Mehr Geld für är­me­re Fa­mi­li­en

Das Fa­mi­li­enge­setz der Bun­des­re­gie­rung soll Ge­ring­ver­die­nern mit Kin­dern mehr Un­ter­stüt­zung si­chern – Kri­ti­ker spre­chen von „Mi­ni­mal­lö­sung“

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - Von The­re­sa Münch

Är­me­re Kin­der sol­len von hö­he­ren So­zi­al­leis­tun­gen und mehr Geld et­wa für Schu­les­sen und Nach­hil­fe pro­fi­tie­ren. Das sieht ein „Star­ke-fa­mi­li­en-ge­setz“vor, das das Bun­des­ka­bi­nett ges­tern in Ber­lin auf den Weg brach­te. Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Fran­zis­ka Gif­fey (SPD) nann­te als Ziel, „Kin­der­ar­mut et­was ent­ge­gen­zu­set­zen“. Die säch­si­sche SPD be­grüß­te das neue Fa­mi­li­enge­setz. Die Er­hö­hung des Kin­der­zu­schla­ges und der Aus­bau des Bil­dungs- und Teil­ha­be-pa­ke­tes sei­en wich­ti­ge Schrit­te, sag­te Sach­sens SPD-CHEF Mar­tin Du­lig.

Är­me­re Kin­der sol­len von hö­he­ren So­zi­al­leis­tun­gen und mehr Geld et­wa für Schu­les­sen und Nach­hil­fe pro­fi­tie­ren. Das sieht ein Star­ke-fa­mi­li­en-ge­setz vor, das das Bun­des­ka­bi­nett am Mitt­woch in Ber­lin auf den Weg brach­te. Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Fran­zis­ka Gif­fey (SPD) nann­te als Ziel, „Kin­der­ar­mut in Deutsch­land et­was ent­ge­gen­zu­set­zen“. Die Un­ter­stüt­zung rich­tet sich vor al­lem an El­tern, die zwar ar­bei­ten, aber trotz­dem fi­nan­zi­ell kaum über die Run­den kom­men. Von vor­ge­se­he­nen Ver­bes­se­run­gen beim Kin­der­zu­schlag sei­en zwei Mil­lio­nen, von Än­de­run­gen am Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket bis zu vier Mil­lio­nen Kin­der be­trof­fen. Der Kin­der­zu­schlag soll zum 1. Ju­li er­höht wer­den. Der bis­he­ri­ge Höchst­be­trag soll laut Gif­fey von 170 auf 185 Eu­ro stei­gen. Per­spek­ti­visch sei ei­ne Kin­der­grund­si­che­rung ge­plant. Der Zu­schlag für Ge­ring­ver­die­ner soll künf­tig zu­dem für sechs Mo­na­te be­wil­ligt wer­den, An­trags­for­mu­la­re wür­den on­line zu­gäng­lich ge­macht wer­den, ver­sprach Gif­fey. Die Neu­re­ge­lung sorgt au­ßer- dem da­für, dass der Kin­der­zu­schlag nicht mehr ab­rupt weg­fällt, wenn ein be­stimm­tes Ein­kom­men er­reicht ist. Statt­des­sen soll er schritt­wei­se ge­rin­ger wer­den und erst kom­plett aus­lau­fen, wenn die El­tern ihn nicht mehr brau­chen. Da­durch wer­de es sich loh­nen, mehr zu ar­bei­ten, sag­te Gif­fey. Bei Al­lein­er­zie­hen­den wer­den Un­ter­halts­zah­lun­gen au­ßer­dem nicht mehr so stark an­ge­rech­net wie bis­her, so­dass 100 000 Kin­der zu­sätz­lich pro­fi­tie­ren. Durch die Än­de­run­gen hät­ten künf­tig zu­sätz­li­che 1,2 Mil­lio­nen Kin­der An­spruch auf Kin­der­zu- schlag, sag­te Gif­fey. Der­zeit könn­te die Un­ter­stüt­zung be­reits für rund 800 000 Kin­der be­an­tragt wer­den – doch nur 250 000 neh­men das auch in An­spruch. Vie­le Fa­mi­li­en hät­ten den Kin­der­zu­schlag nicht ge­kannt, er sei ih­nen zu kom­pli­ziert oder loh­ne sich nicht, sag­te Gif­fey. Das sol­le an­ders wer­den – auch da­durch, dass Fa­mi­li­en mit Kin­der­zu­schlag künf­tig kei­ne Ki­ta-ge­büh­ren mehr zah­len müss­ten. Ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD), der das Ge­setz mit Gif­fey vor­stell­te, er­läu­ter­te ge­plan­te Ver­bes­se­run­gen beim Bil­dungs- und Teil- ha­be­pa­ket, die eben­falls durch das neue Re­gel­werk kom­men sol­len. Statt wie bis­her 100 Eu­ro be­kä­men El­tern mit ge­rin­gem Ein­kom­men künf­tig 150 Eu­ro pro Jahr für Ran­zen, Mäpp­chen, Stif­te und der­glei­chen. Ab 2021 soll die Hö­he die­ser Leis­tung zu­dem re­gel­mä­ßig an­ge­passt wer­den. Ei­gen­an­tei­le der El­tern für das Schul­mit­tag­es­sen und Bus- oder Bahn­ti­ckets sol­len weg­fal­len. Nach­hil­fe soll künf­tig auch fi­nan­ziert wer­den, wenn die Schü­ler nicht so schlecht sind, dass sie sit­zen blei­ben könn­ten. Der Ge­setz­ent­wurf wird nun im Bun­des­tag be­ra­ten. So­zi­al­ver­bän­de kri­ti­sier­ten das Ge­setz be­reits als un­zu­rei­chend. Die Bun­des­re­gie­rung müs­se auch die Leis­tun­gen für Mit­glied­schaf­ten in Sport­ver­ei­nen oder Mu­sik­schu­len an­he­ben, for­der­te die Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­bands VDK, Ve­re­na Ben­te­le. Frei­be­trags- und An­rech­nungs­re­ge­lun­gen sei­en wei­ter in­trans­pa­rent und für die Leis­tungs­emp­fän­ger kaum nach­voll­zieh­bar, kri­ti­sier­te der Deut­sche Ca­ri­tas­ver­band. Die Grü­nen be­zeich­ne­ten die Än­de­run­gen als „Mi­ni­mal­lö­sun­gen“, die zur Be­kämp­fung von Kin­der­ar­mut schlicht zu we­nig sei­en.

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