„Der Mensch kann al­les lie­ben“

Chris­toph Waltz über sei­nen Film „Ali­ta“und die Kunst, mit der di­gi­ta­len Welt im Ein­klang zu le­ben

Dresdner Neueste Nachrichten - - POR­TA­DA - In­ter­view: Ste­fan Stosch

Chris­toph Walz über sei­nen Film „Ali­ta“und die dunk­len Sei­ten künst­li­cher In­tel­li­genz.

Herr Waltz, im Si­li­con Val­ley sind Wis­sen­schaft­ler an­geb­lich da­bei, den Kampf ge­gen den Tod zu ge­win­nen. Sind Sie in­ter­es­siert?

Sie mei­nen, ob ich mein Ge­hirn ein­frie­ren las­sen wür­de, um ir­gend­wann wie­der in ei­nem Ma­schi­nen­kör­per zu er­wa­chen? Nein, dan­ke. Ich ha­be schon ge­nug Pro­ble­me da­mit, das un­ein­ge­fro­re­ne Le­ben halb­wegs eh­ren­haft zu be­wäl­ti­gen. Zu­dem hal­te ich das Si­li­con Val­ley in zu­neh­men­dem Ma­ße für ei­ne ver­däch­ti­ge Ver­an­stal­tung.

Sie glau­ben nicht an die ver­spro­che­nen Wun­der?

Vie­les von dem, was aus dem Si­li­con Val­ley kommt, wird oh­ne je­de Be­grün­dung zur Not­wen­dig­keit er­klärt. Tat­säch­lich be­trei­ben dort vie­le das al­te ka­pi­ta­lis­ti­sche Drecks­spiel.

Wie geht das Spiel?

Si­li­con Val­ley ist so ein Aus­druck für al­les ge­wor­den, was von ri­si­ko­freu­di­gen Ka­pi­ta­lis­ten fi­nan­ziert wird. Die­se Leu­te er­fin­den ir­gend­ei­nen Mist und drü­cken ihn uns aufs Au­ge. Gleich­zei­tig ha­ben sie die dreis­te Ver­lo­gen­heit, uns glau­ben zu ma­chen, dass dies das ge­lob­te Land sei. Wo­bei ich gleich ei­ne Ein­schrän­kung ma­chen möch­te: Vie­le bio­wo­bei tech­no­lo­gi­sche Er­run­gen­schaf­ten mö­gen wirk­lich der Mensch­heit zu­gu­te­kom­men, tun es schon heu­te.

Heißt das, dass Sie we­der ei­nen Cy­borg na­mens Ali­ta wie in Ih­rem neu­en Film „Ali­ta“zu Hau­se ha­ben noch ei­nen Sprach­com­pu­ter na­mens Ale­xa?

Ehr­lich ge­sagt wür­de ich lie­ber Ali­ta als Ale­xa zu Hau­se ha­ben, die­ses freund­li­che und manch­mal auch so trau­ri­ge Ro­bo­ter­mäd­chen aus mei­nem Film, das die Welt mit sei­ner Kampf­kunst ret­ten will.

Fürch­ten Sie, dass Sie im Kino bald ein Chris­toph-waltz-ava­tar ab­lö­sen könn­te?

Na ja, der wür­de sich ja mit mir ar­ran­gie­ren müs­sen. Der Ava­tar wä­re nur ei­ne Er­gän­zung. Und wenn es mir so er­gin­ge wie ges­tern Abend, als ich in Pa­ris fest­steck­te, dann könn­te ich ge­müt­lich dort blei­ben, und mein Ava­tar wür­de die­ses In­ter­view mit Ih­nen hier in Ber­lin füh­ren.

Kann man ei­nen Cy­borg lie­ben?

Der Mensch kann al­les lie­ben. Den­ken Sie nur an die Lie­be zu Haus­tie­ren. Man­che Men­schen zei­gen ja auch Ent­zugs­er­schei­nun­gen, wenn sie ih­res Smart­pho­nes be­raubt wer­den.

Löst künst­li­che In­tel­li­genz bei Ih­nen Angst oder Hoff­nung aus?

Ganz klar: Angst. Künst­li­che In­tel­li­genz ist mir un­heim­lich. Es gibt ei­nen schö­nen Auf­satz von Sig­mund Freud über das Un­heim­li­che – schon die­ses Wort tref­fend ist. Man fühlt sich im Un­heim­li­chen eben nicht zu Hau­se. Es geht um ei­ne dunk­le Sa­che, die sich nicht ab­schät­zen lässt.

Was sol­len wir tun?

Je­den­falls nicht das, was der Un­ter­neh­mer Elon Musk emp­foh­len hat, ver­mut­lich ge­trie­ben von sei­nen ge­wohn­ten selbst­dar­stel­le­ri­schen Mo­ti­ven: Er fin­de künst­li­che In­tel­li­genz un­heil­d­ro­hend, hat Musk der Welt er­klärt. Sei­ne Schluss­fol­ge­rung: Der Mensch und die künst­li­che In­tel­li­genz müss­ten sich wort­wört­lich ver­bin­den, et­wa durch ei­nen im Hirn im­plan­tier­ten Chip. Dann wür­de es nur su­per­klu­ge Men­schen ge­ben.

Ver­än­dert sich der Mensch durchs Di­gi­ta­le?

Nul­len und Ein­sen ver­än­dern un­ser Le­ben. Wir soll­ten uns nicht wun­dern, dass es im­mer häu­fi­ger nur noch um die Wahl zwi­schen Ent­we­der-oder zu ge­ben scheint, zwi­schen ja oder nein, kurz: zwi­schen ex­tre­men Po­si­tio­nen. Ana­lo­ge Ver­hand­lun­gen über al­les da­zwi­schen wer­den im­mer schwie­ri­ger. Da­bei macht die­ses Da­zwi­schen die mensch­li­che Exis­tenz erst in­ter­es­sant und auch aus.

Wenn die Ent­wick­lung so be­droh­lich ist: Wie­so sieht sich der Mensch noch als das Maß al­ler Din­ge?

Tut er das wirk­lich? Mich er­in­nert un­se­re heu­ti­ge Dis­kus­si­on an je­ne in­ner­halb der ka­tho­li­schen Kir­che zu Zei­ten der In­qui­si­ti­on: Da muss­te der Mensch auch erst ler­nen, dass sich die Er­de nicht um ihn dreht. Ha­ben Sie ge­le­gent­lich das Ge­fühl, von Cy­borgs um­ge­ben zu sein? Manch­mal ha­be ich das Ge­fühl, ich wä­re lie­ber von Cy­borgs um­ge­ben.

FO­TO: JU­LIE ED­WARDS/AVA­LON/DPA

Ge­fei­er­ter Star und mehr­fa­cher Os­car­preis­trä­ger: Schau­spie­ler Chris­toph Waltz. Jetzt kommt er mit ei­nem neu­en Film in die Ki­nos.

FO­TO: FOX

Der weib­li­che Cy­borg Ali­ta und ihr Schutz­pa­tron Dr. Ido – ge­spielt vom deutsch­ös­ter­rei­chi­schen Schau­spie­ler Chris­toph Waltz in „Ali­ta: Batt­le An­gel“.

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