„Nie­mals gren­zen wir aus“

An2el8 Mer­kel ver­85schie.et sich mit ei­ner emo­ti­on8len Re.e vom Cdu-vor­sitz

Dresdner Neueste Nachrichten - - BLICKPUNKT - VON MA­RI­NA KORMBAKI

HAM­BURG. In die­ser Stadt, ih­rer Ge­burts­stadt, hat An­ge­la Mer­kel 1990 ih­re ers­te Re­de auf ei­nem Cdu-bun­des­par­tei­tag ge­hal­ten. Hier hält sie nun ih­re letz­te Re­de als Par­tei­che­fin. Es ist buch­stäb­lich ei­ne his­to­ri­sche Re­de. Mer­kel spannt den Bo­gen vom An­fang ih­rer Amts­zeit im Jahr 2000 bis heu­te, zum En­de die­ser Ära. Als blät­te­re sie in ei­nem Fa­mi­li­en­al­bum, hebt Mer­kel ein­zel­ne Mo­men­te her­vor. Nicht weil sie ih­re Er­fol­ge her­aus­stel­len will. Selbst­lob ist nicht ihr Stil. Sie will viel­mehr die La­ge, in der sich die Uni­on heu­te be­fin­det, ins grö­ße­re Gan­ze ei­n­ord­nen.

Mer­kel war seit den Stim­men­ver­lus­ten der CDU bei der Bun­des­tags­wahl

2017 und den Land­tags­wah­len 2018 mit dem Vor­wurf kon­fron­tiert, die Par­tei durch­le­be ei­ne schwe­re Kri­se. Die­sem Ein­druck wi­der­spricht sie, auf sub­ti­le Wei­se. Ja, die

Zei­ten heu­te sei­en for- dernd, sagt sie. Da­mals aber, als sie mit­ten in der Cdu-spen­den­af­fä­re die Füh­rung der Par­tei über­nahm, ha­be die­se „po­li­tisch, mora­lisch und fi­nan­zi­ell vor dem Aus“ge­stan­den. Es ist Mer­kels Kon­ter auf die An­wür­fe, sie und ih­re Flücht­lings­po­li­tik hät­ten die CDU in die Mi­se­re ge­führt. Mer­kel weist den Ein­druck zu­rück, sie und ih­re Par­tei hät­ten sich über die Jah­re ent­frem­det. Ja, so die Kanz­le­rin, man ha­be ein­an­der viel zu­ge­mu­tet. Sie er­wähnt die Aus­set­zung der Wehr­pflicht. „Der Schritt war rich­tig, auch wenn er man­chem schwer­ge­fal­len ist.“Da fällt, wie um die The­se von der Ent­frem­dung zu be­le­gen, der Ap­plaus spär­lich aus. Mer­kel merkt das. Sie sagt: „Das Klat­schen ist schma­ler als die Mehr­heit da­mals war, als es ent­schie­den wur­de.“Es ist ihr Ap­pell, die Din­ge im Rück­blick nicht zu ver­dre­hen.

Die schei­den­de Cdu-che­fin ist mit sich im Rei­nen. Als In­diz da­für, dass ihr Kurs der rich­ti­ge ge­we­sen sei, führt sie die Er­fol­ge an­de­rer an – im Saar­land, in Schles­wig­hol­stein, in Nord­rhein-west­fa­len. Dass die dor­ti­gen Wahl­sie­ger wie Mer­kel selbst dem li­be­ra­len La­ger der Par­tei an­ge­hö­ren, muss sie nicht er­wäh­nen. Je­der im Saal weiß das.

Doch Mer­kel treibt of­fen­bar die Sor­ge vor ei­nem Rechts­ruck um. Ein­dring­lich wie sel­ten er­mahnt sie die De­le­gier­ten zur Ein­hal­tung grund­le­gen­der Wer­te, zu Men­sch­lich­keit. „Wir Christ­de­mo­kra­ten gren­zen uns ab, aber nie­mals aus. Wir strei­ten, aber nie­mals het­zen wir oder ma­chen an­de­re nie­der.“

Und plötz­lich klingt Mer­kel wie ihr po­li­ti­scher Zieh­va­ter, wie Hel­mut Kohl. Am En­de sei­ner Kanz­ler­schaft hat­te die­ser stets von der Dank­bar­keit ge­spro­chen, mit der er zu­rück­bli­cke. „Ich bin von ei­nem ein­zi­gen Ge­fühl er­füllt – von dem Ge­fühl der Dank­bar­keit“, sagt nun auch Mer­kel. Fast zehn­mi­nü­ti­ger Ap­plaus im Saal lässt dar­auf schlie­ßen, dass die Par­tei ähn­lich emp­fin­det.

Fo­to: M. Schrei5er/ap/.p8

Im Rei­nen mit sich – und of­fen­bar auch der Par­tei: An­ge­la Mer­kel nach ei­ner his­to­ri­schen Re­de.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.