Berg­leu­te sit­zen stun­den­lang un­ter Ta­ge fest

Ei­ne Er­schüt­te­rung in der ehe­ma­li­gen Ka­li­gru­be hat am Frei­tag Alarm aus­ge­löst. 38 Män­ner sa­ßen stun­den­lang in ei­nem Schutz­raum fest. Der­zeit ruht der Be­trieb.

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - Von Andreas Dun­te, Mat­thi­as Roth und Jo­se­phi­ne Hein­ze

Teut­schen­thal. nach ei­ner ver­puf­fung in der Berg­bau­gru­be teut­schen­thal in sach­sen-an­halt ha­ben 36 ar­bei­ter stun­den­lang in rund 700 me­tern tie­fe aus­har­ren müs­sen. Zwei Berg­män­ner wur­den bei dem un­glück ver­letzt. Die po­li­zei nahm er­mitt­lun­gen we­gen fahr­läs­si­ger oder vor­sätz­li­cher Kör­per­ver­let­zung auf.

Teut­schen­thal. Nach ei­ner Ver­puf­fung in der Gru­be Teut­schen­thal bei Hal­le sind al­le Berg­leu­te ge­ret­tet wor­den. Die De­to­na­ti­on er­eig­ne­te sich nach An­ga­ben der Po­li­zei kurz nach 9 Uhr. In dem Ver­satz­berg­werk wer­den Hohl­räu­me ei­nes ehe­ma­li­gen Ka­lis­tol­lens ver­füllt.

„Zwei Per­so­nen wur­den nach jet­zi­gem Stand ver­letzt“, er­klär­te ei­ne Un­ter­neh­mens­spre­che­rin. Ein Kum­pel sei da­bei schwer ver­letzt wor­den. Die Ar­bei­ter sind in das Kran­ken­haus Berg­mann­strost nach Hal­le ge­fah­ren wor­den. Es be­ste­he kei­ne Le­bens­ge­fahr.

Bei den Mit­ar­bei­tern han­delt es sich um ei­nen 44 Jahre al­ten Po­len und ei­nen 24-jäh­ri­gen Deut­schen. Der pol­ni­sche Bergmann ha­be durch her­um­flie­gen­des Gestein Ver­let­zun­gen im Ge­sicht er­lit­ten. „Bei­de Mit­ar­bei­ter konn­ten aber selbst­stän­dig lau­fen“, sag­te Erik Fil­lin­ger, tech­ni­scher Ge­schäfts­füh­rer des Gru­ben­be­trei­bers GTS.

Die Ur­sa­che für die Ver­puf­fung ist noch un­klar, so Fil­lin­ger. Ver­mut­lich ha­be ein ex­plo­si­ves Gas­ge­misch die Er­schüt­te­rung aus­ge­löst. „In dem Fil­ter­staub ist auch Was­ser­stoff ent­hal­ten“, sag­te Fil­lin­ger. Es sei Ent­war­nung ge­ge­ben wor­den. Nun wür­den Ex­per­ten des Lan­des­berg­amts am Frei­tag un­ter Ta­ge fah­ren und mit Un­ter­su­chun­gen be­gin­nen, sag­te der Ab­tei­lungs­lei­ter Berg­bau, Uwe Schaar, in Hal­le.

Die üb­li­chen Ar­bei­ten in der Gru­be wür­den so lan­ge ru­hen, bis die Ur­sa­che ge­klärt sei. Wie lan­ge das dau­ern wer­de, kön­ne noch nicht ge­sagt wer

den. Die Po­li­zei prü­fe zu­dem, ob je­mand fahr­läs­sig oder gar vor­sätz­lich ge­han­delt ha­be.

Nach An­ga­ben des Be­trei­bers GTS, der zur Gei­ger-grup­pe aus Oberst­dorf ge­hört, be­fan­den sich zum Zeit­punkt der Er­schüt­te­rung 38 Men­schen in rund 700 Me­tern Tie­fe un­ter Ta­ge. Die Ver­puf­fung ha­be in ei­nem klei­nen Be­reich ei­nen Damm am Schacht Teut­schen­thal zer­stört. Da­bei sei­en die zwei Ar­bei­ter ver­letzt wor­den, die im un­mit­tel­ba­ren Um­feld mit Ver­füll­auf­ga­ben be­schäf­tigt wa­ren.die an­de­ren 36 Kol­le­gen be­fan­den sich in der Nä­he von An­gers­dorf in ei­nem an­de­ren Ab­schnitt des Stol­lens. Sie ret­te­ten sich selbst­stän­dig in ei­nen Si­cher­heits­be­reich. Dort sei­en sie mit Sau­er­stoff ver­sorgt wor­den, sag­te ein Spre­cher des Lan­des­berg­amts in Hal­le am Frei­tag. Sie wur­den spä­ter über den in­tak­ten Schacht an die Erd­ober­flä­che ge­bracht.

Laut Fil­lin­ger war kei­ner der Mit­ar­bei­ter im Schacht ein­ge­schlos­sen oder ver­schüt­tet. Die An­ge­hö­ri­gen der Berg­leu­te sei­en be­reits kurz nach

dem Alarm über den Vor­fall in­for­miert wor­den. 14 Hel­fer der Gru­ben­wehr wa­ren im Ein­satz. Sie ga­ben ge­gen 11 Uhr Ent­war­nung. Die Kum­pel durf­ten an­schlie­ßend zu­rück ans Ta­ges­licht.

Von „größ­ten Schwie­rig­kei­ten“, ih­rer Ar­beit nach­zu­kom­men, be­rich­te­ten die Geo­tech­ni­ker Uwe Bert­hold und Ve­ra Bött­ge vom Lan­des­amt für Geo­lo­gie und Berg­bau. Aus­ge­löst durch die Meldungen über das Un­glück sei­en be­sorg­te und auf­ge­reg­te Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge der Gru­ben­mit­ar­bei­ter nach Teut­schen­thal ge­eilt, um Nä­he­res zu er­fah­ren. „Wir hat­ten al­le Hän­de voll zu tun, die An­ge­hö­ri­gen zu be­ru­hi­gen.“auch An­woh­ner und Mit­ar­bei­ter von Be­hör­den muss­ten be­ru­higt wer­den.

Bis zu 70 ver­un­si­cher­te Leu­te hät­ten vor den To­ren der Gru­be ge­stan­den. Vie­le sei­en vom Schlimms­ten aus­ge­gan­gen, ei­ne sol­che Ka­ta­stro­phe ha­be aber nicht vor­ge­le­gen, so Bött­ge. „Es hat zu kei­ner Zeit ei­ne Ge­fahr für die rest­li­chen Mit­ar­bei­ter der Gru­be und für An­lie­ger ge­ge­ben“, sag­te die Geo­tech­ni­ke­rin.

FOTO: HOL­GER JOHN/DPA FOTO: PE­TER ENDIG/DPA

Berg­leu­te ver­las­sen den Schacht der Gru­be im sach­sen-an­hal­ti­schen Teut­schen­thal. Blick auf die Gru­be Teut­schen­thal mit dem För­der­turm.

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