Sta­si­be­auf­trag­ter Ra­the­now kri­ti­siert Geyer und Dy­na­mo

Neu­es Tele­me­di­en­ge­setz soll „Pres­se­ähn­lich­keit“ver­bie­ten und Me­dia­the­ken kom­for­ta­bler ma­chen

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - VON IMRE GRIMM

DRES­DEN. Der säch­si­sche Lan­des­be­auf­trag­te für die Au­f­ar­bei­tung der Sed-dik­ta­tur, Lutz Ra­the­now, sieht den Um­gang von Edu­ard Geyer mit der Dis­kus­si­on um sei­ne Sta­si-be­las­tung und den Sta­tus als Eh­ren­spiel­füh­rer kri­tisch. „Ein Satz, es spie­le al­les kei­ne Rol­le mehr, es lie­ge al­les auf dem Tisch, so ein Satz stimmt nie“, stell­te Ra­the­now im Ge­spräch mit den DNN fest. Die brei­te und dif­fe­ren­zier­te Dis­kus­si­on in der Stadt und weit dar­über hin­aus sei „völ­lig le­gi­tim“. In ei­nem frü­he­ren Sta­di­um hät­te Geyer den Kon­flikt ver­mei­den kön­nen.

ARD, ZDF und Deutsch­land­ra­dio müs­sen ih­re Textin­hal­te im In­ter­net künf­tig stär­ker ein­schrän­ken als bis­her. Das sieht der Ent­wurf für ein neu­es Tele­me­di­en­ge­setz vor, dem al­le 16 Mi­nis­ter­prä­si­den­ten in Berlin ges­tern zu­ge­stimmt ha­ben. Die Mi­nis­ter­prä­si­den­ten wol­len die Re­geln für öf­fent­lich-recht­li­che On­li­ne­an­ge­bo­te re­for­mie­ren. Es ist der Schluss­strich un­ter ei­nen jah­re­lan­gen Streit zwi­schen pri­va­ten Ver­la­gen und öf­fent­lich-recht­li­chen Sen­dern.

Nach dem neu­en Ge­setz sol­len die On­li­ne­an­ge­bo­te der Sen­der ih­ren Schwer­punkt künf­tig ein­deu­tig in Be­wegt­bild und Ton ha­ben, „um sich von den An­ge­bo­ten der Pres­se­ver­la­ge zu un­ter­schei­den“. Wört­lich heißt es: „Die Tele­me­di­en­an­ge­bo­te dür­fen nicht pres­se­ähn­lich sein.“Par­al­lel be­kom­men die Sen­der mehr Spiel­raum in ih­ren Me­dia­the­ken, um für die Zu­schau­er at­trak­ti­ver zu wer­den.

Zwi­schen Ver­le­gern und öf­fent­li­chrecht­li­chen Sen­dern gibt es seit Jah­ren ju­ris­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen über die Ex­pan­si­ons­stra­te­gie im Netz. Die Ver­la­ge be­fürch­ten, dass text­las­ti­ge kos­ten­lo­se Kon­kur­renz­an­ge­bo­te, die durch üp­pi­ge Rund­funk­bei­trä­ge fi­nan­ziert wer­den, die Chan­cen ih­rer ei­ge­nen di­gi­ta­len In­hal­te stark ein­schrän­ken. Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat­te da­zu im Sep­tem­ber 2016 ent­schie­den, dass die „Ta­ges­schau“-app vom 15. Ju­ni 2011 zu sehr von Tex­ten und Bil­dern be­stimmt und da­mit „pres­se­ähn­lich“ge­we­sen sei. Im Ja­nu­ar hat­te der NDR ge­gen die­ses Ur­teil Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein­ge­legt.

Nun al­so die Wen­de: „Es gibt heu­te nur Ge­win­ner“, sag­te Ma­thi­as Döpf­ner, Prä­si­dent des Bun­des­ver­bands Deut­scher Zei­tungs­ver­le­ger (BDZV), bei ei­ner ge­mein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz mit der Mi­nis­ter­prä­si­den­tin von Rhein­land-pfalz, Ma­lu Drey­er (SPD), mit ih­rem Amts­kol­le­gen Rei­ner Ha­seloff (CDU) aus Sach­sen-an­halt so­wie den In­ten­dan­ten von ARD, ZDF und Deutsch­land­ra­dio. Die jah­re­lan­ge De­bat­te ha­be sich ge­lohnt, sag­te Döpf­ner. „Mit der Ei­ni­gung ist ei­ne gu­te Vor­aus­set­zung ge­schaf­fen wor­den, um das dua­le Me­dien­sys­tem in Deutsch­land zu sta­bi­li­sie­ren.“Ha­seloff sprach gar von ei­nem „his­to­ri­schen Au­gen­blick für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land“. Am En­de sei­en vor al­lem zwei Din­ge aus­schlag­ge­bend für die Dee­s­ka­la­ti­on des teils er­bit­tert ge­führ­ten „trau­ri­gen Bru­der­kamp­fes“(Deutsch­land­ra­dio-in­ten­dant Ste­fan Raue) ge­we­sen: das Be­wusst­sein für die ge­mein­sa­men In­ter­es­sen der deut­schen Ver­la­ge und der Öf­fent­lich-recht­li­chen im schär­fer wer­den­den Wett­be­werb mit glo­ba­len Me­di­en­kon­kur­ren­ten. Und der Kampf für Glaub­wür­dig­keit und Qua­li­tät im Fa­keNews-zeit­al­ter. Auch die „Angst, dass uns, wenn wir so wei­ter­ma­chen, das gan­ze Sys­tem um die Oh­ren fliegt“, ha­be laut Döpf­ner bei der Kom­pro­miss­fin­dung ei­ne Rol­le ge­spielt.

Ver­la­ge er­hiel­ten nun die Frei­heit, ih­re Pro­duk­te im Netz zu ver­mark­ten, oh­ne dass ih­nen ne­ben­an ein kos­ten­lo­ses, bei­trags­fi­nan­zier­tes „Nut­zungs­äqui­va­lent“das Was­ser ab­gräbt. Um­ge­kehrt kön­ne man den Öf­fent­lich-recht­li­chen nicht grund­sätz­lich Textin­hal­te ver­bie­ten oder dau­er­haft Wör­ter und Zei­len zäh­len, um die Zu­läs­sig­keit zu über­prü­fen. „Das ist un­jour­na­lis­tisch“, be­ton­ten bei­de Sei­ten. Die Vor­aus­set­zung für den neu­en Burg­frie­den: Die On­li­ne­an­ge­bo­te von Ver­la­gen und Tv-sen­dern müs­sen sich auf den ers­ten Blick klar un­ter­schei­den und so­fort als sol­che er­kenn­bar sein. Über Zwei­fels­fäl­le soll künf­tig ei­ne ge­mein­sam be­setz­te und un­ab­hän­gi­ge Sch­lich­tungs­stel­le be­ra­ten.

Mit die­ser Lö­sung sind die Ver­la­ge be­reit, auf ei­ne bü­ro­kra­ti­sche Quan­ti­fi­zie­rung der zu­läs­si­gen Text­men­ge oder gar ein kom­plet­tes Text­ver­bot bei ARD- oder Zdf-netz­an­ge­bo­ten zu ver­zich­ten. „Wir sa­gen al­so nicht: Du darfst nur dies und das im Netz tun, son­dern wir sa­gen: Je­der soll sich auf sei­ne Stär­ken kon­zen­trie­ren“, sag­te Döpf­ner.

Als Ent­ge­gen­kom­men für ARD und ZDF fällt die un­durch­sich­ti­ge so­ge­nann­te

Es gibt heu­te nur Ge­win­ner. Ma­thi­as Döpf­ner, Prä­si­dent des Bun­des­ver­bands Deut­scher Zei­tungs­ver­le­ger

Sie­ben-ta­ge-re­gel weg, die bis­lang die Ver­weil­dau­er von Sen­dun­gen in den Me­dia­the­ken von ARD und ZDF be­grenz­te. Das be­deu­tet für die Zu­schau­er: Die Me­dia­the­ken wer­den kom­for­ta­bler, über­sicht­li­cher und um­fang­rei­cher. Das er­höht ih­re At­trak­ti­vi­tät im Wett­be­werb mit in­ter­na­tio­na­len Strea­m­ing­an­bie­tern wie Net­flix oder Ama­zon. „Den Zu­schau­ern wa­ren die Me­dia­the­ken­re­geln im­mer ein Rät­sel“, sag­te Zdf-in­ten­dant Tho­mas Bel­lut.

Dem neu­en Tele­me­di­en­ge­setz müs­sen jetzt noch die Län­der­par­la­men­te zu­stim­men. Trotz der Ei­ni­gung will der NDR die Zu­läs­sig­keit der „Ta­ges­schau“-app von 2011 wei­ter­hin in Karls­ru­he per Ver­fas­sungs­be­schwer­de prü­fen las­sen.

Auch über ei­ne Neu­ge­stal­tung der Rund­funk­fi­nan­zie­rung be­rie­ten die Mi­nis­ter­prä­si­den­ten. Ein In­dex­mo­dell könn­te die Bei­trags­hö­he künf­tig au­to­ma­tisch an die In­fla­ti­ons­ra­te kop­peln. Das neue Ver­fah­ren steht aber noch nicht fest.

Lutz Ra­the­now

Edu­ard Geyer

Screen­shot

Jah­re­lan­ger Kon­flikt um die Text­men­ge in öf­fent­lich-recht­li­chen Netz­an­ge­bo­ten: So se­hen die Apps von „heu­te“(ZDF), dem Deutsch­land­ra­dio und der Ard-„ta­ges­schau“heu­te aus.

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