Groß­putz in der Frau­en­kir­che

In der Dresd­ner Frau­en­kir­che wird seit ges­tern re­pa­riert und ge­putzt. Küs­ter Lutz Pes­ler we­delt schon mal den Staub vom Tauf­stein.

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - Von Ge­nia Blei­er

Die ja­pa­ni­schen Tou­ris­tin­nen sa­hen ent­täuscht aus, als sie hör­ten, dass sich die Tü­ren zur Frau­en­kir­che nicht öff­nen wür­den. Den gan­zen Tag nicht und auch mor­gen wür­den sie ver­ge­bens klin­ken. „Rei­ni­gung“ha­ben wir ge­ra­de­brecht. Da war das Lä­cheln schon wie­der zu­rück. Bis Sonn­abend fin­den im Got­tes­haus die tra­di­tio­nel­len War­tungs- und Rei­ni­gungs­ar­bei­ten statt. Schon zum zwölf­ten Mal in die­sem Tur­nus, in der ers­ten Wo­che nach dem Drei­kö­nigs­tag. „Die meis­ten Men­schen wis­sen das“, meint Tho­mas Gott­schlich. Der lei­ten­de Ar­chi­tekt der Kirch­bau­ver­wal­tung der Frau­en­kir­che weist dar­auf hin, dass sich die Re­gel­mä­ßig­keit güns­tig auf den Er­hal­tungs­grad aus­wirkt und man­che Ar­bei­ten eben auch in Fol­ge aus­ge­führt wer­den müs­sen. So sei schon 2016 da­mit be­gon­nen wor­den, den Holz­fuß­bo­den nicht nur zu rei­ni­gen, son­dern für ei­ne ver­bes­ser­te Dau­er­haf­tig­keit auch neu zu be­schich­ten. Dies­mal sind die Bö­den der Bet­stu­ben an der Rei­he. Es wird im gan­zen Bau­werk ge­schmir­gelt, ge­pin­selt, ge­stri­chen. 20 Hand­wer­ker aus sie­ben ver­schie­de­nen Ge­wer­ken ha­ben gut zu tun. Mit den Rei­ni­gungs­kräf­ten ge­gen En­de der Schließ­zeit wer­den es 40 Leu­te sein. „Wir wol­len nicht auf neu trim­men“, sagt Gott­schlich. Ein Al­te­rungs­pro­zess darf durch­aus sicht­bar sein. Vor al­lem das Holz soll edel al­tern. Aber Schä­den wer­den be­sei­tigt. Die kön­nen durch die rund zwei Mil­lio­nen Be­su­cher im Jahr ent­ste­hen oder auch durch den Aus- und Ein­bau der vor­de­ren Sitz­rei­hen bei gro­ßen Kon­zer­ten. Das er­folgt bis zu 30-mal im Jahr. Des­halb sind al­lein zwölf Tisch­ler am Ge­stühl be­schäf­tigt. Lehr­ling Ni­ko­laj Neu­pert vom Ate­lier Sin­nes­ma­gnet schmir­gelt sorg­fäl­tig die Kan­ten der Leh­nen ab und nimmt dann den Spach­tel zur Hand, um Schä­den am Fu­ßen­de aus­zu­bes- sern. Für ihn ist der Ar­beits­platz Frau­en­kir­che Neu­land. An­ders Tisch­ler­meis­ter und Re­stau­ra­tor Se­bas­ti­an Schulz. Er kennt je­den Qua­drat­zen­ti­me­ter. Hat er doch mit sei­ner Fir­ma nicht nur 80 Pro­zent der Holz­aus­stat­tung ein­ge­baut, son­dern auch das ver­wen­de­te Ma­te­ri­al – Weiß­tan­ne – nach gründ­li­chen Re­cher­chen vor­ge­schla­gen. Schon seit dem ers­ten Jahr nach der Wei­he kon­trol­liert er re­gel­mä­ßig die Ab­nut­zungs­spu­ren. Auch Ma­ler­meis­ter Veit Leh­mann ge­hört zu den Män­nern der ers­ten St­un­de. Er hat un­ter an­de­rem Mar­mo­rie­run­gen mit an­ge­fer­tigt und kommt nun jähr­lich zur Scha­dens­be­sei­ti­gung vor­bei. Jetzt ist die In­nen­tür des meist­ge­nutz­ten Aus­gangs B an der Rei­he. Vie­le schwei­ßi­ge Hän­de ha­ben hier so­wie an ei­ni­gen Wand­stel­len Spu­ren hin­ter­las­sen. In­ten­si­ve Nach­bes­se­run­gen sind auch im Kup­pel­auf­stieg not­wen­dig. Dort braucht der Hand­lauf sei­ne re­gel­mä­ßi­ge Auf­fri­schung so­wie der Putz im un­te­ren Be­reich. Glück­li­cher­wei­se hat die Frau­en­kir­che kein Pro­blem mit Van­da­lis­mus und auch die Kau­gum­mis sei­en we­ni­ger ge­wor­den. Nur drei der bei ver­lieb­ten Paa­ren so po­pu­lä­ren Vor­hän­ge­schlös­ser ha­be man mal ent­deckt, be­rich­tet Gott­schlich. In Kür­ze wird der Kirch­bau strom­los sein, da­mit auch die Elek­trik kom­plett ge­rei­nigt wer­den und bei Be­darf neue Leucht­mit­tel er­hal­ten kann. Al­les in al­lem sind für die War­tungs­wo­che rund 40 000 Eu­ro not­wen­dig, teilt die Stif­tung Frau­en­kir­che mit. Die In­spek­ti­on und War­tung der äu­ße­ren Kup­pel er­folgt nur al­le fünf Jah­re und ist erst 2022 wie­der an der Rei­he.

Schließ­zei­ten: Kir­ch­raum:bis12ja­nu­ar; Kup­pel­auf­stieg: bis 10. Ja­nu­ar

Ver­an­stal­tun­gen am Sonn­tag, 13. Ja­nu­ar: 11 Uhr: Got­tes­dienst; 12.30 Uhr bis 14.30 Uhr: Of­fe­ne Kir­che; 15.30 Uhr: Kir­chen­klän­ge für jun­ge Oh­ren; 18 Uhr: Got­tes­dienst

Fo­to: Dietrich Flecht­ner

FO­TO: MO­NI­KA SKOLLMOWSKA/DPA-ZEN­TRAL­BILD)

Auch Küs­ter Lutz Pes­ler legt wäh­rend der Schließ­wo­che in „sei­ner“Frau­en­kir­che Hand an und rei­nigt den Al­tar­raum mit dem Staub­sau­ger. Am Groß­putz, der ei­gent­lich von oben nach un­ten er­folgt, so­wie an Auf­fri­schung und War­tung wer­den am En­de 40 Leu­te be­tei­ligt sein.

Micha­el Huth vom Ate­lier Sin­nes­ma­gnet schleift ab­ge­nutz­te Stel­len des Ge­stühls ab. Da­nach wird es ge­rei­nigt, ge­beizt und ge­wachst.

FO­TOS (2): D. FLECHT­NER

Mit Ge­fühl und Pin­sel rückt Jens Mor­gens­tern von der Fir­ma Schmal­ho­fer Denk­mal­pfle­ge dem Staub der Chor­schran­ke zu Lei­be.

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