Der Despot von Caracas

Dresdner Neueste Nachrichten - - BLICKPUNKT - Von To­bi­as Käu­fer

Viel­leicht soll­te Ni­colás Ma­du­ro ei­nen Blu­men­strauß nach Bra­si­lia schi­cken: Seit dort der Rechts­po­pu­list Jair Bol­so­na­ro im Amt ist, ken­nen die in­ter­na­tio­na­len Me­di­en nur noch ein la­tein­ame­ri­ka­ni­sches The­ma: den Rechts­ruck im größ­ten Land der Neu­en Welt. Da­bei ist die er­neu­te Ve­rei­di­gung des lin­ken Prä­si­den­ten Ma­du­ro am Don­ners­tag in Ve­ne­zue­la ein viel schwer wie­gen­de­rer An­schlag auf die De­mo­kra­tie. Ma­du­ro hat das frei ge­wähl­te Par­la­ment ent­mach­tet und durch ei­ne ver­fas­sung­ge­ben­de Ver­samm­lung li­ni­en­treu­er Ja­sa­ger er­setzt. Er hat sei­ne Kon­kur­ren­ten ins Ge­fäng­nis wer­fen las­sen, mit Be­rufs­ver­bot be­legt, ins Exil ge­zwun­gen. Sei­ne Re­gie­rung trägt laut Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal Mit­ver­ant­wor­tung für Tau­sen­de Lynch­mor­de. Er hat die freie Pres­se aus­ge­schal­tet und aus Caracas die ge­fähr­lichs­te Haupt­stadt der Welt ge­macht. Ma­du­ro hat es ge­schafft, dass es im öl­reichs­ten Land der Welt nicht mal mehr ge­nug Sprit gibt. Sein Volk hat die letz­te ver­blie­be­ne Wahl ge­trof­fen: Mehr als drei Mil­lio­nen Ve­ne­zo­la­ner ha­ben die Flucht er­grif­fen, die UN rech­nen für 2019 mit wei­te­ren drei Mil­lio­nen Flücht­lin­gen. Dann hät­te ein Fünf­tel der ve­ne­zo­la­ni­schen Be­völ­ke­rung in den sechs Jah­ren un­ter Ma­du­ro die Hei­mat ver­las­sen. La­tein­ame­ri­ka ächzt un­ter die­ser hu­ma­ni­tä­ren Kri­se. Bis heu­te hat die in­ter­na­tio­na­le Staa­ten­ge­mein­schaft Mil­de ge­gen­über der bru­ta­len Links­dik­ta­tor in Caracas wal­ten las­sen. Sie soll­te Ma­du­ro nun die An­er­ken­nung ver­wei­gern. Wie soll ei­ne Kri­tik am rech­ten Sprü­che­klop­fer Bol­so­na­ro Wir­kung ent­fal­ten, wenn das Trei­ben ei­nes Schläch­ters wie Ma­du­ro gleich­gül­tig ge­dul­det wird? To­bi­as Käu­fer ist La­tein­ame­ri­ka-kor­re­spon­dent in Bo­go­tá.

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