Flut­schutz für Lau­be­gast rückt nä­her

Fast 20 Jah­re nach dem Hoch­was­ser von 2002 zeich­net sich der Bau ei­nes Walls ge­gen das Was­ser des Al­tel­barms ab.

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - Von In­golf Pleil

Dres­den. Nach jah­re­lan­gen Pla­nun­gen rückt ein bes­se­rer Flut­schutz für Lau­be­gast in greif­ba­re Nä­he. Die Bau­ar­bei­ten für die Ab­si­che­run­gen ge­gen­über der Hoch­was­ser­be­dro­hung aus dem Al­tel­barm zwi­schen Zschie­ren und Tol­ke­witz könn­ten nächs­tes Jahr be­gin­nen.

Das El­be­hoch­was­ser von 2002 hat ge­zeigt, wel­che Ge­fah­ren am Fluss dro­hen. Nach Jahr­zehn­ten oh­ne grö­ße­re Ka­ta­stro­phen war Lau­be­gast prak­tisch zur In­sel ge­wor­den. Gro­ße Tei­le des Stadt­teils durch­ström­te Elb­was­ser. Jetzt lässt sich lang­sam ab­se­hen, wann der Ge­biets­schutz für die Lau­be­gas­ter Rea­li­tät wer­den könn­te.

Der Stadt­teil war vor 17 Jah­ren von der El­be prak­tisch in die Zan­ge ge­nom­men wor­den. Auf der ei­nen Sei­te stieg der Fluss am Lau­be­gas­ter Ufer an und drang ins Wohn­ge­biet ein. Auf der an­de­ren Sei­te wur­de der al­te El­barm zwi­schen Zschie­ren und Tol­ke­witz ab ei­nem Pe­gel von 8 Me­tern von Elb­was­ser durch­strömt, letzt­lich drang dann auch von die­ser Sei­te der Fluss weit in den Stadt­teil vor, bis der Pe­gel bei 9,40 Me­ter den Höchst­stand er­reich­te. Nach Ta­gen ging das Was­ser lang­sam zu­rück und es of­fen­bar­ten sich er­heb­li­che Schä­den.

Seit 2008 be­trieb die Stadt ei­nen um­fang­rei­chen Dis­kus­si­ons­pro­zess mit den Ein­woh­nern über den mög­li­chen Schutz vor den Flu­ten. Über Jah­re wur­den in un­zäh­li­gen Veranstalt­ungen Mei­nun­gen und An­sich­ten zu­sam­men­ge­tra­gen und letzt­lich in kon­kre­te Plä­ne ge­gos­sen. Da­bei kon­zen­trier­te sich ein Teil der De­bat­te auf den Um­gang mit dem Al­tel­barm.

In den Vor­pla­nun­gen un­ter­such­te die Stadt die Mög­lich­kei­ten für ei­nen Ge­biets­schutz für die Re­gi­on zwi­schen Lock­witz­bach­weg und Berch­tes­ga­de­ner Stra­ße. Da­bei ka­men die Fach­leu­te zu dem Schluss, dass sich nur für den am stärks­ten be­trof­fe­nen Ab­schnitt zwi­schen Tau­ern­stra­ße und Mar­bur­ger Stra­ße „der Wirt­schaft­lich­keits­nach­weis füh­ren lässt“. Auf­grund der ge­ring­fü­gi­gen Be­trof­fen­heit und des da­mit ver­bun­de­nen ge­rin­gen Scha­dens po­ten­zi­als in den Ab­schnit­ten Rei­chen hall er Stra­ße bis Tau­ern­stra­ße und Mar­bur­ger Stra­ße bis Lock­witz­bach­weg er­gab sich dort „kein po­si­ti­ves Nut­zen-kos­ten-ver­hält­nis“, wie die Stadt in Ents ch ei dungs vor­la­gen für den Stadt­rat kon­sta­tier­te. Da­her wur­den le­dig­lich die Pla­nun­gen für ei­nen Ge­biets­schutz zwi­schen Mar­bur­ger Stra­ße und Tau­ern­stra­ße fort­ge­setzt, un­ter dem Na­men „M30“steht das Pro­jekt im Hoch­was­ser­schutz­kon­zept der Stadt.

Hin­ter den Grund­stü­cken an der Mar­bur­ger Stra­ße be­ginnt die Schutz­an­la­ge mit ei­ner et­wa hüft­ho­hen Mau­er. Die­se zieht sich ent­lang des Bau­mark­tes bis zur Leu­be­ner Stra­ße. Für den Lau­be­gas­ter Weg wird es ei­ne Schar­te ge­ben, die mo­bil ver­schlos­sen wer­den kann. Mo­bi­le Schutz­wän­de sind auch für die Leu­be­ner Stra­ße vor­ge­se­hen, die ab ei­nem El­be­pe­gel von 8,50 Me­ter not­wen­dig sind. West­lich der Leu­be­ner Stra­ße in Rich­tung Tau­ern­stra­ße schließt sich ein et­wa brust­ho­her Deich ent­lang der Ti­ro­ler Stra­ße an, die­ser macht dann an der Tau­ern­stra­ße ei­nen Knick und zieht sich noch ei­ni­ge Me­ter Rich­tung Nor­den an der Tau­ern­stra­ße ent­lang. Das Ge­samt­bau­werk soll 545 Me­ter lang sein, 238 Me­ter Deich, 289 Me­ter Mau­er und 18 Me­ter mo­bi­ler Hoch­was­ser­schutz. Die rei­nen Bau­kos­ten lie­gen bei 750 000 Eu­ro. Öst­lich und west­lich da­von müs­sen die Ei­gen­tü­mer selbst für den Schutz ih­res Be­sit­zes sor­gen, die öf­fent­li­che Hand wird dies nicht über­neh­men. In sol­chen Fäl­len ist von Ob­jekt­schutz die Re­de.

Den Pra­xis­test hat das Kon­zept in­di­rekt schon be­stan­den. 2013 wur­de ent­lang der Bau­li­nie der ge­plan­ten Schutz­an­la­ge ein Sand­sack­wall er­rich­tet und be­währ­te sich. Da­mals blieb der Elb­pe­gel je­doch bei knapp 8,80 Me­ter ste­hen.

Be­reits 2013 reich­te die Stadt die Pla­nungs­un­ter­la­gen für „M30“bei der Lan­des­di­rek­ti­on Sach­sen ein. Die Be­hör­de des Frei­staats ist für die Prü­fung sol­cher Vor­ha­ben zu­stän­dig und gibt grü­nes Licht, wenn al­les in Ord­nung ist. Seit­her wur­de es in der Öf­fent­lich­keit ru­hig um das Pro­jekt.

In­zwi­schen wird par­al­lel zum Ge­biets­schutz „M30“auch über den Um­gang mit den Klein­gär­ten im al­ten El­barm dis­ku­tiert. Die Stadt­ver­wal­tung hat ei­nen ers­ten Ent­wurf zur künf­ti­gen hoch­was­ser­an­ge­pass­ten Gestal­tung des Be­reichs er­ar­bei­tet. Das Kon­zept liegt noch bis Frei­tag, 8. No­vem­ber, zur Ein­sicht im Um­welt­amt aus und steht par­al­lel on­li­ne un­ter www.dres­den.de/hoch­was­ser (The­ma „Klein­gär­ten im Ab­fluss­be­reich“) zur Ver­fü­gung. Von Mon­tag bis Mitt­woch kom­men­der Wo­che wer­den die Be­trof­fe­nen in Ver­samm­lun­gen der Stadt in­for­miert. In der Dis­kus­si­on steht da­bei auch die „Auf­stän­de­rung“der Salz­bur­ger Stra­ße, um den Zu­gang nach Lau­be­gast auch bei Hoch­was­ser zu si­chern. Doch von kon­kre­ten Pla­nun­gen ist die­se Idee noch weit ent­fernt.

Deut­lich wei­ter ist der Ge­biets­schutz „M30“ge­die­hen. Doch Kri­ti­kern

geht es nicht schnell ge­nug. „Es ist kei­nem Bür­ger mehr zu er­klä­ren, war­um die Stadt die Pla­nungs­un­ter­la­gen noch im­mer nicht voll­stän­dig vor­le­gen kann“, wet­tert Hei­ke Ah­nert von der CDU. „Drei Jah­re Pla­nungs­ver­zug für 500 Me­ter Schutz­wall, das ist in­ak­zep­ta­bel!“, fügt sie hin­zu. „Dass die­se Maß­nah­me noch Prio­ri­tät hat, kann ich nicht er­ken­nen“, er­klär­te die Stadt­rä­tin ge­gen­über DNN.

In ei­nem Pl­an­fest­stel­lungs­ver­fah­ren müss­ten ei­ne Viel­zahl ver­schie­dens­ter fach­li­cher und recht­li­cher The­men ge­klärt wer­den, heißt es bei der Stadt. Dies kön­ne manch­mal nur schritt­wei­se und nach­ein­an­der er­fol­gen. „Bei der M30 war es letzt­lich die Viel­zahl der The­men, nicht grund­sätz­li­che Fra­ge­stel­lun­gen, die zu be­wäl­ti­gen wa­ren“, er­klär­te die Ver­wal­tung, die auf den Pl­an­fest­stel­lungs­be­schluss der Lan­des­di­rek­ti­on spä­tes­tens An­fang 2020 hofft.

Dann wür­den die Aus­füh­rungs­pla­nung und die Aus­schrei­bung fol­gen, so­dass 2020 die Ver­ga­be und der ers­te Spa­ten­stich er­fol­gen könn­ten. Das ge­sam­te Vor­ha­ben wird bau­lich nicht in se­pa­ra­te, ein­zeln er­richt­ba­re Ab­schnit­te auf­ge­teilt, da es nur als Gan­zes funk­tio­nie­re. Der bau­li­che Ab­schluss wä­re dann in 2021 zu er­war­ten.

Auch die Lan­des­di­rek­ti­on ver­weist auf vie­le zu klä­ren­de Fra­gen, hat aber auch ei­ne gu­te Bot­schaft. Sie er­stel­le der­zeit den Pl­an­fest­stel­lungs­be­schluss und es sei „vor­ge­se­hen, die­sen noch in die­sem Jahr zu er­las­sen und das Vor­ha­ben da­mit zu ge­neh­mi­gen“. Dann kön­nen Be­trof­fe­ne al­ler­dings noch vor Ge­richt zie­hen.

QU­EL­LE: STADT DRES­DEN

Die Darstel­lun­gen zei­gen, wo Hoch­was­ser­schutz­ein­rich­tun­gen beim Pro­jekt „M30" als Ge­biets­schutz (Ab­schnitt 2) für Dres­den-lau­be­gast ge­plant sind.

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