„New York Ti­mes“: Rei­sen Sie nach Des­sau!

Bau­haus-stadt liegt bei welt­wei­ten Emp­feh­lun­gen auf Platz 26

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - Von Stefan Koch und Mat­thi­as Pup­pe

An Do­nald Trump dürf­te es wohl kaum lie­gen, dass ame­ri­ka­ni­sche Tou­ris­ten ih­ren Ur­laub ver­stärkt in Deutsch­land ver­brin­gen. Der Us-prä­si­dent hat­te sich im Wahl­kampf mehr­fach ab­fäl­lig über die Hei­mat sei­ner Groß­el­tern ge­äu­ßert und erst kürz­lich ein­ge­räumt, in ab­seh­ba­rer Zeit viel­leicht doch mal an die Wein­stra­ße zu rei­sen, um der Re­gi­on ei­nen Be­such ab­zu­stat­ten, wo die Ge­schich­te der Trumps be­gann. Nein, das wach­sen­de In­ter­es­se am Her­zen Eu­ro­pas lässt sich we­der mit dem Chef des Wei­ßen Hau­ses noch al­lein mit Nost­al­gie, schmu­cken Fach­werk­städt­chen und gu­tem Bier er­klä­ren. Wie die „New York Ti­mes“(NYT) ih­ren Le­sern er­klärt, las­sen eher die jüngs­ten Ent­wick­lun­gen auf­hor­chen. In ih­rem viel­be­ach­te­ten Ran­king „52 Rei­se­zie­le für 2019“zu den welt­weit be­lieb­tes­ten Zie­len taucht Deutsch­land gleich mehr­fach auf. Weit oben steht Mün­chen. Er­wähnt wird in dem Emp­feh­lungs­schrei­ben üb­ri­gens nicht das Ok­to­ber­fest (ob­wohl es im Herbst von Hil­la­ry und Bill Cl­in­ton und Ar­nold Schwar­ze­negger be­sucht wur­de). Für Auf­se­hen sorgt nach Ein­schät­zung der New Yor­ker viel­mehr das Opern­haus, das zu den bes­ten Eu­ro­pas zäh­le. Ans Herz ge­legt wird den Ame­ri­ka­nern zu­dem die Bau­trotz­dem haus­stadt Des­sau. Hier nimmt die NYT ei­ne Re­gi­on in den Fo­kus, de­ren Image hier­zu­lan­de zu­letzt doch et­was ge­lit­ten hat. emp­fiehlt die Ti­mes in ih­rer ak­tu­el­len Lis­te auf Platz 26, sich un­be­dingt die frü­he Wir­kungs­stät­te von Wal­ter Gro­pi­us mal per­sön­lich an­zu­schau­en. Der Weg­be­rei­ter des Bau­hau­ses pu­bli­zier­te schließ­lich vor 100 Jah­ren erst­mals sei­ne Idee mo­der­ner Ar­chi­tek­tur. Die Grün­de, war­um Gro­pi­us dann 1932 aus Des­sau flie­hen muss­te, fan­den zu­letzt am Bau­haus zwar un­ge­wöhn­li­che In­ter­pre­ta­tio­nen. Am En­de rück­ten die Punk­ro­cker von Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let die Ge­schich­te aber wie­der ge­ra­de. Dar­über kann die Ti­mes ja dann in ih­ren Fol­ge­ge­schich­ten auch be­rich­ten. Üb­ri­gens: In der Top-lis­te gar nicht er­wähnt wird in die­sem Jahr Ber­lin.

Trun­ken­heit am Steu­er ist kein Ka­va­liers­de­likt. Be­trun­ken am Steu­er ei­nes ICE mit Dut­zen­den oder Hun­der­ten von Rei­sen­den ge­he gar nicht. Das müs­se har­te Kon­se­quen­zen ha­ben. Die­ser Mei­nung ist man beim Fahr­gast­ver­band Pro Bahn. „Wer so er­wischt wird, ist die längs­te Zeit sei­nes Le­bens Lok­füh­rer ge­we­sen“, sag­te Pro-bahn-spre­cher und Eh­ren­vor­sit­zen­der Karl-pe­ter Naumann. Auch die Deut­sche Bahn als Ar­beit­ge­ber und die Ge­werk­schaft der Lok­füh­rer (GDL) ver­ur­teil­ten die Trun­ken­heits­fahrt ei­nes Lok­füh­rers, wol­len vor ei­ner ge­nau­en Be­wer­tung aber erst die Er­mitt­lun­gen ab­war­ten. Am Di­ens­tag­abend war ein Lok­füh­rer an Wit­ten­berg Rich­tung Leip­zig vor­bei­ge­rauscht, oh­ne wie ge­plant zu hal­ten. Nach Me­dien­be­rich­ten soll der Zug­füh­rer dar­auf­hin die Bun­des­po­li­zei ver­stän­digt ha­ben. Be­am­te hol­ten den Lok­füh­rer in Bit­ter­feld aus dem Zug. Ei­ne Al­ko­hol­test er­gab 2,49 Pro­mil­le. Was ge­nau pas­siert sei, kön­ne man noch nicht sa­gen. Die Bun­des­po­li­zei er­mitt­le noch, sag­te ein Bahn­spre­cher. Dem Lok­füh­rer sei der Trieb­fahr­zeug­schein weg­ge­nom­men und dem Ei­sen­bahn­bun­des­amt über­ge­ben wor­den. Über straf- oder ar­beits­recht­li­che Fol­gen wer­de erst nach Ab­schluss der Er­mitt­lun­gen ent­schie­den. Es han­de­le sich um ei­ne ab­so­lu­te Aus­nah­me. „Fah­ren un­ter Al­ko­hol­ein­fluss ist ein ab­so­lu­tes No-go“, sag­te GDL- Chef Claus We­sels­ky. Für das Fahr­per­so­nal gel­te die Null-pro­mil­leG­ren­ze im Di­enst. „We­der Al­ko­hol noch Dro­gen sind zu to­le­rie­ren, denn Lok­füh­rer tra­gen ei­ne be­son­de­re Ver­ant­wor­tung, schließ­lich be­ge­ben sich die Rei­sen­den ver­trau­ens­voll in ih­re Hän­de.“Wie in an­de­ren Be­rei­chen der Ge­sell­schaf­ten kön­ne man aber der­ar­ti­ges nicht aus­schlie­ßen. Im­mer­hin ge­be es 28 000 Lok­füh­rer bei der Deut­schen Bahn und bei an­de­ren Ver­kehrs­un­ter­neh­men in Deutsch­land. We­sels­ky sprach eben­falls von ei­ner ab­so­lu­ten Aus­nah­me. Ge­gen den in Leip­zig an­ge­stell­ten Mann er­mit­telt jetzt die Bun­des­po­li­zei – we­gen Ge­fähr­dung des Bahn­ver­kehrs. Soll­te es zur An­kla­ge kom­men, dro­hen dem Lok­füh­rer im schlimms­ten Fall bis zu fünf Jah­re Haft. Sich zur be­ruf­li­chen Zu­kunft des Man­nes zu äu­ßern, sei zu früh, mein­te We­sels­ky. Grund­sätz­lich ha­be je­der ei­ne zwei­te Chan­ce ver­dient. Als Ers­tes müs­se si­cher­ge­stellt wer­den, dass kein krank­heits­be­ding­ter Al­ko­hol­miss­brauch vor­liegt und ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr aus­ge­schlos­sen ist. Ob der Mann wie­der Lok fah­ren darf, ent­schei­de letzt­lich das Ei­sen­bahn­bun­des­amt. Selbst wenn der Lok­füh­rer ein Ge­sund­heits­pro­blem ha­be, wer­de die Bahn ihn nicht fal­len las­sen, sag­te ein Spre­cher. Das Un­ter­neh­men ver­fü­ge über ein Netz von haupt­amt­li­chen So­zi­al­be­treu­ern und eh­ren­amt­li­chen Sucht­be­ra­tern. Dem nach Be­kannt­wer­den des Vor­falls in den so­zia­len Netz­wer­ken ge­for­der­ten Al­ko­hol-test vor Fahrt­an­tritt steht We­sels­ky kri­tisch ge­gen­über. Nicht nur weil das ge­gen das Per­sön­lich­keits­recht ver­sto­ße, son­dern auch weil es be­reits vie­le Si­cher­heits­ein­rich­tun­gen ge­be. So müs­se der Lok­füh­rer zum Bei­spiel al­le zwei Mi­nu­ten ei­ne Wach­sam­keits­tas­te drü­cken. Un­ter­lässt er das, bremst der Zug au­to­ma­tisch ab. Lok­füh­rer müss­ten zu­dem al­ler drei Jah­re zu ei­nem um­fang­rei­chen Ge­sund­heits-check. Ab 55 sei der Gang zum Arzt so­gar je­des Jahr fäl­lig. In den so­zia­len Netz­wer­ken gab es auch iro­ni­sche Kom­men­ta­re. Ein Nut­zer schrieb: „Der Mann hat nach dem Al­ko­hol­kon­sum ex­tra sein Au­to ste­hen ge­las­sen und öf­fent­li­che Ver­kehrs­mit­tel be­nutzt! Vor­bild­lich!“

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Das Bau­haus-ge­bäu­de in Des­sau ist ein Be­su­cher­ma­gnet.

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Ab­ge­se­hen von den schnel­len Sprin­tern hal­ten die ICE-ZÜ­GE am Bahn­hof Wit­ten­berg. Nicht so am Di­ens­tag – da rausch­te der Zug am Halt vor­bei.

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