Ki­ta-prak­ti­kant we­gen Miss­brauchs vor Ge­richt

An­ge­klag­ter Prak­ti­kant schweigt zum Pro­zess­auf­takt / Ver­tei­di­gung kri­ti­siert un­zu­rei­chen­de Er­mitt­lungs­ar­beit und for­dert Gut­ach­ten für al­le be­trof­fe­nen Kin­der

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - Von Mo­ni­ka Löff­ler

Am Dresd­ner Land­ge­richt hat ges­tern der Pro­zess ge­gen ei­nen 24-Jäh­ri­gen be­gon­nen. Er soll im Früh­jahr 2018 als Prak­ti­kant in ei­ner Ki­ta in Strie­sen vier Mäd­chen im Al­ter von sechs Jah­ren se­xu­ell miss­braucht ha­ben. Der Be­schul­dig­te schwieg zu den Vor­wür­fen.

Alex H. ver­folg­te den Pro­zess ru­hig und ge­las­sen – aber kei­nes­falls ge­lang­weilt, eher sehr kon­zen­triert. Und er wirkt ir­gend­wie, als ob er mit der Welt ab­ge­schlos­sen ha­be. Ver­ständ­lich. Be­stä­ti­gen sich die Vor­wür­fe, droht ihm ei­ne lang­jäh­ri­ge Frei­heits- stra­fe. Aber selbst bei ei­nem Frei­spruch bleib­tim­mer­ein­ge­wis­ser­ma­kel zu­rück und das ist in sei­ner Bran­che ganz übel. Der 24-Jäh­ri­ge war Ki­ta-prak­ti­kant und auf dem Weg zum Er­zie­her. Nun muss er sich we­gen se­xu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern und Schutz­be­foh­le­nen vor der Ju­gend- schutz­kam­mer ver­ant­wor­ten. Die Staats­an­walt­schaft wirft ihm vor, sich im Früh­jahr 2018 an vier Mäd­chen ei­ner Ki­ta in Strie­sen ver­gan­gen zu ha­ben. Laut An­kla­ge soll Alex H. den sechs­jäh­ri­gen Kin­dern mehr­mals sei­nen un­be­klei­de­ten Pe­nis prä­sen­tiert und sie auf­ge­for­dert ha­ben, ihn an­zu­fas­sen – ei­ne Klei­ne muss­te ihn so­gar in den Mund neh­men. Zu­dem soll er zwei Mäd­chen im Ge­ni­tal­be­reich be­fin­gert ha­ben. Die Sa­che flog auf, als sich ein Kind sei­nen El­tern an­ver­trau­te. Der Va­ter teil­te dies der Ki­ta mit, die den Prak­ti­kan­ten aus der Ein­rich­tung ver­wies und den Fall dem Ki­ta-ei­gen­be­trieb der Stadt mel­de­te, der An­zei­ge er­stat­te­te. Ge­gen Alex H. wur­de er­mit­telt, En­de Au­gust wur­de er fest­ge­nom­men. Das Amt re­agier­te zü­gig. Es in­for­mier­te die El­tern, dass es ei­nen Vor­fall ge­ge­ben ha­be und der Be­schul­dig­te ent­las­sen wur­de – oh­ne ge­naue De­tails und Na­men zu nen­nen. Die El­tern wur­den zu­dem sen­si­bi­li­siert, ih­ren Kin­dern ge­nau­er zu­zu­hö­ren, wenn die­se über Er­leb­nis­se aus der Ki­ta er­zäh­len. So wur­den auch an­de­re El­tern auf Un­stim­mig­kei­ten auf­merk­sam. „Sie hat­te mir mal ge­sagt, dass der „Pip­pi­mann’ von Alex wa­ckelt, aber ich hat­te mir nichts da­bei ge­dacht“, er­in­ner­te sich ein Va­ter. Nach dem El­tern­brief sah er das an­ders, auch sei­ne Mut­ter. Denn der hat­te die Klei­ne er­zählt, dass sie den „Pip­pi­mann“von Alex an­ge­fasst hat. Nur dach­te die Oma, Alex sei ei­nes der Kin­der und er­klär­te ih­rer En­ke­lin nur, dass man so et­was nicht macht. Spä­ter ka­men im­mer mehr De­tails da­zu. Der An­ge­klag­te ließ er­klä­ren, dass er die Ta­ten nicht be­gan­gen ha­be und mach­te sonst von sei­nem Schwei­ge­recht Ge­brauch. So wer­den die Mäd­chen vor Ge­richt aus­sa­gen müs­sen. Das ist für sie, trotz­dem die Öf­fent­lich­keit aus­ge­schlos­sen ist, ei­ne gro­ße Be­las­tung – zu­mal sie Alex H. sehr moch­ten. Die Ver­tei­di­ger kri­ti­sier­ten ei­ne un­zu­rei­chen­de Er­mitt­lungs­ar­beit. So sei­en die Kin­der zu sug­ges­tiv be­fragt und bis­her nur ei­nes der Mäd­chen be­gut­ach­tet wor­den. Die Ver­tei­di­gung for­dert jetzt auch Gut­ach­ten für die an­de­ren Kin­der. Der Pro­zess wird fort­ge­setzt.

FO­TO: AN­JA SCHNEI­DER

Der Tat­ort: Die Kin­der­ta­ges­stät­te „Kin­der­welt(en)“auf der Spen­er­stra­ße. Dort soll der An­ge­klag­te die Mäd­chen miss­braucht ha­ben.

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