Eu-gip­fel im Zei­chen des Br­ex­it-dra­mas

London, die Tür­kei und die Co­ro­na-hil­fen ste­hen auf der Agen­da des Tref­fens in Brüssel

Dresdner Neueste Nachrichten - - POLITIK - Von Damir Fras

Brüssel. Es dürf­te die letz­te Ge­le­gen­heit sein, ei­nen un­ge­re­gel­ten Br­ex­it ab­zu­wen­den. Wenn sich die Staats­und Re­gie­rungs­chefs der EU am Don­ners­tag und Frei­tag in Brüssel zum Gip­fel tref­fen, wird es vor al­lem um das künf­ti­ge Ver­hält­nis zwi­schen der EU und Groß­bri­tan­ni­en ge­hen. Die Zeit drängt, doch die Ver­hand­lun­gen über ein Han­dels­ab­kom­men ste­cken in der Sack­gas­se. Gibt es dar­aus noch ei­nen Aus­weg? Ein Über­blick über das Br­ex­it-dra­ma und an­de­re Strei­tig­kei­ten:

▶ Wie wei­ter beim Br­ex­it?

Der Eu-chef­un­ter­händ­ler für den Br­ex­it, Mi­chel Bar­nier, wird die Staats- und Re­gie­rungs­chefs über den Stand der Ver­hand­lun­gen mit

Groß­bri­tan­ni­en in­for­mie­ren. Viel Er­freu­li­ches wird der Fran­zo­se nicht zu sa­gen ha­ben. „Wir se­hen kei­ne Be­we­gung auf der an­de­ren Sei­te des Är­mel­ka­nals“, sag­te ein Eu-di­plo­mat.

Trotz mo­na­te­lan­ger Ver­hand­lun­gen gibt es nach wie vor drei zen­tra­le Streit­the­men. Es geht um den künf­ti­gen Zu­gang von Eu-fi­schern zu bri­ti­schen Ge­wäs­sern, um die For­de­rung der EU nach glei­chen So­zi­al-, Wett­be­werbs- und Um­welt­stan­dards und um ei­nen Streit­schlich­tungs­me­cha­nis­mus, mit dem Ver­stö­ße ge­gen ein po­ten­zi­el­les Ab­kom­men ge­ahn­det wer­den.

Ge­lingt es in den nächs­ten Wo­chen nicht, ein Ab­kom­men zu schlie­ßen, wer­den vom 1. Ja­nu­ar 2021 an Zöl­le und an­de­re Han­dels­hemm­nis­se ein­ge­führt. Das wer­de, so die Sor­ge der EU, die von der Co­ro­na-pan­de­mie oh­ne­hin be­reits ge­schwäch­te Wirt­schaft auf bei­den Sei­ten des Är­mel­ka­nals noch mehr be­las­ten. Der bri­ti­sche Pre­mier Bo­ris John­son da­ge­gen sag­te, sein Land müs­se sich nicht fürch­ten, falls kein Han­dels­pakt zu­stan­de kom­me. Mit Span­nung wur­de er­war­tet, ob es der Eu-spit­ze ge­lingt, John­son in letz­ter Mi­nu­te zum Ein­len­ken zu be­we­gen. Eu-kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ur­su­la von der Ley­en und Eu-rats­prä­si­dent Charles Mi­chel wa­ren für Mitt­woch­abend zu ei­nem Te­le­fo­nat mit John­son ver­ab­re­det.

▶ Ver­hand­lun­gen um Haus­halt und Co­ro­na-hil­fen sto­cken

Die Eu-staats- und Re­gie­rungs­chefs ha­ben sich zwar schon im Ju­li auf ei­ne Re­kord­sum­me von ins­ge­samt mehr als 1,8 Bil­lio­nen Eu­ro für den Kampf ge­gen die Co­ro­na-kri­se ver­stän­digt. Doch ei­nen De­al mit dem Eu­ro­pa­par­la­ment gibt es im­mer noch nicht. Im Ge­gen­teil: Die Ver­hand­lun­gen sto­cken. Die Süd­län­der Ita­li­en und Spa­ni­en, die be­son­ders hart von Co­ro­na ge­trof­fen wur­den, drän­gen auf ei­ne schnel­le Ei­ni­gung, da­mit die Hilfs­gel­der bald flie­ßen. Das Eu­ro­pa­par­la­ment ver­langt aber es­sen­zi­el­le Nach­bes­se­run­gen.

Der Streit ums Geld steht eben­falls nicht auf der of­fi­zi­el­len Ta­ges­ord­nung des Eu-gip­fels am Don­ners­tag und Frei­tag. Doch Par­la­men­ta­ri­er

wie der Grü­nen-ab­ge­ord­ne­te Ras­mus And­re­sen ver­lan­gen, dass sich Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel per­sön­lich ein­schal­tet.

▶ Kommt der Rechts staats mecha­nis­mus?

In der Run­de der Staats- und Re­gie­rungs­chefs weh­ren sich Un­garn und Po­len ve­he­ment ge­gen­den so ge­nann­ten Rechts staats mecha­nis­mus. Da­mit will die EU künf­tig Rechts staats sün­der

mit Gel­d­ent­zug be­stra­fen. Der bis­he­ri­ge Plan geht dem Par­la­ment nicht weit ge­nug. Po­len und Un­garn da­ge­gen ist schon der ab­ge­schwäch­te Mecha­nis­mus zu scharf.

▶ Neu­er Streit mit der Tür­kei

Die tür­ki­schen Er­kun­dungs­fahr­ten nach Gas­vor­kom­men im öst­li­chen Mit­tel­mehr ste­hen beim Eu-gip­fel of­fi­zi­ell gar nicht auf der Ta­ges­ord­nung.

Sie soll­ten ei­gent­lich erst beim De­zem­ber-tref­fen wie­der be­han­delt wer­den. Doch dem grie­chi­schen Re­gie­rungs­chef scheint das zu spät zu sein. Ky­ria­kos Mitso­ta­kis will, dass die EU be­reits jetzt Sank­tio­nen ge­gen die Tür­kei ver­hängt. An­ka­ra ha­be schließ­lich schon wie­der das For­schungs­schiff „Oruc Reis“in das See­ge­biet süd­lich der grie­chi­schen In­seln Ka­s­tel­ori­zo und Rho­dos ent­sandt.

FOTO: AR­TUR WIDAK/DPA

Für die Fi­scher in der Nor­man­die ist der Zu­gang zu bri­ti­schen Ge­wäs­sern exis­ten­zi­ell.

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