Die Ar­beit an eu­ro­päi­schen Lö­sun­gen be­ginnt – oh­ne See­ho­fer

Dresdner Neueste Nachrichten - - BLICKPUNKT - Mat­thi­as Koch

Am vo­ri­gen Di­ens­tag ka­men in Lu­xem­burg die In­nen­mi­nis­ter der EU zu­sam­men. Ihr The­ma: Neu­re­ge­lung der Flücht­lings­po­li­tik. Der neue deut­sche In­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer aber blieb der Sit­zung fern, aus „Ter­min­grün­den“.

Da­bei wä­re deut­sches En­ga­ge­ment an die­ser Stel­le ge­bo­ten und will­kom­men ge­we­sen. Auch beim Eu-gip­fel am 28. und 29. Ju­ni ist Mi­gra­ti­on das Top-the­ma. An­ge­la Mer­kel be­rei­tet sich be­reits akri­bisch vor. Am 18. Ju­ni trifft sie in Ber­lin den neu­en ita­lie­ni­schen Pre­mier Gi­u­sep­pe Con­te.

Nach und nach wächst quer durch Eu­ro­pa die Ein­sicht, dass zwei gro­ße Schrit­te not­wen­dig sind: ver­stärk­ter Schutz der Au­ßen­gren­zen plus bes­se­res Zu­sam­men­spiel in­ner­halb der EU. Über die Au­ßen­gren­zen wird es we­nig Streit ge­ben. Die Eu-kom­mis­si­on plant schon die Ver­zehn­fa­chung ih­res Fron­tex-per­so­nals. Kon­sens ist auch, dass die 500 Mil­lio­nen Eu­ro­pä­er nicht die Erst­auf­nah­me­län­der Ita­li­en und Grie­chen­land al­lein­las­sen kön­nen. Hel­fen wür­de es, wenn ein Teil der Flücht­lin­ge in an­de­re Eu-staa­ten wei­ter­rei­sen könn­te. Zu ei­nem sol­chen Mo­dell wür­de die von See­ho­fer ge­plan­te ge­ne­rel­le Ab­wei­sung von be­reits an­ders­wo in der EU re­gis­trier­ten Men­schen nicht pas­sen.

Fach­leu­te in Brüssel fin­den See­ho­fers An­satz dop­pelt pro­ble­ma­tisch. Po­li­tisch fal­le der CSU-CHEF der Kanz­le­rin in ei­nem für Eu­ro­pa heik­len Mo­ment in den Rü­cken. Wäh­rend Mer­kel et­wa Frank­reich da­zu be­we­gen wol­le, we­ni­ger Flücht­lin­ge nach Ita­li­en ab­zu­wei­sen, set­ze See­ho­fer ei­nen ex­akt ent­ge­gen­ge­setz­ten na­tio­na­len Ak­zent. Wenn al­le Staa­ten so däch­ten, schei­te­re die ge­sam­te EU. Hin­zu kom­men recht­li­che Be­den­ken: Wür­de See­ho­fer je­man­den in ei­nen Nach­bar­staat zu­rück­wei­sen, der auch dort kein Auf­ent­halts­recht hat, hät­te er per Po­li­zei ei­nen il­le­ga­len Zu­stand ge­schaf­fen.

Spa­ni­ens neu­er Au­ßen­mi­nis­ter Jo­sep Bor­rell zeig­te sich am Don­ners­tag düs­ter: „Wir müs­sen auf­pas­sen, dass das Schen­gen­sys­tem, der Ver­zicht auf Grenz­kon­trol­len in­ner­halb der EU, nicht zu­sam­men­bricht.“Für Asyl und Rück­füh­rung brau­che man eu­ro­pa­wei­te Kon­zep­te.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.