Auf­ge­löst in Luft

Dresdner Neueste Nachrichten - - BLICKPUNKT - Von Wla­di­mir Ka­mi­ner

Die ame­ri­ka­ni­schen, rus­si­schen, chi­ne­si­schen Nach­rich­ten sind aus dem pral­len Le­ben. Trump baut ei­ne Mau­er aus Stahl und Be­ton, die Chi­ne­sen flie­gen zu den Ster­nen, der rus­si­sche Prä­si­dent hat aus Spaß ei­gen­hän­dig die Za­ren­ka­no­ne in St. Pe­ters­burg ab­ge­feu­ert. In Deutsch­land ent­ste­hen Nach­rich­ten, die das Land be­we­gen, an den Bild­schir­men, nicht auf den Stra­ßen. Ha­cker­an­grif­fe, Dieb­stahl von „sen­si­blen Da­ten“, Po­li­ti­ker, die ih­re Teil­nah­me an den so­zia­len Netz­wer­ken ver­wei­gern ... Mich be­un­ru­higt, dass un­se­re Zi­vi­li­sa­ti­on doch sehr zart ge­wor­den ist. Wenn die Ener­gie­quel­len er­schöpft sind, wird ein Groß­teil der auf Com­pu­tern ge­spei­cher­ten In­for­ma­tio­nen ver­lo­ren ge­hen. Wo wer­den dann un­se­re „sen­si­blen Da­ten“lan­den? Sie lö­sen sich in Luft auf. Wir be­we­gen uns auf sehr dün­nem Eis. Wir ha­ben ak­tu­ell kei­ne Py­ra­mi­den vor­zu­wei­sen, kei­ne neu­en ba­ro­cken Schlös­ser und kei­ne Rie­sen­ka­no­nen. Al­les, was wir ha­ben, sind Smart­pho­nes, Au­tos und Mar­zi­pan. Was bleibt, wenn der Strom aus­fällt? Wel­che St­ei­ne wer­den die Men­schen be­wun­dern, die nach uns kom­men? Do­mi­no­stei­ne? Wir ent­wi­ckeln uns mit der Wis­sen­schaft zwar mit, doch be­stimm­te Ei­gen­schaf­ten un­se­res Hir­nes ge­hen da­bei ver­lo­ren. Un­ser Ge­dächt­nis, das einst im­stan­de war, sich lan­ge Tex­te zu mer­ken, wird durch das elek­tro­ni­sche Ge­dächt­nis er­setzt. Be­reits heu­te ken­nen vie­le jun­ge Men­schen kei­ne Mul­ti­pli­ka­ti­ons­ta­bel­le mehr. Ich fra­ge mich manch­mal, wenn heu­te in der Kauf­hal­le der Com­pu­ter aus­fällt, kön­nen die Kas­sie­rer dann noch die Preise zu­sam­men­rech­nen?

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