Der drit­te Akt – in Te­xas

Kampf um die Mau­er: Trump droht mit na­tio­na­lem Not­stand

Dresdner Neueste Nachrichten - - BLICKPUNKT - Von Karl Doemens

14 Mi­nu­ten hat er es aus­ge­hal­ten. Dann stürm­te der Prä­si­dent aus dem Be­spre­chungs­zim­mer im Wei­ßen Haus. „Ei­ne to­ta­le Zeit­ver­schwen­dung“, em­pör­te er sich bei Twit­ter. „Ich ha­be bye-bye ge­sagt.“Der vor­erst letz­te Ver­such ei­ner Kom­pro­miss­fin­dung mit den Füh­rern der De­mo­kra­ten im Haus­halts­streit ist ge­schei­tert. „Wir ha­ben wie­der ei­nen Wut­an­fall er­lebt, weil er nicht das be­kom­men hat, was er will“, kom­men­tier­te der de­mo­kra­ti­sche Frak­ti­ons­chef im Se­nat, Chuck Schu­mer, den Ab­bruch am Mitt­woch­abend. Vie­le Be­ob­ach­ter ha­ben al­ler­dings den Ein­druck, dass der thea­tra­li­sche Ab­gang ge­plant war. Er fügt sich per­fekt in die Ins­ze­nie­rung, die der Us-prä­si­dent der­zeit um sein Lieb­lings­pro­jekt Mau­er­bau ver­an­stal­tet. Im Haus­halts­streit, der seit drei Wo­chen wich­ti­ge Tei­le der Ver­wal­tung lahm­legt, geht es ihm nicht um ir­gend­wel­che Fi­nan­zie­rungs­de­tails. Sein ein­zi­ges An­lie­gen ist die Be­wil­li­gung von 5,7 Mil­li­ar­den Dol­lar für den Mau­er­bau durch den Kon­gress. Doch die De­mo­kra­ten stel­len sich quer. Und um zu ver­deut­li­chen, wie hart er, Trump, um den Mau­er­bau ringt, sag­te er am Don­ners­tag noch gleich sei­ne Rei­se zum Rei­se zum Welt­wirt­schafts­fo­rum in Da­vos ab, das erst En­de Ja­nu­ar statt­fin­det. In drei Ak­ten hat Trump den Druck er­höht. Nun wächst in Wa­shing­ton die Sor­ge, dass er we­gen des an­geb­li­chen Mas­sen­an­sturms auf die Süd­gren­ze den Na­tio­na­len Not­stand aus­ruft und den Bau der Grenz­an­la­ge über Son­der­voll­mach­ten an­ord­net. Im ers­ten Akt hat­te der Prä­si­dent am Di­ens­tag in ei­ner Fern­seh­an­spra­che in düs­te­ren Far­ben die an­geb­lich schlim­me Men­schen­rechts­und Si­cher­heits­la­ge an der Gren­ze zu Me­xi­ko be­schrie­ben. Im zwei­ten Akt emp­fing Trump die De­mo­kra­ten Nan­cy Pe­lo­si und Chuck Schu­mer im Wei­ßen Haus – um dann de­ren an­geb­li­che Kom­pro­miss­lo­sig­keit zu be­kla­gen. Zwar gibt es Pro­ble­me an der Süd­west­gren­ze der USA. Doch die il­le­ga­le Zu­wan­de­rung liegt der­zeit deut­lich un­ter dem Wert frü­he­rer Jahr­zehn­te. Auch wer­den die al­ler­meis­ten Ter­ror­ver­däch­ti­gen nicht hier, son­dern an den Flug­hä­fen fest­ge­nom­men. Im drit­ten Akt schließ­lich reis­te Trump am Don­ners­tag nach Te­xas, um sich in dem Grenz­ort Mcal­len mit Grenz­be­am­ten vor der fern­seh­ge­rech­ten Ku­lis­se des Rio Gran­de zu tref­fen. Dort be­kräf­tig­te Trump, dass die USA ei­ne Bar­rie­re bräuch­ten, um Men­schen­schmugg­ler auf­zu­hal­ten. Die Po­li­tik der De­mo­kra­ten be­dro­he Fa­mi­li­en. Auf ei­nem Tisch vor dem Prä­si­den­ten hat­ten die Si­cher­heits­kräf­te Dro­gen, Waf­fen so­wie ei­ne Plas­tik­tü­te mit Geld auf­ge­bahrt, um zu il­lus­trie­ren, was an der Gren­ze be­schlag­nahmt wird. Zu­vor frag­ten Re­por­ter ihn, ober er den Not­stand er­klä­ren wol­le. Die Ant­wort: „Wenn sich nichts be­wegt, wer­de ich das wohl tun.“

FO­TO: EVAN VUC­CI/AP

Ein­bli­cke vor Ort: In Mcal­len, ei­nem Ort in Te­xas an der Gren­ze zu Me­xi­ko, ließ sich Us-prä­si­dent Do­nald Trump von Grenz­po­li­zis­ten die La­ge er­läu­tern.

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