Die Weltwirtsc­haft be­rap­pelt sich ein we­nig

Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds hebt sei­ne Kon­junk­tur­pro­gno­se für 2020 an. Dank bei­spiel­lo­ser Kon­junk­tur­hil­fen sei das Schlimms­te ver­hin­dert wor­den.

Dresdner Neueste Nachrichten - - WIRTSCHAFT - Von Frank-tho­mas Wenzel

Frank­furt. Gi­ta Go­pi­nath kehrt her­vor, was in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten gut ge­lau­fen ist. Co­vid-tests sei­en aus­ge­wei­tet, Be­hand­lungs­me­tho­den ver­bes­sert und die Ent­wick­lung von Impf­stof­fen mit ho­her Ge­schwin­dig­keit vor­an­ge­bracht wor­den. Da­zu in­ter­na­tio­na­le So­li­da­ri­tät mit me­di­zi­ni­scher Aus­rüs­tung und mit fi­nan­zi­el­len Hil­fen. Es ge­be Grün­de, hoff­nungs­voll zu sein, so die Chef­volks­wir­tin des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF). Die Or­ga­ni­sa­ti­on hat fol­ge­rich­tig ih­re Pro­gno­sen für die öko­no­mi­sche Ent­wick­lung in die­sem Jahr teils deut­lich nach oben kor­ri­giert.

Der IWF rech­net noch mit ei­nem Schrump­fen der welt­wei­ten Wirt­schafts­leis­tung um 4,4 Pro­zent. Im Ju­ni gin­gen Go­pi­nath und ih­re Kol­leg/ in­nen noch von mi­nus 5,2 Pro­zent aus. 2021 soll die Weltwirtsc­haft dann wie­der um 5,2 Pro­zent wach­sen. Auch die Pro­gno­se für Deutsch­land fällt nun deut­lich güns­ti­ger aus – ein Rück­gang von „nur“noch sechs Pro­zent (nach mi­nus 7,8) und ein Wachs­tum von 4,2 Pro­zent im nächs­ten Jahr wird hoch­ge­rech­net. Auch hie­si­ge Fi­nanz­markt­ex­per­ten be­wer­ten die ak­tu­el­le La­ge deut­lich bes­ser als noch im Sep­tem­ber. Das geht aus der jüngs­ten Um­fra­ge des Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tuts ZEW her­vor.

In al­len gro­ßen Volks­wirt­schaf­ten sei der Ein­bruch in den Som­mer­mo­na­ten we­ni­ger stark aus­ge­fal­len als zu­nächst be­fürch­tet, schreibt Go­pi­nath im ak­tu­el­len World Eco­no­mic Out­look, den der IWF am Di­ens­tag vor­leg­te. Und es ge­be zahl­rei­che Si­gna­le für ei­ne schnel­le Er­ho­lung. Mit bei­spiel­lo­sen Hilfs­pro­gram­men der Re­gie­run­gen sei­en die Ein­kom­men der pri­va­ten Haus­hal­te und der Geld­fluss der Un­ter­neh­men sta­bi­li­siert wor­den. Da­mit wur­de nach Go­pi­na­ths Wor­ten ei­ne Wie­der­ho­lung der Ka­ta­stro­phe der Jah­re 2008/2009 bis­lang ver­hin­dert – da­mals stand der glo­ba­le Fi­nanz­markt kurz vor ei­nem Zu­sam­men­bruch.

Als ei­ne der über­ra­schend po­si­ti­ven Ent­wick­lun­gen se­hen die Iwf­ex­per­ten die „Rück­kehr Chi­nas zum Wachs­tum“. Sie trau­en der Volks­re­pu­blik nun ein Plus des Brut­to­in­land­pro­dukts für die­ses Jahr von in­zwi­schen so­gar 1,9 Pro­zent zu. Die­se Ein­schät­zung wird durch ak­tu­el­le Au­ßen­han­dels­zah­len be­stä­tigt. Im Sep­tem­ber wuchs das Vo­lu­men der chi­ne­si­schen Ex­por­te um fast zehn Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr. Die

Im­por­te gin­gen so­gar um mehr als 13 Pro­zent nach oben – zahl­rei­che Ex­per­ten hat­ten mit er­heb­lich we­ni­ger kal­ku­liert. Sie in­ter­pre­tie­ren die Zah­len als Hin­weis dar­auf, dass das schnel­le Hoch­fah­ren der In­dus­trie nach ei­nem Lock­down sich jetzt aus­zah­le.

Zhou Hao von der Com­merz­bank be­ton­te, die Stei­ge­rung der Im­por­te le­ge na­he, dass die Bin­nen­nach­fra­ge in Chi­na auf ei­nem star­ken Fun­da­ment ste­he. Al­ler­dings mach­te der Ana­lyst Tom­my Xie aus Sin­ga­pur ge­gen­über der Fi­nanz­nach­rich­ten­agen­tur Bloom­berg auch dar­auf auf­merk­sam, dass der ho­he Im­port-zu­wachs mit Hams­ter­käu­fen chi­ne­si­scher Tech­fir­men zu­sam­men­hän­gen könn­te, die elek­tro­ni­sche Kom­po­nen­ten aus den USA hor­ten, weil sie schär­fe­re Han­dels­sank­tio­nen durch die Us-re­gie­rung be­fürch­ten. An­de­rer­seits deu­te dies zu­gleich auf ei­ne star­ke welt­wei­te Nach­fra­ge nach elek­tro­ni­schen Ge­rä­ten hin. Smart­pho­nes dürf­ten im Weih­nachts­ge­schäft wie­der zu den wich­tigs­ten Ar­ti­keln zäh­len.

Die­se sind aber nur un­ters Volk zu brin­gen, wenn die Kauf­kraft aus­reicht. Da­zu braucht es viel­fach staat­li­che Un­ter­stüt­zung. Er­freu­lich da­bei ist, dass vie­le Staa­ten dies auf­grund der lo­cke­ren Geld­po­li­tik der No­ten­ban­ken mit ex­trem güns­ti­gen Staats­an­lei­hen fi­nan­zie­ren kön­nen. Am Di­ens­tag wur­de so­gar erst­mals ein ita­lie­ni­sches Pa­pier (Lauf­zeit: drei Jah­re) mit Null-pro­zent an An­le­ger aus­ge­ge­ben. Hie­si­ge An­lei­hen des Bun­des no­tie­ren seit ge­rau­mer Zeit so­gar mit Ne­ga­tiv­zin­sen – In­ves­to­ren zah­len ei­ne Ge­bühr da­für, dass sie dem Staat Geld lei­hen.

Zu den schrump­fen­den Bran­chen zählt in den Au­gen der Iwf-ex­per­ten un­ter an­de­rem der Tou­ris­mus. Im Ecom­mer­ce se­hen sie hin­ge­gen gro­ße Wachs­tums­chan­cen. Um nach­hal­tig ei­ne öko­no­mi­sche Sta­bi­li­sie­rung zu er­rei­chen sei es au­ßer­dem wich­tig, Steu­er­sys­te­me pro­gres­si­ver an­zu­le­gen – Rei­che sol­len mehr zah­len und auch Un­ter­neh­men müss­ten ei­nen fai­ren An­teil am Steu­er­auf­kom­men bei­tra­gen.

Für den IWF liegt der ent­schei­den­de Fak­tor für ei­ne Ge­sun­dung der Weltwirtsc­haft in­des in ei­ner ge­mein­sa­men Über­win­dung der Co­vid-kri­se. Von me­di­zi­ni­schen Fort­schrit­ten müss­ten al­le Län­der glei­cher­ma­ßen pro­fi­tie­ren. Wenn Impf­stof­fe be­reit­stün­den, brau­che es ei­ne „star­ke mul­ti­la­te­ra­le Kom­po­nen­te“, um sie auch är­me­ren Län­dern zu be­zahl­ba­ren Prei­sen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Go­pi­nath be­tont: „Der Auf­stieg wird lang, holp­rig und un­si­cher.“

FO­TO: JO­SEP ROVIROSA/IM­A­GO IMAGES

Dem Be­reich E-com­mer­ce sa­gen die Iwf-ex­per­ten gro­ße Wachs­tums­chan­cen vor­aus.

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