Wer fi­nan­ziert das Imp­fen in är­me­ren Staa­ten der Welt?

Dresdner Neueste Nachrichten - - BLICKPUNKT -

Ret­tung nur für Wohl­ha­ben­de? Für Ent­wick­lungs­län­der bleibt die Impf­si­tua­ti­on pre­kär. Selbst we­ni­ge Eu­ro für ei­ne Do­sis über­for­dern de­ren Ge­sund­heits­sys­te­me: Na­he­zu der Hälf­te der Welt­be­völ­ke­rung ste­hen we­ni­ger als 50 Eu­ro pro Kopf im Jahr für Ge­sund­heit zur Ver­fü­gung. Das kann den Län­dern der west­li­chen Welt nicht egal sein. „Be­sie­gen wir das Vi­rus nicht welt­weit, kommt es zu­rück wie ein Bu­me­rang“, sagt Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler.

Die WHO hat des­halb schon früh ver­sucht, For­schung, Pro­duk­ti­on und Fi­nan­zie­rung in­ter­na­tio­nal zu bün­deln, um welt­weit ei­ne fai­re Ver­tei­lung zu be­zahl­ba­ren Prei­sen zu or­ga­ni­sie­ren. Die Platt­form Co­vax, ge­tra­gen von Spen­den wohl­ha­ben­der Staa­ten so­wie von der in­ter­na­tio­na­len Imp­fal­li­anz Ga­vi und dem For­schungs­ver­bund CEPI, wird je­doch we­gen der zahl­rei­chen Ein­zel­de­als der In­dus­trie­staa­ten mit Phar­ma­fir­men wohl nicht die er­hoff­te Wirk­macht ent­fal­ten.

Die Idee, die zu­nächst knap­pen Impf­stof­fe welt­weit nach sinn­vol­len Kri­te­ri­en zu ver­tei­len, al­so zum Bei­spiel über­all zu­erst das Ge­sund­heits­per­so­nal und Ri­si­ko­grup­pen zu im­mu­ni­sie­ren, dürf­te da­mit nur noch ein­ge­schränkt funk­tio­nie­ren. Ca­ro­li­ne Schmut­te, Lei­te­rin des Deutsch­land­bü­ros der Stif­tung Well­co­me Trust, die die Impf­stof­fer­for­schung för­dert, sieht die na­tio­na­len Ego­is­men denn auch als größ­tes Pro­blem. Die Kos­ten­fra­ge aber hält sie für be­herrsch­bar. Nach dem Vor­bild der Imp­fal­li­anz Ga­vi könn­ten Impf­stof­fe mit Ent­wick­lungs­gel­dern ge­kauft und ver­teilt wer­den.

Ge­sund­heits­öko­nom Gerd Gla­es­ke geht noch ei­nen Schritt wei­ter: Es sei in Ord­nung, wenn die Phar­ma­fir­men in den wohl­ha­ben­den Staa­ten hö­he­re Prei­se für Co­ro­na-impf­stof­fe ver­lang­ten: „Aber dann soll­ten die Un­ter­neh­men sie im Ge­gen­zug kom­plett kostenfrei an die är­me­ren Staa­ten ab­ge­ben.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.