Dy­na­mo trennt sich von Trai­ner Fiel

Der Zweit­li­gist re­agiert auf die sport­li­che Tal­fahrt. Nun über­nimmt vo­r­erst ein In­te­rims-coach.

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - Von Ste­fan Schramm

Dres­den. Cris­ti­an Fiel ist nicht mehr Trai­ner von Dy­na­mo Dres­den. Der Fuß­ball-zweit­li­gist und der 39-Jäh­ri­ge hät­ten sich ein­ver­nehm­lich auf ein so­for­ti­ges En­de der Zu­sam­men­ar­beit ver­stän­digt, teil­te der Ver­ein ges­tern Abend mit. Zwei Ta­ge nach der 1:2-Nie­der­la­ge der Schwarz­gel­ben ge­gen Hol­stein Kiel und dem da­mit ver­bun­de­nen Ab­sturz auf den letz­ten Ta­bel­len­platz wur­de auch der bis­he­ri­ge Co-trai­ner Patrick Mölzl von sei­nen Auf­ga­ben ent­bun­den.

„Die­se Ent­schei­dung ist uns sehr schwer­ge­fal­len“, er­klär­te Sport-ge­schäfts­füh­rer Ralf Min­ge ges­tern Abend in ei­ner Ver­eins­mit­tei­lung. „Cris­ti­an und ich stan­den wäh­rend der ge­sam­ten Zu­sam­men­ar­beit im­mer in ei­nem en­gen und ver­trau­ens­vol­len Aus­tausch. Wir ha­ben die Zu­sam­men­ar­beit heu­te ein­ver­nehm­lich be­en­det, weil wir zu dem ge­mein­sa­men Ent­schluss ge­kom­men sind, dass die Mann­schaft drin­gend ei­nen neu­en Im­puls braucht, um den Klas­sen­er­halt noch zu er­rei­chen.“

Bis der va­kan­te Chef­coach­pos­ten neu be­setzt wird, trägt ein In­te­rims­trai­ner die Ver­ant­wor­tung, den der Ver­ein recht­zei­tig prä­sen­tie­ren wol­le. Die nächs­te Trai­nings­ein­heit ist be­reits heu­te um 14 Uhr im Gro­ßen Gar­ten an­ge­setzt. Dann be­ginnt die Vor­be­rei­tung aufs letz­te Hin­run­den­heim­spiel am Sonn­tag ge­gen Sand­hau­sen.

Dres­den. Die Vor­zei­chen ver­hie­ßen nichts Gu­tes, al­len­falls ei­ne Ru­he vor dem Sturm. Schwei­gen im Wal­de herrsch­te ges­tern bei Dy­na­mo Dres­den, bis der Ver­ein um 18 Uhr die Bom­be plat­zen ließ: Cris­ti­an Fiel ist nicht mehr der Chef­trai­ner der Schwarz-gel­ben. Zwei Ta­ge lang hat­ten Ge­schäfts­füh­rung, Gre­mi­en und Fiel selbst nach dem schwa­chen Auf­tritt bei der 1:2-Heim­nie­der­la­ge ge­gen Hol­stein Kiel und dem da­mit ver­bun­de­nen Ab­sturz des Fuß­ball­zweit­li­gis­ten ans Ta­bel­len­en­de in­ten­si­ve Ge­sprä­che ge­führt. Man rang um ei­ne Ent­schei­dung, die sich si­cher kei­ner zu leicht ge­macht hat.

Letzt­lich muss­ten sich die Ver­ant­wort­li­chen da­bei das Schei­tern ei­nes Ex­pe­ri­ments ein­ge­ste­hen. Sie zo­gen die Kon­se­quen­zen aus ei­ner wo­chen­lan­gen Mi­se­re mit zu­letzt sie­ben Nie­der­la­gen aus acht Punkt­spie­len. Auch Co-trai­ner Patrick Mölzl wur­de von sei­nen Auf­ga­ben ent­bun­den. Der 39-jäh­ri­ge Fiel hat­te sei­nen nur ei­ni­ge Mo­na­te jün­ge­ren As­sis­ten­ten vor ei­nem Jahr beim Lehr­gang zum Fuß­ball-leh­rer ken­nen­ge­lernt. Fiel, der seit 2015 von Sport-ge­schäfts­füh­rer Ralf Min­ge auf­ge­baut wor­den war und Dy­na­mos U17 in der Ju­nio­ren-bun­des­li­ga trai­niert hat­te, brach­te Mölzl schließ­lich mit zur SGD, als bei­de ih­re Li­zenz in der Ta­sche hat­ten – und nach der Ent­las­sung von Ma­ik Wal­pur­gis im Fe­bru­ar di­rekt ins kal­te Was­ser ge­wor­fen wur­den.

Nun sieht sich Min­ge Vor­wür­fen aus­ge­setzt, das hoffungs­vol­le Trai­ner­ta­lent Fiel – im­mer­hin ei­nes der we­ni­gen Ver­ein­sido­le der Nach­wen­de­zeit – ver­brannt zu ha­ben. In dem Hai­fisch­be­cken 2. Bun­des­li­ga schwamm das Trai­ner­no­vi­zen­duo zwar zu­nächst gut mit und schaff­te mit sei­nen Schütz­lin­gen den Klas­sen­er­halt; im ver­gan­ge­nen Som­mer lei­te­te es erst­mals ei­gen­ver­ant­wort­lich die Sai­son­vor­be­rei­tung ei­ner Pro­fi-mann­schaft. Doch die kam bis­lang ein­fach nicht rich­tig in Tritt. Ma­ge­re zwölf Punk­te ste­hen neun Nie­der­la­gen aus bis­lang 15 Punkt­spie­len ge­gen­über – für den Klas­sen­er­halt, der mitt­ler­wei­le als ein­zi­ges ver­blie­be­nes Sai­son­ziel an­ge­strebt wird, ist das viel zu we­nig. Ins­ge­samt gab es in 28 Par­ti­en wäh­rend der Ära Fiel nur 1,1 Zäh­ler pro Spiel.

Erst auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung vor reich­lich zwei Wo­chen hat­te Ralf Min­ge ein­ge­räumt, für die sport­li­che Tal­fahrt mit­ver­ant­wort­lich zu sein. Denn als im Som­mer das Trans­fer­fens­ter ge­öff­net war, ha­be er sich mit Neu­ver­pflich­tun­gen zu sehr zu­rück­ge­hal­ten. In der Win­ter­pau­se ste­hen Dy­na­mo dann min­des­tens 1,7 Mil­lio­nen Eu­ro für neue Spie­ler zur Ver­fü­gung. Für Cris­ti­an Fiel, der die Schwarz-gel­ben im Ja­nu­ar ei­gent­lich im Trai­nings­la­ger in sei­ner zwei­ten Hei­mat Spa­ni­en be­treu­en soll­te, kommt das zu spät.

Er muss­te mit ei­nem qua­li­ta­tiv und quan­ti­ta­tiv zu dünn be­setz­ten Ka­der ope­rie­ren, der sei­ne Idee vom Fuß­ball nicht um­set­zen konn­te. Dies äu­ßer­te sich zum Bei­spiel da­durch, dass im von ihm ge­for­der­ten ris­kan­ten Spiel­auf­bau im­mer wie­der fol­gen­schwe­re Feh­ler un­ter­lie­fen. Auch das Feh­len ei­nes vier­ten An­grei­fers mach­te sich be­merk­bar, als Fiel wäh­rend des mehr­wö­chi­gen ver­let­zungs­be­ding­ten Aus­falls von Alex­an­der Je­re­me­jeff auf Ein­mann-sturm um­stel­len muss­te, um mit dem jun­gen Lu­ka Stor we­nigs­tens ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu Mous­sa Ko­né

auf der Wech­sel­bank zu ha­ben. Und Chris Löwe und Re­né Klin­gen­burg als wich­ti­ge Neu­ver­pflich­tun­gen über­zeug­ten ins­ge­samt nicht.

Das ist Pu­bli­kums­lieb­ling Fiel kaum al­lein an­zu­krei­den. Um ei­nen Im­puls zu set­zen, muss­te der eins­ti­ge Dy­na­mo-ka­pi­tän je­doch sei­nen Hut neh­men. Zum Ab­schied wur­de er noch ein­mal emo­tio­nal: „Ich wün­sche der Mann­schaft, den Fans und dem ge­sam­ten Ver­ein von Her­zen, dass der Klas­sen­halt in die­ser Sai­son er­reicht wird. Ich bin als Spie­ler und Trai­ner fast zehn Jah­re in die­sem be­son­de­ren Ver­ein und hat­te ei­ne wun­der­vol­le Zeit, die mir viel be­deu­tet. Ich bin vie­len Men­schen un­heim­lich dank­bar, die mich in all der Zeit un­ter­stützt und mir viel Zu­nei­gung ent­ge­gen­ge­bracht ha­ben.“

In Kür­ze will der Ver­ein ei­nen In­te­rims­trai­ner prä­sen­tie­ren. Heu­te be­ginnt die Vor­be­rei­tung aufs Spiel ge­gen Sand­hau­sen am Sonn­tag. Par­al­lel da­zu läuft die Su­che nach Fiels Nach­fol­ger, auf den ei­ne Mam­mut­auf­ga­be war­tet. Denn im Un­ter­neh­men Klas­sen­er­halt muss Dy­na­mo ab jetzt mehr als je­des zwei­te Spiel ge­win­nen, sonst droht der Sturz in die 3. Li­ga. Das ist auch Min­ge be­wusst, der die Spie­ler nun rich­tig an die Kan­da­re nimmt: „Un­se­re Mann­schaft steht mehr denn je in der Ver­ant­wor­tung, die sport­li­che Trend­wen­de zu er­rei­chen. Wir ha­ben im Jahr 2019 noch drei End­spie­le, in de­nen wir al­les in­ves­tie­ren müs­sen, um Punk­te zu ho­len“, sag­te Min­ge. Wie sich der Sport-ge­schäfts­füh­rer aus der Af­fä­re zie­hen kann, muss sich aber noch zei­gen. Denn schließ­lich hat­te er Fiel pro­te­giert und sei­ne ei­ge­ne Zu­kunft an den Hoff­nungs­trä­ger ge­knüpft. Mög­li­cher­wei­se ist der Sturm al­so noch nicht vor­bei.

Ich wün­sche der Mann­schaft, den Fans und dem ge­sam­ten Ver­ein von Her­zen, dass der Klas­sen­halt in die­ser Sai­son er­reicht wird.

Cris­ti­an Fiel Ex-dy­na­mo-trai­ner

FO­TO: DEN­NIS HETZSCHOLD

Cris­ti­an Fiel ist ge­schei­tert.

FO­TO: MAT­THI­AS RIETSCHEL

Un­ter Cris­ti­an Fiel ver­lor Dy­na­mo sie­ben der acht letz­ten Punkt­spie­le. Das Re­sul­tat: Ab­sturz ans Ta­bel­len­en­de der 2. Li­ga.

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