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Wie geht Rei­sen in Co­ro­na-zei­ten? Die wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten

Rei­se­re­ge­lun­gen und Stor­nie­run­gen: Ur­lau­ber müs­sen in den Herbst­fe­ri­en viel be­ach­ten.

- Von Va­nes­sa Gregor Travel · Coronavirus (COVID-19) · Lifestyle · Dresden · Pirna · Auch · Robert Koch Institute · United States of America · Norway · Greece · Latvia · European Union · Europe · Poland · Czech Republic · Germany · 1. FC Union Berlin · Union · Saxony · Thuringia · Harz · Schleswig · Berlin · Munich · Stuttgart · Frankfurt · Frankfurt · Vechta · Cloppenburg · Free State · Baden-Baden · Bremen · Lower Saxony · North Rhine-Westphalia · Saarland · FC Bayern Munich · Bavaria · Federation of German Consumer Organisations · Federation of German Consumer Organisations

Dres­den. Fa­mi­lie Rich­ter aus Pir­na ist ver­un­si­chert. Vor ei­nem Jahr hat sie ei­nen Ur­laub ge­bucht. In den Herbst­fe­ri­en 2020 woll­ten sie ins Erz­ge­bir­ge fah­ren. Dass in die­sem Jahr al­les an­ders sein wird, war bei der Bu­chung noch nicht ab­zu­se­hen. Das war vor Co­ro­na.

Jetzt wur­de der Erz­ge­birgs­kreis zum Co­ro­na-ri­si­ko­ge­biet er­klärt – und bei den Rich­ters stellt sich die Fra­ge: Kön­nen wir trotz­dem in den Ur­laub fah­ren? Und wenn nicht, be­kom­men wir un­ser Geld zu­rück?

Ein An­ruf beim Ho­tel sorg­te nicht für Klar­heit, im Ge­gen­teil: Die Mit­ar­bei­ter konn­ten kei­ne kla­re Aus­sa­ge tref­fen, wie mit ge­wünsch­ten Um­bu­chun­gen und Stor­nie­run­gen um­ge­gan­gen wird. Auch die Co­ro­na-hot­li­ne des Lan­des ist über­las­tet, die Schutz­ver­ord­nun­gen sind un­durch­sich­tig. Wor­auf müs­sen Rei­sen­de sich nun al­so ein­stel­len und wel­che Rech­te ha­ben sie? Die DNN ge­ben Ant­wor­ten.

Wel­che Län­der gel­ten als Ri­si­ko­ge­bie­te?

Der­zeit (Stand 16. Ok­to­ber) sind fast al­le eu­ro­päi­schen und die meis­ten Län­der welt­weit vom RKI und dem Aus­wär­ti­gen Amt als Ri­si­ko­ge­bie­te ge­kenn­zeich­net. Drei eu­ro­päi­sche Staa­ten sind da­von noch aus­ge­nom­men: Nor­we­gen, Grie­chen­land und Lett­land. Das kann sich je­doch je­der­zeit än­dern. Al­le wei­te­ren Län­der in Eu­ro­pa ha­ben be­reits meh­re­re Ri­si­ko­re­gio­nen. Ei­ne Ein­rei­se in Po­len und Tsche­chi­en et­wa ist mit Au­to oder Zug aber im­mer noch mög­lich. Hier gel­ten je­doch be­son­de­re Re­geln wie Qua­ran­tä­ne und Co­ro­na-test bei der Rück­rei­se nach Deutsch­land. In­for­ma­tio­nen, wel­ches Land in Eu­ro­pa un­ter wel­chen Be­din­gun­gen be­sucht wer­den kann, sind auch auf der Web­sei­te der Eu­ro­päi­schen Uni­on zu fin­den.

Wel­che in­ner­deut­schen Ge­bie­te sind Ri­si­ko­re­gio­nen?

In Sach­sen ist ak­tu­ell nur das Erz­ge­bir­ge Ri­si­ko­ge­biet. Auch in Thü­rin­gen gibt es mit dem Land­kreis Eichs­feld am Harz nur ein Ri­si­ko­ge­biet, Sach­sen-an­halt weist noch kei­nes auf. Auch die in­ner­deut­schen Ur­laubs­län­der an der See, Schles­wig-hol­stein und Meck­len­burg-vor­pom­mern, sind oh­ne Ri­si­ko­ge­bie­te. An­ders sieht es in den Bal­lungs­zen­tren aus. In Berlin, der Re­gi­on um Mün­chen, Stuttgart, Frankfurt am Main so­wie wei­ten Tei­len Nord­rhein-west­fa­lens in­klu­si­ve des Ruhr­ge­bie­tes und rund um das nie­der­säch­si­sche Ems­land, wie den Land­krei­sen Vech­ta und Clop­pen­burg sind eben­falls er­höh­te In­zi­denz-wer­te ver­mel­det.

Was muss bei der Rück­kehr aus Ri­si­ko­ge­bie­ten be­ach­tet wer­den?

Grund­sätz­lich gilt: Die Rei­se­war­nun­gen des Aus­wär­ti­gen Am­tes sind kein Rei­se­ver­bot. Ein­rei­sen­de aus aus­län­di­schen Ri­si­ko­ge­bie­ten sind zu ei­nem Co­ro­na-test ver­pflich­tet. Das So­zi­al­mi­nis­te­ri­um Sach­sen schreibt vor, dass Per­so­nen, die sich zu ei­nem be­lie­bi­gen Zeit­punkt in­ner­halb von 14 Ta­gen vor Ein­rei­se nach Sach­sen in ei­nem Ri­si­ko­ge­biet auf­ge­hal­ten ha­ben zur Kon­takt­auf­nah­me mit dem zu­stän­di­gen Ge­sund­heits­amt ver­pflich­tet sind. Au­ßer­dem müs­sen sie in häus­li­che Qua­ran­tä­ne ge­hen und ei­nen Co­ro­na-test ma­chen. Ist der ne­ga­tiv, kann die Qua­ran­tä­ne­ver­ord­nung auf­ge­löst wer­den. Da­von aus­ge­nom­men sind Per­so­nen, die be­reits ei­nen ne­ga­ti­ven Co­ro­na-test vor­wei­sen kön­nen. Der darf höchs­tens 48 St­un­den vor Ein­rei­se vor­ge­nom­men wor­den sein.

Be­her­ber­gungs­ver­bot ent­fällt in Sach­sen

In Sach­sen ent­fällt ab Sams­tag das Be­her­ber­gungs­ver­bot. Das heißt: Rei­sen­de und Ur­lau­ber aus in­ner­deut­schen Ri­si­ko­ge­bie­ten dür­fen dann im Frei­staat wie­der un­ge­hin­dert in Ho­tels, Pen­sio­nen oder Fe­ri­en­woh­nun­gen über­nach­ten. Glei­ches gilt für säch­si­sche Rei­sen­de in an­de­re Bun­des­län­der Deutsch­lands. In Ba­den-würt­tem­berg, Ber

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lin, Bremen, Nie­der­sach­sen, NRW, Rhein­land-pfalz, Saar­land, Sach­sen, Thü­rin­gen und Bay­ern gibt es kein Be­her­ber­gungs­ver­bot. Für die üb­ri­gen Bun­des­län­der gilt: Kommt der Rei­sen­de aus ei­nem Ri­si­ko­ge­biet aus dem In- und Aus­land, darf er nicht in kom­mer­zi­el­len Un­ter­künf­ten über­nach­ten – aus­ge­nom­men, die je­weils gän­gi­gen Re­ge­lun­gen wie nach­ge­wie­se­ne ne­ga­ti­ve Co­ro­na-tests oder Qua­ran­tä­ne wer­den ein­ge­hal­ten. Pri­va­te Be­su­che sind da­ge­gen in al­len Bun­des­län­dern er­laubt. Rück­kehr-re­ge­lun­gen für säch­si­sche Rei­sen­de aus kri­ti­schen Ge­bie­ten in­ner­halb Deutsch­lands be­ste­hen eben­falls nicht.

Sach­sens Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin Pe­tra Köp­ping (SPD) ap­pel­lier­te zum Start der Herbst­fe­ri­en, Ri­si­ken im Zu­sam­men­hang mit Auf­ent­hal­ten in Ri­si­ko­ge­bie­ten sorg­fäl­tig und ei­gen­ver­ant­wort­lich ab­zu­wä­gen. „Die Gren­zen nach Tsche­chi­en sind of­fen und sol­len dies auch blei­ben. Den­noch soll­te sich Je­de und Je­der ein­dring­lich fra­gen, ob ins­be­son­de­re Ur­lau­be oder Ku­ren an­ge­sichts der alar­mie­ren­den Ent­wick­lung der dor­ti­gen In­fek­ti­ons­zah­len un­be­dingt nö­tig sind.“Sie be­tont, dass es wich­tig sei, sich an die gel­ten­den Ab­stands- und Hy­gie­ne­re­geln und Co­ro­na-vor­schrif­ten zu hal­ten. „Ge­ne­rell soll­ten Plät­ze und Or­te, wo der Ab­stand nicht ein­ge­hal­ten wer­den kann, mög­lichst ge­mie­den wer­den“, sagt Köp­ping.

Wel­che Stor­no-re­ge­lun­gen gel­ten jetzt?

Hier muss als ers­tes zwi­schen Pau­scha­lund In­di­vi­du­al­rei­sen un­ter

Pe­tra Köp­ping (SPD), Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin in Sach­sen schie­den wer­den. Wenn das Aus­wär­ti­ge Amt das Rei­se­ziel zum Ri­si­ko­ge­biet er­klärt, kann ei­ne Pau­schal­rei­se kos­ten­frei stor­niert wer­den, er­klärt Clau­dia Ne­u­mer­kel von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Sach­sen. Die­ses folgt Emp­feh­lun­gen des RKI. Gibt es Rei­se­war­nun­gen für in­ner­deut­sche Ge­bie­te, gel­ten glei­che recht­li­che Re­ge­lun­gen. Kann ei­ne Rei­se auf­grund so­ge­nann­ter „un­ver­meid­ba­rer,

au­ßer­ge­wöhn­li­cher Um­stän­de“nicht an­ge­tre­ten wer­den, kann kos­ten­los stor­niert wer­den. „Wir nen­nen es auch ein­fach ,hö­he­re Ge­walt’“, so Ne­u­mer­kel.

Was ist bei selbst ge­buch­ten In­di­vi­du­al­rei­sen?

Bei In­di­vi­du­al­rei­sen wird es kom­pli­zier­ter. „Die La­ge, die wir seit März ha­ben, ist so noch nie da­ge­we­sen.

Da­her muss im­mer ab­ge­wo­gen wer­den. Rei­sen­de soll­ten sich vor­her genau in­for­mie­ren.“Auch die sich stän­dig ver­än­dern­den Re­ge­lun­gen zur Be­her­ber­gung ma­chen ei­ne pau­scha­le Aus­sa­ge zum Stor­no­recht für In­di­vi­du­al­rei­sen nicht mög­lich. Wer sich in Deutsch­land ei­ne Un­ter­kunft bucht, schließt ei­nen „Be­her­ber­gungs­ver­trag“. „Herrscht bei Rei­se­an­tritt dort ein ge­ne­rel­les Be­her­ber­gungs­ver­bot für Rei­sen­de aus Ri­si­ko­re­gio­nen und der Rei­sen­de kommt aus ei­ner eben sol­chen, ha­ben wir ei­ne so­ge­nann­te ju­ris­ti­sche Un­mög­lich­keit. Das heißt, hier soll­te ei­ne kos­ten­lo­se Stor­nie­rung mög­lich sein“, er­klärt Ne­u­mer­kel. Da die Über­nach­tung nicht in An­spruch ge­nom­men wer­den kann.

Wel­che Lö­sun­gen gibt es?

Ist ei­ne Be­her­ber­gung als Rei­sen­der aus ei­nem Ri­si­ko­ge­biet mög­lich, aber das Bun­des­land hat Re­ge­lun­gen wie Qua­ran­tä­ne-zeit und Co­ro­na-tests für die­se Per­so­nen an­ge­ord­net, wird es wie­der schwie­rig. „Es ist ein kom­pli­zier­tes Zu­sam­men­spiel. Hier müss­ten die Ho­tels ei­gent­lich die Zu­mut­bar­keit nach­voll­zie­hen. Dann kann es zum Bei­spiel zu ei­ner Ver­trags­an­pas­sung kom­men“, so Ne­u­mer­kel. In der Re­gel lau­fen die­se auf Gut­schein­re­ge­lun­gen und da­mit zur Ver­schie­bung der Rei­se hin­aus, er­klärt die Ju­ris­tin. Wird sich nicht ge­ei­nigt, bleibt noch der ju­ris­ti­sche Weg. Ers­ten Rat er­hal­ten Rei­sen­de aber auch bei den Ver­brau­cher­schutz-zen­tra­len.

Ge­ne­rell soll­ten Plät­ze und Or­te, wo der Ab­stand nicht ein­ge­hal­ten wer­den kann, mög­lichst ge­mie­den wer­den.

 ?? FO­TO: CHRIS­TOPH SCHMIDT/DPA ?? Rei­se­rück­keh­rer war­ten vor dem Co­ro­na-test­zen­trum am Flug­ha­fen Stuttgart. In Zei­ten der Pan­de­mie bau­en sich vor Ur­laubs­wil­li­gen be­acht­li­che Hür­den auf.
FO­TO: CHRIS­TOPH SCHMIDT/DPA Rei­se­rück­keh­rer war­ten vor dem Co­ro­na-test­zen­trum am Flug­ha­fen Stuttgart. In Zei­ten der Pan­de­mie bau­en sich vor Ur­laubs­wil­li­gen be­acht­li­che Hür­den auf.
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