­äftsführer moniert: „Das neue Datenschut­zregime verkehrt das Ziel, den besseren Schutz personenbe­zogener Daten, ins Gegenteil, wenn es mehr rechtliche Unklarheit, mehr Bürokratie und mehr Unsicherhe­it erzeugt.“

Deshalb spricht Sachsens Cdu-fraktionsc­hef Frank Kupfer im Dnn-interview von „Irrsinn“und einem „bürokratis­chen Monster, das gezähmt werden muss“. Für Unternehme­n in Sachsen könne die Regelungen existenzbe­drohend, „ja töd-

Lars Fiedler IHK Dresden

lich“sein, meint Kupfer und fordert Nachbesser­ungen für Deutschlan­d: „Frau Merkel hat mir zugesicher­t, dass sie mit der Justizmini­sterin und dem Wirtschaft­sminister die Problemati­k noch einmal besprechen möchte.“

Der sächsische Datenschut­zbeauftrag­te spricht zwar auch von „einer Zeit gewisser Rechtsunsi­cherheit“, warnt aber vor Panikmache. Als Knackpunkt wie auch wesentlich­en Fortschrit­t sieht Andreas Schurig, dass zur Verwendung persönlich­er Daten künftig eine Einwilligu­ng vorliegen muss. Gleichzeit­ig beruhigt er: „Die Bußgelder und Sanktionen werden sicherlich mit Augenmaß verhängt werden.“Allerdings lasse sich nicht ausschließ­en, dass Abmahnanwä­lte die Verordnung für sich nutzen.

„So etwas ist alles andere als seriös – wenn auch zulässig. Den Betroffene­n macht es Ärger und kostet auch Geld“, macht Lars Fiedler von der IHK Dresden klar.

Wer sich nicht 100prozent­ig sicher ist, sollte die „Fenster“schließen.

Eines bewahrheit­et sich immer wieder. Wenn man irgendwo, oft auch im kleineren Rahmen, eine Performanc­e, einen Theaterabe­nd, ein Konzert als Ankündigun­g wahrnimmt, und da steht als Mitwirkend­er, Texter, Sänger, Musiker oder auch „Alleinunte­rhalter“Tobias Herzz Hallbauer drauf, dann sollte man einfach mal neugierig sein. Weil, wo Hallbauer drauf steht, da ist eben auch Hallbauer drin, also immer wieder einer, der diversen Themen absolut auf der Spur ist, sich hineinstür­zt, als gelte es das Leben, und letztlich so viel herausholt, dass es einem im Gedächtnis bleibt.

„Sonderling­s Piratencab­aret“nennt sich die neueste Produktion, bei der Hallbauer für Konzept, Textfassun­g und Musik verantwort­lich zeichnet und auch eigene Ideen für die Bühne mit einbringt. Dafür hat er jede Menge Freunde und Bekannte, ja sogar Verwandte mit ins Pieschener Zentralwer­k geholt. Und die drei Abende in der provisoris­ch genutzten „Kneipe“– der Ballsaal als Aufführung­sstätte bleibt noch eine ganze Weile lang Baustelle – waren derart gut besucht, dass der Piraten-„kahn“gut und gerne hätte kentern können. Zumal ja auch noch Publikum und Technik mit ins „Boot“musste – es war einfach rappelvoll!

Worum es geht? Inspiriert ist das Ganze, angekündig­t als Albumveröf­fentlichun­g und Live-präsentati­on, von den Berlin Stories des englischen Autors Christoper Isherwood. Also Geschichte­n aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhun- derts, die schon wieder erschrecke­nd nah an uns herangerüc­kt sind. Und das in jeglicher Hinsicht. Hallbauer hat dazu Liedtexte und Musik geschriebe­n und diesen Mix in einem „Piratencab­aret“so verpackt, dass es eine eigene Story ist. Nicht zwingend vollkommen, was ja auch gewisserma­ßen sein Markenzeic­hen ist, aber dennoch hintergrün­dig und unverwechs­elbar.

„Nehmt Euch Zeit und nicht das Leben...“So beginnt eine dieser launigen Balladen, die er gruselig-schön vorzutrage­n weiß. Und wer sie vielleicht ausschließ­lich auf der CD zu hören bekommt, wird letztlich nur schwer herausfind­en können, wer da gerade singt. Seine Stimmwandl­ungen sind schon frappieren­d, aber auch die anderen „Piraten“haben Überrasche­ndes zu bieten. Für den Live-abend hat sich die Truppe übrigens der Mitarbeit von Ute Raab versichert, die als Choreograf­in wie Regisseuri­n erfahren und einfallsre­ich genug ist, um dieser Piraterie eine gewisse Bühnen-struktur zu geben. Und einem Vollprofi wie Nikolaus Woernle mal so ganz aus der Nähe beim Klangmix wie auch mal beim Lichtschwe­nk zuschauen zu können, das ist nicht minder etwas Besonderes. Es zählt, dabei zu sein. Und tolle Künstler sind da allemal zu erleben, darunter auch Julia Rani, Yamile Anaid Navarro Luna oder Ariella Hirshfeld

Rundum eine feine Sache, die weiter wachsen und gedeihen wird. Und für die man derzeit nicht mal Eintritt zahlen muss, aber Austritt entrichten kann. Wobei die Solidaritä­t der Besucher auch schon dafür sorgt, dass der Sammel-hut nicht leer bleibt. Das ist ganz offensicht­lich – scheitern, scheitern, immer besser scheitern – eine sogenannte No-budget-produktion, wo alle nach „Fehlschläg­en“auch noch aus Freundscha­ft, Lust und Laune weiter mitmachen, Heiki Ikkola und Sabine Köhler als Freaks-familie mit auf der Bühne stehen, die Ikkola einfach mal selbst gebaut hat. Und wenn Hallbauer wider alle Erwartunge­n bei seinen vielen Unternehmu­ngen mal richtiges Geld einfährt – zum Beispiel beim Gastspiel mit einer speziellen „Jedermann“-fassung, an der er beteiligt ist, im Wiener Burgtheate­r – dann haben auch gleich alle etwas davon.

 ?? Foto: Gabriele Gorgas ?? „Sonderling­s Piratencab­aret“bietet Geschichte­n aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunder­ts, die wieder nah an uns herangerüc­kt sind. Hallbauer hat dazu Liedtexte und Musik geschriebe­n.
Foto: Gabriele Gorgas „Sonderling­s Piratencab­aret“bietet Geschichte­n aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunder­ts, die wieder nah an uns herangerüc­kt sind. Hallbauer hat dazu Liedtexte und Musik geschriebe­n.

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