Ver­wal­tung warnt vor De­fi­zit bei Ju­gend­hil­fe

Of­fe­ner Kon­flikt um Prä­ven­ti­ons­pro­jekt / Aus­gang im Ja­nu­ar­stadt­rat völ­lig un­ge­wiss

Dresdner Neueste Nachrichten - - PORTADA - DRES­DEN

In der Dresd­ner Ju­gend­hil­fe droht nach An­sicht der Ver­wal­tung ein De­fi­zit, wenn ein Stadt­rats­be­schluss nicht auf­ge­ho­ben wird. Die Ar­gu­men­ta­ti­on von Bil­dungs­bür­ger­meis­ter Hart­mut Vor­jo­hann sorgt für Är­ger.

Der Ju­gend­hil­fe droht ein De­fi­zit: Die­se An­sicht ver­trat Bil­dungs­bür­ger­meis­ter Hart­mut Vor­jo­hann jüngst im Ju­gend­hil­fe­aus­schuss. Der Cdu-po­li­ti­ker wür­de es da­her lie­ber se­hen, wenn ein be­reits ge­trof­fe­ner Be­schluss des Stadt­rats nicht um­ge­setzt wird. Die neu­en Mehr­hei­ten im Stadt­rat sor­gen damit nun auch in der Ju­gend­hil­fe für Tur­bu­len­zen. Noch mit rot-grün-ro­ter Mehr­heit hat­te der Stadt­rat über ein so­ge­nann­tes Prä­ven­ti­ons­bud­get ent­schie­den. Mit jähr­lich et­wa 350 000 Eu­ro sol­len in den Stadt­tei­len 20 hal­be Stel­len für So­zi­al­raum­ko­or­di­na­to­ren fi­nan­ziert wer­den.

Ver­net­zung al­ler Ak­teu­re

Die sol­len sich um die Ver­net­zung al­ler Ak­teu­re in ei­nem Stadt­ge­biet küm­mern, vom Hand­wer­ker über Schu­len bis zum Ju­gend­treff. Die Idee da­hin­ter: Wenn al­le zu­sam­men sich früh­zei­tig um Kin­der und Ju­gend­li­che in Schwie­rig­kei­ten be­mü­hen, kann ver­hin­dert wer­den, dass die­se jun­gen Men­schen im­mer tie­fer in ei­ne Kri­se ge­ra­ten und spä­ter mit teu­ren An­ge­bo­ten der Ju­gend­hil­fe aus ih­ren Pro­ble­men her­aus­ge­holt wer­den müs­sen. Die Ver­wal­tung hat an­de­re Vor­stel­lun­gen und sieht in dem Kon­zept nur ei­nen un­nö­ti­gen Per­so­nal­auf­bau. Da das Geld aber nun­mal von Rot-grün-rot im Haus­halt 17/18 ein­ge­stellt war, fa­vo­ri­sier­te die Ver­wal­tung Mit­te 2018 noch ei­ne Ver­tei­lung auf al­le Trä­ger der Ju­gend­hil­fe so­wie die Fi­nan­zie­rung zu­sätz­li­cher Fa­mi­li­en­klas­sen­zim­mer an wei­te­ren Dresd­ner Schu­len.

Mehr­heit ge­platzt

Als klar wur­de, dass sich Rot-grün­rot im Ju­gend­hil­fe­aus­schuss nicht da­ge­gen weh­ren kann, weil die frei­en Trä­ger den Ver­wal­tungs­vor­schlag auch gut fan­den, ho­ben die Par­tei­en der da­ma­li­gen Stadt­rats­mehr­heit das The­ma in den Stadt­rat. Dort wur­de schließ­lich am 1. November das Prä­ven­ti­ons­bud­get be­schlos­sen, zu dem ne­ben den 20 hal­ben Stel­len auch ei­ne Steue­rungs­grup­pe ge­hört. Gleich­zei­tig wur­den die Gel­der von 2017 und 2018 auf 2019 über­tra­gen – 400000 Eu­ro. Auch 2019 und 2020 müss­ten je­weils 350 000 Eu­ro da­für be­reit­ge­stellt wer­den, da­für soll­te der Ober­bür­ger­meis­ter sor­gen. Dann platz­te die rot-grün-ro­te Mehr­heit, weil drei Spd-stadt­rä­te ins bür­ger­li­che La­ger wech­sel­ten.

Em­pö­rung bei den Lin­ken

Bis heu­te gibt es nun das so­ge­nann­te In­ter­es­sen­be­kun­dungs­ver­fah­ren nicht, bei dem freie Trä­ger ih­ren Be­tei­li­gungs­wil­len für die Prä­ven­ti­ons­stel­len an­zei­gen könn­ten. Bür­ger­meis­ter Vor­jo­hann sagt, weil der Haus­halt noch nicht ge­neh­migt sei, gin­ge das noch nicht. Ti­lo Kieß­ling von den Lin­ken, ve­he­men­ter Ver­fech­ter des Prä­ven­ti­ons­kon­zepts, em­pört das. Vor­jo­hann wei­ge­re sich ein­fach, die Be­schlüs­se des Stadt­rats um­zu­set­zen, weil er das Kon­zept nicht wol­le. „Das ist ei­ne Miss­ach­tung ge­wähl­ter Gre­mi­en“, schimpf­te Kieß­ling. Der Ju­gend­hil­fe­aus­schuss for­der­te den Stadt­rat in ei­nem Be­schluss am Don­ners­tag­abend auf, für die Ju­gend­hil­fe 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro 2019 und 1,4 Mil­lio­nen Eu­ro 2020 zu­sätz­lich zur Ver­fü­gung zu stel­len. Damit sol­len Ta­rif­er­hö­hun­gen und Sach­kos­ten­stei­ge­run­gen aus­ge­gli­chen wer­den. Auch die Stra­ßen­schu­le soll so ge­si­chert wer­den, der Trä­ger hat­te et­was vor­ei­lig er­klärt, die För­de­rung wä­re schon in tro­cke­nen Tü­chern.

Stadt­rats­ent­schei­dung of­fen

Doch Vor­jo­hann mach­te klar, dass da­für kein Geld da ist, wenn das Prä­ven­ti­ons­kon­zept er­hal­ten bleibt. Dann ge­be es „Hau­en und Ste­chen“bei der Ver­tei­lung der För­der­mit­tel auf die Ju­gend­hil­fe­trä­ger. Kieß­ling be­zwei­felt die Be­rech­nun­gen der Stadt und hält die Gel­der des Prä­ven­ti­ons­bud­gets oh­ne­hin nicht für aus­rei­chend zur De­ckung des Zu­satz­be­darfs. Wie der Stadt­rat am 24. Ja­nu­ar ent­schei­den wird, ist völ­lig un­klar. Die CDU ver­such­te im Aus­schuss le­dig­lich, den Be­schluss zu den Zu­satz­geldern ver­ta­gen zu las­sen und ent­hielt sich dann bei der Ab­stim­mung weit­ge­hend.

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