Hor­ror­fahrt oh­ne Fahr­er­laub­nis

Be­wäh­rungs­stra­fe nach Ver­fol­gungs­jagd

Dresdner Neueste Nachrichten - - DRESDEN - Mo­ni­ka Löffler

„Die Fahrt steckt mir noch heu­te in den Kno­chen. Ich bin schon vie­le Jah­re bei der Po­li­zei, aber so et­was ha­be ich noch nicht er­lebt“, er­zähl­te ges­tern der Po­li­zei­be­am­te Stef­fen T. im Amts­ge­richt. Er und ei­ne Kol­le­gin woll­ten am 27. Fe­bru­ar 2018 an der Rei­cker Stra­ße ei­nen 7er BMW kon­trol­lie­ren. Der Fah­rer re­agier­te zu­nächst nicht, gab dann Gas und bret­ter­te los. Zu­nächst über die Tor­na­er zur Dohna­er Stra­ße, wo er ver­kehrs­be­dingt hal­ten muss­te, wen­de­te und da­bei den Be­am­ten streif­te. Er ras­te zu­rück zur Rei­cker Stra­ße und wei­ter Rich­tung Stadt. Die Po­li­zis­ten hin­ter­her. „Ich dach­te, wir ver­lie­ren ihn. Wir fuh­ren schon 140 km/h und der zog uns da­von“, er­in­ner­te sich Stef­fen T. Der BMW braus­te über ro­te Am­peln, über­hol­te im Ge­gen­ver­kehr, fuhr links an ei­ner Stra­ßen­bahn vor­bei, ramm­te fast ei­nen Klein­wa­gen, fuhr über den Bord­stein an ei­ner Po­li­zei­sper­re vor­bei und dreh­te dann im Kar­ree Tier­gar­ten-, Bas­tei-, Win­ter­berg­stra­ße/kar­cher­al­lee meh­re­re sehr schnel­le Run­den, bis er durch ei­ne wei­te­re Po­li­zei­sper­re ge­stoppt wur­de. „Wir hat­ten uns quer ge­stellt und sa­hen, wie er mit viel Tem­po auf uns zu­ras­te. Wir sa­ßen da, wie das Ka­nin­chen vor der Schlan­ge“, er­in­ner­te sich Stef­fen T. Im letz­ten Mo­ment brems­te der Fah­rer und wur­de dann aus dem Au­to ge­holt. Glück­li­cher­wei­se wur­de bei der Höl­len­fahrt nie­mand ver­letzt. Da die Be­am­ten mit Si­re­ne und Blau­licht fuh­ren, wa­ren vie­le Au­to­fah­rer wohl vor­sich­ti­ger. Dirk G. war der Fah­rer des Wa­gens. Er hat­te kei­ne Fahr­er­laub­nis, denn die war ihm schon 2013 we­gen Dro­gen­fahr­ten ent­zo­gen wor­den. Da­für fand die Po­li­zei aber ei­nen Elek­tro­scho­cker, ei­nen Schlag­stock und Reiz­gas­s­pray im Au­to. Er wis­se nicht, war­um er ge­fah­ren sei und was ihn da­mals ge­rit­ten ha­be, es sei ei­ne Kurz­schluss­re­ak­ti­on ge­we­sen, er­klär­te der 56-Jäh­ri­ge im Ge­richt. Es tue ihm leid, es sei ei­ne Aus­nah­me ge­we­sen. Wirk­lich? War­um hat­te Dirk G. den Elek­tro­scho­cker und das Spray, die an­geb­lich zum Selbst­schutz dien­ten, im Au­to, wenn er das gar nicht nut­zen darf. Hat er doch ge­le­gent­lich Spritz­tou­ren ge­macht? Der Kol­le­gin von Stef­fen T. war der BMW zu­min­dest be­kannt – zwei Jah­re zu­vor war da­mit ein Rad­fah­rer an­ge­fah­ren und dann Fah­rer­flucht be­gan­gen wor­den. Der Fah­rer des Wa­gens konn­te da­mals al­ler­dings nicht er­mit­telt wer­den. Dirk G. wur­de zu ei­ner Frei­heits­stra­fe von zwei Jah­ren ver­ur­teilt – für drei Jah­re zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt. Zu­dem muss er je 1000 Eu­ro an die Ver­kehrs­wacht und die Op­fer­hil­fe zah­len.

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