Schnee­cha­os lähmt Ver­kehr – Sach­sens Ge­bir­ge trifft es hart

Au­to­fah­rer ste­cken nachts stun­den­lang im Stau / Hun­der­te Un­fäl­le / Bahn­ver­kehr kam zum Er­lie­gen / Me­te­reo­lo­gen sa­gen Tau­wet­ter vor­aus

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - Von Win­fried Mahr

Der mas­si­ve Schnee­fall hat in Mit­tel­deutsch­land zu Ver­kehrs­cha­os und Hun­der­ten Un­fäl­len ge­führt. Vor al­lem in den Mit­tel­ge­bir­gen Sach­sens und Thü­rin­gens bil­de­ten sich ges­tern und in der Nacht zu­vor ki­lo­me­ter­lan­ge Staus auf Bun­des­stra­ßen und Au­to­bah­nen. Weil Bäu­me un­ter der Schnee­last um­stürz­ten und LKW die glat­ten Stra­ßen blo­ckier­ten, muss­ten Au­to­fah­rer auf et­li­chen Fern­stra­ßen die Nacht im Au­to zu­brin­gen.

Lkw blo­ckier­ten Stra­ßen

Dut­zen­de Last­wa­gen wa­ren an Stei­gun­gen ins Rut­schen ge­ra­ten und stan­den quer. Der Thü­rin­ger Au­to­bahn­po­li­zei zu­fol­ge stau­te sich der Ver­kehr auf der A 9 zeit­wei­se auf 50 Ki­lo­me­tern von der baye­risch-thü­rin­gi­schen Lan­des­gren­ze bis süd­lich von Herms­dorf. Auch auf der A 72 im vogt­län­di­schen Burgstädt und auf der A 4 kam es zu ki­lo­me­ter­lan­gen Staus. Ein­satz­kräf­te des Tech­ni­schen Hilfs­werks (THW) und des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes ver­teil­ten war­me De­cken und hei­ße Getränke. Das THW schlepp­te lie­gen­ge­blie­be­ne LKW frei und räum­te Schnee von Rast­plät­zen. Im Erz­ge­bir­ge wa­ren auch ges­tern noch vie­le Bun­des- und Kreis­stra­ßen ge­sperrt. In der Re­gi­on Dres­den traf es zum Bei­spiel die B6 zwi­schen dem Fisch­ba­cher Kreuz und Ros­sen­dorf. In der Säch­si­schen Schweiz und im Os­terz­ge­bir­ge mach­ten vor al­lem um­ge­stürz­te Bäu­me Pro­ble­me. Ins­ge­samt re­gis­trier­te die Po­li­zei­di­rek­ti­on Chem­nitz von Mitt­woch bis ges­tern Vor­mit­tag mehr als 275 Un­fäl­le mit 22 Ver­letz­ten. Im nord­säch­si­schen Werms­dorf wur­de bei ei­nem Fron­tal­zu­sam­men­stoß ein Mann ge­tö­tet. Ein Klein­trans­por­ter war auf glat­ter Fahr­bahn mit ei­nem ent­ge­gen­kom­men­den Au­to zu­sam­men­ge­sto­ßen. Der 57-jäh­ri­ge Au­to­fah­rer starb an sei­nen Ver­let­zun­gen. Der vie­le Neu­schnee leg­te auch den Schie­nen­ver­kehr in wei­ten Tei­len Sach­sens lahm. We­gen Schnee­bruchs wur­den am Vor­mit­tag Ver­bin­dun­gen zwi­schen Chem­nitz und Ol­bern­hau so­wie Ann­a­berg-bucholz kom­plett ein­ge­stellt, wie ei­ne Bahn­spre­che­rin sag­te. Be­reits seit dem Vor­tag fuhr zwi­schen Zwi­ckau und Jo­hann­ge­or­gen­stadt kein Zug mehr. Auf der Stre­cke zwi­schen Leip­zig und Chem­nitz war die Ver­bin­dung zwi­schen Geit­hain und Chem­nitz we­gen blo­ckier­ter Glei­se ge­sperrt. Zu­vor hat­ten die Schnee­mas­sen be­reits den Zug­ver­kehr im Vogt­land und in Ost­sach­sen schwer ge­trof­fen. Auch die Haupt­stre­cken von Bi­schofs­wer­da nach Zit­tau und Gör­litz wa­ren kom­plett dicht. In Sach­sen Groß­städ­ten schnei­te es zwar im­mer wie­der, aber es blieb we­nig lie­gen. Der Ver­kehr roll­te hier oh­ne grö­ße­re Pro­ble­me.

Zu we­nig Weiß für Ski-welt­cup

In Dres­den reich­te der Schnee nicht, um die Loi­pe für den am Wo­che­n­en­de statt­fin­den­den Ski­lang­lauf-sprint-welt­cup ent­lang der El­be prä­pa­rie­ren zu kön­nen – des­halb muss­te ne­ben Schnee aus der Re­gi­on wei­ter Kunst­schnee her­an­ge­fah­ren wer­den. Mit Neu­schnee ist heu­te nur noch ober­halb von 800 Me­tern Hö­he zu rech­nen, sagt der Deut­sche Wet­ter­dienst. Es wird wär­mer.

Die vier jun­gen Män­ner hal­ten sich Ak­ten­map­pen und Zeit­schrif­ten vor die Ge­sich­ter, als sie den gro­ßen Saal 700 im Ber­li­ner Land­ge­richt be­tre­ten. Sie müs­sen am Don­ners­tag als An­ge­klag­te an drei Dut­zend Ka­me­ra­leu­ten und Fo­to­gra­fen vor­bei und wol­len auf kei­nen Fall er­kannt wer­den. Das lie­ßen ih­re An­wäl­te schon vor­her in al­ler Deut­lich­keit ver­kün­den. Es ist der ers­te Tag des Pro­zes­ses um den spek­ta­ku­lä­ren Dieb­stahl ei­ner 100 Ki­lo­gramm schwe­ren Gold­mün­ze aus dem Bo­de-mu­se­um auf der Ber­li­ner Mu­se­ums­in­sel im März 2017. Das In­ter­es­se ist nicht nur we­gen des ver­schwun­de­nen und ver­mut­lich längst ein­ge­schmol­ze­nen Gol­des im Wert von 3,75 Mil­lio­nen Eu­ro so groß. Drei der An­ge­klag­ten mit deut­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit ge­hö­ren zu ei­ner be­kann­ten ara­bisch­stäm­mi­gen Ber­li­ner Groß­fa­mi­lie. Vie­le Mit­glie­der des Clans ge­rie­ten in der Ver­gan­gen­heit im­mer wie­der ins Vi­sier der Po­li­zei. Po­li­tik und Po­li­zei kün­dig­ten 2018 ei­gens ei­nen Fünf-punk­te-plan ge­gen die Clan­kri­mi­na­li­tät an. Die An­ge­klag­ten: ein 24-Jäh­ri­ger und sein 20-jäh­ri­ger Bru­der, ihr 22jäh­ri­ger Cou­sin so­wie ein 20-jäh­ri­ger Be­kann­ter. Der Äl­tes­te und sein Cou­sin tra­gen an­ge­sag­te Un­der­cut­fri­su­ren, der jün­ge­re Bru­der sitzt kurz ge­scho­ren auf sei­nem Platz. Zu den Vor­wür­fen schwei­gen sie mit erns­ten Bli­cken. Der vier­te An­ge­klag­te soll ein Schul­freund des jün­ge­ren Bru­ders sein. 2017 war er Wach­mann im Bo­de-mu­se­um und soll die ent­schei­den­den Tipps ge­ge­ben ha­ben. Al­le vier ha­ben je­weils zwei Ver­tei­di­ger da­bei, zum Teil aus als teu­er gel­ten­den Kanz­lei­en. Die Staats­an­wäl­te wer­fen den drei Mit­glie­dern der Groß­fa­mi­lie vor, dass sie in der Nacht zum 27. März 2017 durch das Fens­ter ei­nes Um­klei­de­raums in das Mu­se­um ein­ge­stie­gen sei­en. Sie sol­len ei­ne Vi­tri­ne zer­trüm­mert ha­ben und die schwe­re Gold­plat­te in Münz­form, ge­nannt Big Map­le Le­af, mit ei­nem Roll­brett zu dem Fens­ter ge­fah­ren ha­ben. Über die hoch ge­le­ge­nen Glei­se der Ber­li­ner S-bahn sol­len sie die Beu­te mit ei­ner Schub­kar­re ab­trans­por­tiert und dann in ei­nen Park ab­ge­seilt ha­ben. Di­rekt nach Ver­le­sung der An­kla­ge geht die Ver­tei­di­gung in die Of­fen­si­ve. Der An­walt des äl­tes­ten An­ge­klag­ten be­tont, die um­fang­rei­chen Er­mitt­lun­gen der Po­li­zei hät­ten kei­nen „ein­zi­gen durch­grei­fen­den Be­weis“er­ge­ben. Trotz Son­der­kom- mis­si­on, Te­le­fon­über­wa­chung, Durch­su­chun­gen und Spür­hun­den sei­en die an­geb­li­chen Be­wei­se „dürf­tig“ge­blie­ben. Die Staats­an­walt­schaft stüt­ze sich nur auf Hin­wei­se von In­for­man­ten der Po­li­zei und auf ein Gut­ach­ten zu Vi­deo­auf­nah­men aus Über­wa­chungs­ka­me­ras, die drei Män­ner, aber kei­ne Ge­sich­ter zeig­ten. Ein Ver­tei­di­ger des da­ma­li­gen Wach­manns er­klärt, die Er­mitt­lun­gen sei­en ein­sei­tig ge­führt wor­den. Als ers­ter Zeu­ge schil­dert ein Kri­mi­nal­kom­mis­sar die Un­ter­su­chung der Mu­se­ums­räu­me am Mor­gen nach dem Dieb­stahl. Die Ver­tei­di­ger ha­ken im­mer wie­der nach bei De­tails. Weil drei An­ge­klag­te 2017 jün­ger als 21 Jah­re wa­ren und als Her­an­wach­sen­de gel­ten, wird der Pro­zess vor ei­ner Ju­gend­kam­mer ver­han­delt. Die Rich­ter kön­nen dann ent­schei­den, ob das Ur­teil nach Ju­gen­do­der Er­wach­se­nen­straf­recht fällt. Schwe­rer Dieb­stahl kann theo­re­tisch mit ma­xi­mal zehn Jah­ren Ge­fäng­nis be­straft wer­den. Ur­tei­le in die­ser Hö­he sind aber sel­ten. Der­zeit sitzt kei­ner der An­ge­klag­ten mehr in Un­ter­su­chungs­haft. Al­ler­dings wur­de ge­gen zwei der Män­ner ein so­ge­nann­ter Ver­mö­gens­ar­rest ver­hängt, so ei­ne Ge­richts­spre­che­rin. So ver­sucht die Staats­an­walt­schaft, Ver­mö­gen fest­zu­set­zen, um es spä­ter un­ter Um­stän­den ein­zie­hen zu kön­nen.

FO­TO: EIB­NER/IM­A­GO

Je­der An­ge­klag­te hat zwei Ver­tei­di­ger be­stellt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.