Die sa­gen­haf­te Kri­mi­fund­gru­be

Das ZDF setzt in Sa­chen Mord und Tot­schlag wei­ter­hin auf un­ver­brauch­te Ge­gen­den und dreht den ers­ten „Erz­ge­birgs­kri­mi“

Dresdner Neueste Nachrichten - - MEDIEN - VON MAR­TIN KLOTH

Spree­wald­kri­mi“im ZDF, „Use­domK­ri­mi“in der ARD – nun kre­iert das Zwei­te mit dem „Erz­ge­birgs­kri­mi“ei­ne wei­te­re Rei­he um Mord und Tot­schlag aus der ost­deut­schen Pro­vinz. Die Pro­gramm­di­rek­ti­on ha­be fest­ge­stellt, dass bei der Viel­zahl der Kri­mi­rei­hen viel zu we­ni­ge in den Län­dern spiel­ten, be­rich­tet der ver­ant­wort­li­che Zdf-re­dak­teur Pit Ram­pelt. „Wir sind auf­ge­for­dert wor­den, et­was im Os­ten zu su­chen.“Das Erz­ge­bir­ge ha­be da ge­passt.

Für die Sen­der­ver­ant­wort­li­chen ist die­se aus Tv-sicht un­ver­brauch­te Re­gi­on auch das Ar­gu­ment, war­um sich der „Erz­ge­birgs­kri­mi“beim Fern­seh­kon­su­men­ten durch­set­zen wird. Das Erz­ge­bir­ge sei vom fik­tio­na­len Fern­se­hen noch nicht ent­deckt wor­den, sagt Ram­pelt. „Es gibt hier ei­ne Fund­gru­be an Ge­schich­ten.“

Die Kon­kur­renz ist groß. Das In­ter­net­por­tal wun­sch­lis­te.de hat­te be­reits 2016 ein Über­an­ge­bot im öf­fent­lich-recht­li­chen Fern­se­hen aus­ge­macht: Im Jahr 2015 zeig­te die ARD dem­nach 48 un­ter- schied­li­che Kri­mi­se­ri­en, das ZDF kam im glei­chen Jahr so­gar auf 70. Für den Mai 2016 zähl­te das Film- und Fern­seh­se­ri­en­Info­por­tal 442 Kri­mis in den Sen­dern ARD, ZDF und Zdfneo.

Es ge­be schon ei­ne Kri­mif­lut, ge­steht Pro­du­zent Rai­ner Jah­reis. „Um­so wich­ti­ger ist es, ei­ne au­then­ti­sche Re­gi­on zu fin­den mit Ge­schich­ten, die nur hier spie­len kön­nen“, ar­gu­men­tiert er. Die­ses Kon­zept un­ter dem La­bel „Cri­me and Na­tu­re“hat sich laut Ram­pelt be­reits beim „Spree­wald­kri­mi“be­währt, den er eben­falls ver­ant­wor­tet. „Der ,Spree­wald­kri­mi’ war der Vor­rei­ter für den Land­schafts­kri­mi“, er­klärt der Re­dak­teur.

Für Pro­du­zent Jah­reis steht das Erz­ge­bir­ge für Sa­gen, Sport und Berg­bau­his­to­rie und hat ei­ne un­ent­deck­te Viel­schich­tig­keit. Für ihn be­grün­det dies die Ver­le­gung von Kri­mis raus aus den Städ­ten. „Es geht dar­um: Wo kann ich was er­zäh­len, was nicht be­lie­big und aus­tausch­bar ist?“, be­tont er.

Die Mon­tan­re­gi­on Erz­ge­bir­ge – ge­le­gen an der Gren­ze von Deutsch­land zu Tsche­chi­en – be­wirbt sich als Welt­kul­tur- er­be. Ge­för­dert wur­den frü­her vor al­lem Sil­ber und St­ein­koh­le, spä­ter Uran. Künf­tig ste­hen Zinn und Li­thi­um im Fo­kus. Kein Wun­der al­so, dass im Pi­lot­film mit dem Ti­tel „Der To­te im Stol­len“der Berg­bau zen­tra­les The­ma ist. Man wol­le da­bei Ver­gan­gen­heit und Ge­gen­wart ver­we­ben, sagt Jah­reis. „Es geht auch um die Re­nais­sance von Berg­bau mit dem Fund von Li­thi­um.“

Im Auf­takt­film er­mit­teln Haupt­kom­mis­sar Ralf Adam (ge­spielt von Ste­phan Lu­ca) und sei­ne Kol­le­gin Ka­ri­na Sz­abo (La­ra Man­do­ki) als neu­es Team zum Tod ei­nes Berg­bau-pro­fes­sors. Un­ter­stützt wer­den sie da­bei von Förs­te­rin Saskia Ber­gelt (Te­re­sa Weiß­bach) und ih­rem Va­ter (Andre­as Schmidt-schal­ler) so­wie der Rechts­me­di­zi­ne­rin Char­lot­te von Sel­linn (Adi­na Vet­ter).

Das ZDF will den „Erz­ge­birgs­kri­mi“auf dem at­trak­ti­ven Sen­de­platz am Sonn­abend­abend eta­blie­ren. Die Pro­duk­ti­on mit ih­ren rund zwei Dut­zend Dreh­ta­gen lässt sich der Sen­der ei­ni­ges kos­ten. Die üb­li­chen Kos­ten für ei­nen Sonn­abend­abend­film von rund 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro wür­den für den Pi­lot­film über­schrit­ten. Noch bis En­de No­vem­ber wird der Film in Schwar­zen­berg und Frei­berg ge­dreht.

Ei­nen Sen­de­ter­min gibt es bis­lang nicht. Der­zeit pla­ne man mit der Aus­strah­lung nicht vor März 2019. Wahr­schein­li­cher sei je­doch der Herbst kom­men­den Jah­res, sagt Ram­pelt. Klar sei aber, dass der Film an ei­nem Sonn­abend um 20.15 Uhr ge­zeigt wer­de.

Über ei­ne Fort­set­zung wer­de An­fang 2019 ent­schie­den. „Ich se­he gu­te Chan­cen“, sagt Ram­pelt. Zwei wei­te­re Bü­cher sei­en in Auf­trag ge­ge­ben. Dar­in ge­he es um ei­ne „Erb­schafts­ge­schich­te“, ver­rät Jah­reis, so­wie um Berg­bau­ka­pel­len.

Die Leu­te sind gar nicht so dumm, wie wir sie durchs Fern­se­hen noch ma­chen wer­den.

Hans-joa­chim Ku­len­kampff (1921–1998), Tv-mo­de­ra­tor

Fo­to: Mo­ni­ka Skolimowska/dpa

To­ter im Stol­len: Ralf Adam (Ste­phan Lu­ca) und Ka­ri­na Sz­abo (La­ra Man­do­ki) er­mit­teln 2019 im „Erz­ge­birgs­kri­mi“zum Tod ei­nes Berg­bau-pro­fes­sors.

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