Der Pa­te kocht in Pa­ris

Dresdner Neueste Nachrichten - - BLICKPUNKT - Von Re­gi­na Ker­ner Re­gi­na Ker­ner ist seit sechs Jah­ren Kor­re­spon­den­tin in Rom.

Auf der Mar­ki­se des ele­gan­ten neu­en Re­stau­rants in bes­ter Pa­ri­ser La­ge steht zu le­sen: „Cor­leo­ne by Lu­cia Ri­i­na“. Hüb­scher Na­me. Nur: Lu­cia Ri­i­na ist die jüngs­te Toch­ter des 2017 ver­stor­be­nen „Bos­ses der Bos­se“der si­zi­lia­ni­schen Ma­fia, To­tò Ri­i­na, auch ge­nannt „la bel­va“– die Bes­tie. Aus ih­rem Hei­mat­ort Cor­leo­ne, be­rühmt durch den Hol­ly­wood­film „Der Pa­te“, ging die 39-Jäh­ri­ge mit Mann und Kind nach Pa­ris. „Ein neu­es Le­ben“, schrieb sie vor ei­ni­gen Mo­na­ten auf Face­book. Mit der Ver­gan­gen­heit ab­schlie­ßen will sie aber nicht. Der Na­me des Re­stau­rants setzt das blu­ti­ge Image des Va­ters un­ge­niert für ein Plus an Pu­b­li­ci­ty ein. To­tò Ri­i­na wird für mehr als 150 Auf­trags­mor­de ver­ant­wort­lich ge­macht. Die Er­mor­dun­gen der An­ti-ma­fia-rich­ter Gio­van­ni Fal­co­ne und Pao­lo Bor­sel­li­no gin­gen auf sein Kon­to. Er war Draht­zie­her von Bom­ben­at­ten­ta­ten in Rom, Mai­land und Flo­renz. 26-mal wur­de er zu le­bens­lan­ger Haft ver­ur­teilt. Im Hoch­si­cher­heits­ge­fäng­nis von Par­ma starb er an Krebs. Auf Si­zi­li­en sind vie­le em­pört. „Es kann nicht sein, dass die­je­ni­gen, die Cor­leo­ne mas­sa­kriert und sei­nen Ruf zer­stört ha­ben, jetzt den Orts­na­men nut­zen, um Geld zu ma­chen“, schimpft der Bür­ger­meis­ter der Kle­in­stadt. Das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um sol­le ein­schrei­ten. Ma­ria Fal­co­ne, Schwes­ter des er­mor­de­ten Rich­ters, hofft in­des­sen auf die In­tel­li­genz der Pa­ri­ser. Denn in der fran­zö­si­schen Haupt­stadt be­gin­nen die Me­di­en nun auch zu be­rich­ten. „Wenn der Pa­te in Pa­ris kocht“, kom­men­tiert spöt­tisch der Ra­dio­sen­der Fran­ce In­ter, „dann gibt’s den gan­zen Ge­schmack des ma­fiö­sen Ita­li­en – di­rekt um die Ecke.“

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