Dresdner Neueste Nachrichten

Dre­wag und En­so wer­den am 1. Ja­nu­ar zum Ener­gie­rie­sen

Die Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men Dre­wag und En­so fu­sio­nie­ren zur Sach­se­n­ener­gie. Es ent­steht der größ­te Re­gio­nal­ver­sor­ger Ost­deutsch­lands.

- Von Tho­mas Bau­mann-hart­wig Business · Dresden · Marche · Saxony · Dresden · DREWAG · Kingdom of Saxony · Dresdner Verkehrsbetriebe

Dres­den. Die Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men Dre­wag und En­so fu­sio­nie­ren zum 1. Ja­nu­ar 2021 zum größ­ten Re­gio­nal­ver­sor­ger Ost­deutsch­lands. Der Kon­zern wird „Sach­sen Ener­gie“hei­ßen und maß­geb­lich hel­fen, die Ener­gie­wen­de zu be­zah­len und Steu­ern zu spa­ren.

Ober­bür­ger­meis­ter Dirk Hil­bert (FDP) sprach am Frei­tag von der „wich­tigs­ten Pres­se­kon­fe­renz“des Jah­res: Die re­gio­na­len Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men Stadt­wer­ke Dres­den Gm­bh (Dre­wag) und Ener­gie Sach­sen Ost AG (En­so) fu­sio­nie­ren zu ei­nem Kon­zern. Hil­bert, Dre­wag-ge­schäfts­füh­rer Frank Brink­mann und der Seb­nit­zer Ober­bür­ger­meis­ter Mi­ke Ruckh (CDU), Vor­sit­zen­der der kom­mu­na­len En­soan­teils­eig­ner (KBO), er­klär­ten die De­tails der Fu­si­on.

▶ War­um kommt der Zu­sam­men­schluss?

Drei Grün­de: Ers­tens über­le­ben in der Ener­gie­wirt­schaft nur gro­ße Ver­bün­de. Zwei­tens schmä­lern re­gu­la­to­ri­sche Ein­grif­fe der Bun­des­po­li­tik auf dem Ener­gie­sek­tor die Er­geb­nis­se der Un­ter­neh­men. Ge­winn­ver­lus­te von fast 40 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr sind ab 2023/2024 zu be­fürch­ten. Drit­tens ist die Ener­gie­wen­de ei­ne Her­aus­for­de­rung, die nur ein gro­ßer Ver­bund be­wäl­ti­gen kann.

▶ Wel­che Kenn­grö­ßen ha­ben die bei­den Un­ter­neh­men?

Die Dre­wag macht 1,3 Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz und hat im ver­gan­ge­nen Jahr 45,6 Mil­lio­nen Eu­ro Di­vi­den­de an ih­re An­teils­eig­ner aus­ge­schüt­tet. 1600 Mit­ar­bei­ter ar­bei­ten für das Un­ter­neh­men, das 13,7 Mil­lio­nen Eu­ro Ge­wer­be­steu­er zahlt. Die En­so ver­zeich­net 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz und hat 30 Mil­lio­nen Eu­ro Di­vi­den­de 2019 aus­ge­schüt­tet. 1600 Mit­ar­bei­ter ar­bei­ten bei der En­so, die 10,5 Mil­lio­nen Eu­ro Ge­wer­be­steu­er zahlt.

▶ Wie soll der neue Kon­zern hei­ßen?

Sach­se­n­ener­gie AG. Das ver­deut­licht den An­spruch des Un­ter­neh­mens, das mit rund 3300 Mit­ar­bei­tern und über 2,6 Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz der viert­größ­te Re­gio­nal­ver­sor­ger Deutsch­lands und der größ­te Ost­deutsch­lands wird.

▶ Was wird jetzt aus Dre­wag und En­so?

„Die Mar­ken blei­ben be­ste­hen“, sagt Brink­mann. Die Dresd­ner wer­den al­so wei­ter ih­ren Strom von der Dre­wag be­zie­hen und die Be­woh­ner der Re­gi­on von der En­so.

▶ Was bringt die Fu­si­on für die Dresd­ner?

Der Ge­winn der En­so wird nicht mehr voll be­steu­ert, weil der städ­ti­sche Kon­zern Tech­ni­sche Wer­ke Dres­den (TWD) als Dach der Sach­sen Ener­gie die En­so-mil­lio­nen mit sei­nen Ver­lus­ten ge­gen­rech­nen kann. Die TWD glei­chen die Ver­lus­te des Öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehrs in Dres­den aus und fi­nan­zie­ren die Städ­ti­sche Bäder Gm­bh. Die Dresd­ner Ver­kehrs­be­trie­be er­war­ten in die­sem Jahr ei­nen Zu­schuss­be­darf

von 63,5 Mil­lio­nen Eu­ro, das sind 16 Mil­lio­nen Eu­ro mehr als er­war­tet. Die­se Sum­me und künf­ti­ge ho­he Zu­schüs­se kann nur der Kon­zern stem­men.

▶ Wie hoch fällt der Steu­er­vor­teil aus?

Brink­mann rech­net mit wirt­schaft­li­chen Vor­tei­len von 29 Mil­lio­nen Eu­ro, die ih­rer­seits aber noch ver­steu­ert wer­den müs­sen.

▶ Fi­nan­ziert jetzt das Um­land Dres­den mit?

Nein. Die Kom­mu­nen im Um­land er­hal­ten ih­ren An­teil am Ge­winn. Die­ser ist genau fest­ge­schrie­ben.

▶ Wie sind die An­tei­le der Sach­sen Ener­gie ver­teilt?

Dres­den hält 83,2 Pro­zent, die kom­mu­na­len En­so-ei­gen­tü­mer er­hal­ten 15 Pro­zent plus 1,3 Pro­zent ge­lie­he­ne An­tei­le und 16 kom­mu­na­le Ein­zel­ak­tio­nä­re 1,4 Pro­zent. Die kom­mu­na­len En­so-ei­gen­tü­mer hiel­ten 25,5 Pro­zent der En­so-an­tei­le. Da­mit sie auf 15 Pro­zent beim neu­en Kon­zern kom­men, müs­sen sie bei der Lan­des­haupt­stadt Dres­den für rund 39 Mil­lio­nen Eu­ro An­tei­le zu­kau­fen, er­klär­te Ruckh.

▶ Ge­hen Ar­beits­plät­ze durch die Fu­si­on ver­lo­ren?

Nein, sagt Hil­bert. Ziel sei es ge­we­sen, die Wert­schöp­fung in der Re­gi­on zu be­las­sen und die Ar­beits­plät­ze zu er­hal­ten.

▶ Wann soll die Fu­si­on voll­zo­gen wer­den?

Zum 1. Ja­nu­ar 2021. En­so und Dre­wag ha­ben schon seit gut zwei Jah­ren die Vor­aus­set­zun­gen für den Zu­sam­men­schluss ge­schaf­fen.

▶ Was muss die Kom­mu­nal­po­li­tik ent­schei­den?

In Dres­den muss der Stadt­rat der Fu­si­on zu­stim­men. Da­zu ist am 10. No­vem­ber ei­ne Son­der­sit­zung ge­plant. Die Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung der KBO trifft sich am 24. No­vem­ber. Ein Selbst­läu­fer wird der Fu­si­ons­be­schluss nicht. In der Ver­gan­gen­heit war die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Dres­den und den Kom­mu­nen in Ost­sach­sen mit­un­ter et­was schwie­rig. „Da gibt es Ver­let­zun­gen“, weiß Hil­bert.

▶ Wie be­wer­tet die Po­li­tik die Fu­si­on?

Lin­ke-frak­ti­ons­vor­sit­zen­der An­dré Scholl­bach war voll des Lo­bes: „Ei­ne der wich­tigs­ten Ent­schei­dun­gen in der Ge­schich­te des Stadt­ra­tes der Lan­des­haupt­stadt Dres­den steht be­vor. Mit der Fu­si­on der bei­den Ver­sor­ger En­so und Dre­wag zur Sach­se­n­ener­gie AG wird in öf­fent­li­cher Hand ein be­deu­ten­des Un­ter­neh­men mit er­heb­li­cher Wirt­schafts­kraft ent­ste­hen. Dies ist der Hö­he­punkt des von uns seit meh­re­ren Jah­ren vor­an­ge­trie­be­nen Kur­ses der Re­kom­mu­na­li­sie­rung und der Stär­kung des öf­fent­li­chen Sek­tors.“

Ei­ne der wich­tigs­ten Ent­schei­dun­gen in der Ge­schich­te des Stadt­ra­tes der Lan­des­haupt­stadt Dres­den steht be­vor.

An­dré Scholl­bach Lin­ke-frak­ti­ons­vor­sit­zen­der

Newspapers in German

Newspapers from Germany