Bes­ser nicht all­wis­send

Dresdner Neueste Nachrichten - - KULTUR - VON TORS­TEN KLAUS

Au­tor Diet­mar Dath las und dis­ku­tier­te im Hy­gie­ne-mu­se­um Kur­zes Haar, ho­he Stirn. Bril­le, le­ger im ge­mus­ter­ten Hemd, freud­voll-wis­send par­lie­rend: Diet­mar Dath war zu Gast im Hör­saal un­term Dach des Hy­gie­ne-mu­se­ums. Der 48-Jäh­ri­ge ist ei­ner der pro­duk­tivs­ten und in­ter­es­san­tes­ten deutsch­spra­chi­gen Ge­gen­warts­au­to­ren. Dass die land­läu­fi­ge Li­te­ra­tur­kri­tik eher we­nig bis gar nichts mit ihm an­fan­gen kann, mag an der von ihm be­vor­zugt be­spiel­ten Spar­te lie­gen: Sci­ence Fic­tion.

Da­bei hat das Gen­re auch hier­zu­lan­de ei­ni­ges zu bie­ten, wie Dath be­weist. Was sei­ne Bü­cher selbst bei mehr­ma­li­gem Le­sen aus­macht, sind von ei­ner ge­wis­sen Kom­ple­xi­tät durch­wirk­te Wel­ten, nach­zu­le­sen in dem her­vor­ra­gen­den Ro­man „Die Ab­schaf­fung der Ar­ten“(2008) oder den kaum nach­ste­hen­den Bü­chern „Puls­ar­nacht“(2012) und „Ve­nus siegt“(2015/2016). Be­son­ders im letzt­ge­nann­ten Text schwingt auch ei­ne stark ge­sell­schaftsu­to­pi­sche Kom­po­nen­te mit. Ein Aspekt, der im Hy­gie­ne-mu­se­um je­doch so ziem­lich auf der Stre­cke blieb, lei­der.

Da­für wur­de un­ter dem Ti­tel „Sci­ence Fic­tion, Ge­gen­wart und Po­li­tik“nach ei­ner gut 30-mi­nü­ti­gen Le­sung Daths ein Po­di­um er­öff­net, in dem sich Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin Sol­vejg Nitz­ke, Zoo­lo­ge Klaus Rein­hardt, Theo­lo­ge Christian Schwar­ke und Me­di­en­wis­sen­schaft­ler Lars Koch (al­le TU Dres­den) vor knapp 60 Zu­hö­rern re­ge aus­tausch­ten. Na­tür­lich vor al­lem ent­lang der Grenz­li­nie von Sci­ence Fic­tion und Wis­sen­schaft.

Da­bei er­wies sich Dath als ge­witz­ter Ge­sprächs­part­ner, der zwar mit Zi­ta­ten und Na­men von Au­to­ren wie Har­lan Ell­ison, Ma­the­ma­ti­kern wie Pier­re de Fer­mat oder gar Ko­mi­kern wie Bus­ter Kea­ton nur so um sich feu­er­te, dem da­bei aber die Freu­de am Wis­sens­tei­len deut­lich an­zu­se­hen war. Der Ver­dacht auf Selbst­dar­stel­lung kam gar nicht erst auf. Auch rhe­to­ri­sche Fra­gen wur­den von ihm schon mal kurz und bün­dig be­ant­wor­tet. Bei­spiel: „Was wä­re ei­ne Ge­schich­te, die al­les er­klärt?“– „Ei­ne Form von All­wis­sen­heit, die aso­zi­al und töd­lich ist.“

„Mein Er­kennt­nis­ge­winn ist zu En­de, wenn das Buch fer­tig ist“

Lei­der frans­ten Nitz­kes Fra­gen, die den Abend mo­de­rier­te, je­doch im­mer wie­der aus, so­dass sich das pro­fes­so­ra­le Po­di­um stel­len­wei­se erst ein­mal ver­ge­wis­sern muss­te, ob die Fra­ge auch rich­tig ver­stan­den wur­de. So blieb der Zir­kel der De­bat­te auch lan­ge ge­schlos­sen. Nach knapp zwei St­un­den kam dann nur noch ei­ne Fra­ge aus dem Pu­bli­kum.

Es war trotz­dem ein fas­zi­nie­ren­der Abend, ge­ra­de weil er sich nicht in ein kna­cki­ges Fa­zit pres­sen lässt. Da­für sor­gen ein paar Sät­ze Daths, die hän­gen blei­ben: „Mein Er­kennt­nis­ge­winn ist zu En­de, wenn das Buch fer­tig ist.“„Ethi­sche und Wis­sen­fra­gen ha­ben viel mit Pro­duk­tiv­kraft zu tun – aber mehr Marx kommt nicht.“

Zum Schluss hin brach Dath noch­mal ei­ne Lan­ze für „sein“Gen­re. Die sim­pli­fi­zier­te Zu­schrei­bung und Ge­ring­schät­zung der Sci­ence Fic­tion sei un­fair, sag­te er. Die SF wol­le, „dass ich mir das an­se­he und ver­ges­se, dass es das nicht gibt“. In die­ser Hin­sicht be­ste­he auch ein Un­ter­schied zu dem, was Dath „tech­ni­scher Thril­ler“nann­te und ei­nen Au­to­ren wie Frank Schät­zing.

Üb­ri­gens ist Daths Er­folgs­buch „Die Ab­schaf­fung der Ar­ten“, das es 2008 in die Short­list des Deut­schen Buch­prei­ses schaff­te, mitt­ler­wei­le auch auf Eng­lisch er­schie­nen. Will der en­er­gie­ge­la­de­ne Au­tor et­wa selbst­be­wusst den eng­lisch­spra­chi­gen Markt er­obern? Auch das ist ei­ne Fra­ge, die noch zu stel­len ge­we­sen wä­re.

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