Crash im Kos­mos

Die Gro­ße Ma­gel­lan­sche Wol­ke kol­li­diert mit un­se­rer Milch­stra­ße – in 2,5 Mil­li­ar­den Jah­ren

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - Von Udo Harms

Sie ist ei­nes der schöns­ten Ob­jek­te, die man auf der Süd­halb­ku­gel der Er­de am Nacht­him­mel be­ob­ach­ten kann: Die Gro­ße Ma­gel­lan­sche Wol­ke (GMW) strahlt so hell, dass man sie so­gar mit blo­ßem Au­ge se­hen kann. Durch ein gu­tes Te­le­skop wie in der chi­le­ni­schen Ata­ca­ma-wüs­te er­kennt man, dass die Wol­ke in Wahr­heit ei­ne pracht­vol­le Ga­la­xie mit et­wa 15 Mil­li­ar­den Ster­nen ist. Doch das pracht­vol­le Ob­jekt könn­te für die Mensch­heit zum Ver­häng­nis wer­den: Astro­phy­si­ker der Durham Uni­ver­si­ty in Groß­bri­tan­ni­en ha­ben er­rech­net, dass die GMW mit un­se­rer Milch­stra­ße kol­li­die­ren wird. Die Gro­ße Ma­gel­lan­sche Wol­ke ist ei­ner un­se­rer nächs­ten ga­lak­ti­schen Nach­barn, sie ist nur et­wa 180 000 Licht­jah­re (ein Licht­jahr sind 9,5 Bil­lio­nen Ki­lo­me­ter) ent­fernt. Be­kannt ist seit Lan­gem, dass das Stern­sys­tem un­se­re Hei­mat­ga­la­xie um­kreist. Bis­her war man aber da­von aus­ge­gan­gen, dass sich Flieh­kraft und An­zie­hungs­kraft die Waa­ge hal­ten, so dass die GMW in si­che­rer Ent­fer­nung noch Mil­li­ar­den Jah­re auf ih­rer Bahn blei­ben könn­te. Nun ha­ben die bri­ti­schen For­scher je­doch ent­deckt, dass die Wol­ke mehr so­ge­nann­te „dunk­le Ma­te­rie“ent­hält als bis­her ver­mu­tet, al­so schwe­rer ist. Mit der Mas­se steigt die An­zie­hungs­kraft: In 2,5 Mil­li­ar­den Jah­ren wird die Ma­gel­lan­sche Wol­ke mit der Milch­stra­ße kol­li­die­ren. Die Fol­gen könn­ten ver­hee­rend sein. Zwar sind die Ent- fer­nun­gen im Uni­ver­sum so gi­gan­tisch, dass ver­mut­lich kein Stern oder Pla­net mit ei­nem an­de­ren zu­sam­men­sto­ßen wird. Doch bei ei­nem sol­chen Crash wir­ken ge­wal­ti­ge Kräf­te. Die For­scher hal­ten es da­her auch für mög­lich, dass die Er­schüt­te­run­gen un­ser Son­nen­sys­tem aus der Milch­stra­ße hin­aus­ka­ta­pul­tie­ren könn­ten – die Mensch­heit wür­de dies ver­mut­lich nicht über­le­ben. Al­ler­dings liegt die Wahr­schein­lich­keit für die­se kos­mi­sche Ka­ta­stro­phe bei nur 1 bis 3 Pro­zent. Die Wis­sen­schaft­ler be­to­nen da­her ei­nen an­de­ren Aspekt: Am Him­mel dürf­te es ein pracht­vol­les Spek­ta­kel ge­ben, wenn zwei Ga­la­xi­en ver­schmel­zen.

FO­TO: ESO/C. MA­LIN

Das welt­größ­te Te­le­skop in der chi­le­ni­schen Ata­ca­ma-wüs­te.

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