Co­ro­na reißt Lö­cher in die Kas­se

Die Dresd­ner Ver­kehrs­be­trie­be brau­chen in die­sem Jahr ei­nen Zu­schuss von 63,5 Mil­lio­nen Eu­ro. Das sind 16 Mil­lio­nen Eu­ro mehr als ge­plant.

Dresdner Neueste Nachrichten - - DRESDEN - Von Tho­mas Bau­mann-hart­wig

Ober­bür­ger­meis­ter Dirk Hil­bert (FDP) wur­de deut­lich: „Wir er­zäh­len hier viel von Ver­kehrs­wen­de und Öf­fent­li­chem Per­so­nen­nah­ver­kehr. Und dann wer­den wir mit die­sen De­fi­zi­ten al­lein ge­las­sen“, er­klär­te Hil­bert am Don­ners­tag auf der Ver­bands­ver­samm­lung des Ver­kehrs­ver­bun­des Ober­el­be (VVO) in Wein­böh­la. Grund für den Zorn: Der Frei­staat Sach­sen ist ei­nes von zwei Bun­des­län­dern, die die co­ro­nabe­ding­ten Ver­lus­te des ÖPNV nicht voll­stän­dig über­neh­men.

Ein­stim­mig ver­ab­schie­de­te die Ver­bands­ver­samm­lung ei­nen Än­de­rungs­an­trag der Dresd­ner Ver­tre­ter, mit dem Vvo-ge­schäfts­füh­rer Burk­hard Eh­len ei­nen kla­ren Ver­hand­lungs­auf­trag er­hält: Er soll in Ge­sprä­chen mit dem Spd-ge­führ­ten Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um da­für sor­gen, dass der Frei­staat die Geld­bör­se öff­net.

Denn, so Micha­el Ha­rig (CDU), Land­rat des Land­krei­ses Baut­zen und Vor­sit­zen­der des Zweck­ver­ban­des, die De­fi­zi­te der Ver­kehrs­un­ter­neh­men schla­gen auf die Haus­hal­te der Kom­mu­nen durch. Was für Dres­den heißt: Die Dresd­ner Ver­kehrs­be­trie­be (DVB) be­nö­ti­gen 2020 ei­nen städ­ti­schen Zu­schuss von 63,5 Mil­lio­nen Eu­ro, wie Fi­nanz­vor­stand Andre­as Hem­mers­bach ge­gen­über den DNN er­klär­te. Ge­plant wa­ren 47,5 Mil­lio­nen.

Der Zu­schuss­be­darf des ÖPNV wird in Dres­den mit den Ge­win­nen des städ­ti­schen Kon­zerns Tech­ni­sche Wer­ke Dres­den (TWD) aus­ge­gli­chen. Haupt­säch­lich die Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men Stadt­wer­ke Dres­den Gm­bh und Ener­gie Sach­sen Ost AG sub­ven­tio­nie­ren mit ih­ren Er­geb­nis­sen die DVB, doch auch die­se bei­den Geld­ge­ber rech­nen we­gen der Co­ro­nak­ri­se mit Ein­bu­ßen.

Die DVB ste­hen laut Hem­mers­bach zwar bei den Abon­ne­ment­kar­ten re­la­tiv sta­bil da und hät­ten kaum Kün­di­gun­gen zu ver­zeich­nen. Da­für sei das so­ge­nann­te Bar­ge­schäft ein­ge­bro­chen. Der Ver­kauf von Ein­zel­kar­ten, Vie­rer­kar­ten oder Ta­ges­kar­ten lie­ge bei zwei Drit­teln des Vor­jah­res­ni­veaus. Ein­bu­ßen ge­be es auch bei den Kom­bi­ti­ckets, da Groß­ver­an­stal­tun­gen wie Mes­sen, Kon­zer­te oder Kon­gres­se we­gen der Co­ro­nare­geln nicht statt­fin­den kön­nen.

Aber auch bei den Abon­ne­ments ist nicht ei­tel Son­nen­schein – die DVB hat­ten mit hö­he­ren Zu­wachs­ra­ten ge­plant. „Das hät­ten wir oh­ne Co­ro­na durch­aus auch er­reicht“, so der Fi­nanz­vor­stand. Po­ten­zi­el­le Nut­zer hät­ten sich aber nach Aus­bruch der Pan­de­mie lie­ber doch nicht lang­fris­tig an das Öpnv-un­ter­neh­men ge­bun­den.

Das Geld fehlt in der Kas­se und wird letzt­lich auch der Stadt­kas­se feh­len. Zu­mal die Aus­sich­ten für Herbst und Win­ter so­wie das Jahr 2021 auch nicht ge­ra­de ro­sig sind. Die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen steigt in Dres­den be­droh­lich an, noch kann nie­mand se­ri­ös pro­gnos­ti­zie­ren, wie sich das auf die Fahr­gast­zah­len von Stra­ßen­bah­nen und Bus­sen aus­wirkt.

Der Frei­staat er­setzt aber nur 70 Pro­zent der co­ro­nabe­ding­ten Ein­nah­me­aus­fäl­le im ÖPNV, was Hil­bert und die Vvo-ver­bands­ver­tre­ter we­nig er­freut. Zu­mal es durch­aus noch an­de­re fi­nan­zi­el­le Ri­si­ken für die DVB gibt, die auf die Kap­pe des Frei­staats ge­hen. 4850 Dresd­ner Schü­ler nut­zen im Mo­nat das Schü­ler­frei­zeit­ti­cket, das 10 Eu­ro kos­tet. Der güns­ti­ge Preis ist mög­lich, da Wirt­schafts­mi­nis­ter Mar­tin Du­lig (SPD) 15 Eu­ro pro Ti­cket aus sei­nem Etat fi­nan­ziert. Doch die Fi­nan­zie­rung ist nur bis Jah­res­en­de ge­si­chert.

„Es sind fast 5000 Schü­ler in Dres­den be­trof­fen. Wir brau­chen schnell Klar­heit“, for­dert Hem­mers­bach.

Ak­tu­ell lau­fen Ta­rif­ver­hand­lun­gen und da­mit wer­den wei­te­re Kos­ten­stei­ge­run­gen auf die DVB und letzt­lich die Lan­des­haupt­stadt Dres­den zu­kom­men.

Im­mer­hin gibt es auch po­si­ti­ve Nach­rich­ten: Die Zahl der Nut­zer von Job­ti­ckets ist im Ver­gleich zum Vor­jahr um 5,3 Pro­zent ge­stie­gen. Nutz­ten im Au­gust 2019 24093 Ar­beit­neh­mer das An­ge­bot, so wa­ren es in die­sem Jahr be­reits 25 389. Laut Vvo-ge­schäfts­füh­rer Burk­hard Eh­len sind Un­ter­neh­men wie Glo­bal­foundries, He­lia­tek und Lo­voo neu hin­zu­ge­kom­men, aber auch In­sti­tu­tio­nen wie die Dia­ko­nie Dres­den oder die Jo­han­ni­ter Un­fall­hil­fe. Auch der Ein­zel­han­dels­kon­zern Rewe ge­hört neu­er­dings zu den Part­nern für das Job­ti­cket. 2016 hat­te das Ta­rif­an­ge­bot noch 18972 Nut­zer. 2018 wa­ren es 22 266 Ar­beit­neh­mer, die das Job­ti­cket nut­zen konn­ten.

FO­TO: AR­CHIV/AN­JA SCHNEI­DER

Lee­re Stra­ßen­bah­nen – lee­re Kas­sen. Der Frei­staat will die De­fi­zi­te aber nur zu 70 Pro­zent aus­glei­chen.

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