Dresdner Neueste Nachrichten

Nicht mehr als ei­ne Hoff­nung

Der Stadt­rat ist für den Er­halt des Au­gust Thea­ters im Rat­haus Pie­schen. Ge­ret­tet ist die Büh­ne da­mit je­doch noch nicht.

- Von Uwe Hof­mann Theatre · Theatre & Ballet · Arts · Dresden · Stefan Engel

Neue Hoff­nung für das Au­gust Thea­ter: Der Stadt­rat hat ein­stim­mig für den Er­halt der Spiel­stät­te im Rat­haus Pie­schen ge­stimmt. „Das ist ein gro­ßer Er­folg für uns, den Stadt­teil Pie­schen und für die Stadt Dres­den“, teilt das Pup­pen­spie­ler­ehe­paar Ran­di und Gri­go­rij Käst­ner-kubsch mit, das das Thea­ter seit 2011 in den zu­vor jah­re­lang leer­ste­hen­den Rats­her­ren­stu­ben eta­bliert hat. Ihm war An­fang des Jah­res völ­lig über­ra­schend und ent­ge­gen an­ders lau­ten­der An­kün­di­gun­gen der Miet­ver­trag von der Ver­wal­tung we­gen an­ste­hen­der Sa­nie­rungs­ar­bei­ten im Ge­bäu­de ge­kün­digt wor­den. Jetzt sieht das Paar die in­zwi­schen auch für Gast­spie­le eta­blier­te Büh­ne als ge­ret­tet an. Stadt­rat Ste­fan En­gel (SPD), ei­ner der Initia­to­ren des am Don­ners­tag be­schlos­se­nen An­trags, warnt je­doch: „Die Ret­tung ist das noch nicht.“

Das hat mit den Kom­pe­ten­zen zu tun, die sich Stadt­rat und Ver­wal­tung tei­len. So kann das Kom­mu­nal­par­la­ment nicht die Kün­di­gung zu­rück­neh­men, die die Ver­wal­tung aus­ge­spro­chen hat und zu der Ober­bür­ger­meis­ter Dirk Hil­bert (FDP) auch nach ei­ni­gen Ge­sprächs­run­den zum The­ma steht. Ihm ha­ben die Stadt­rä­te nun aber durch ih­re Ab­stim­mung ei­nen üp­pi­gen Auf­ga­ben­zet­tel ver­ord­net. Auf ihm ste­hen zahl­rei­che Vor­schlä­ge, wie das Thea­ter in Pie­schen zu er­hal­ten sei, de­ren Ver­wirk­li­chung er al­le bis En­de März 2021 prü­fen soll – so der Be­schluss. „Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass sich da­von nicht ei­ner auch rea­li­sie­ren lässt“, so En­gel. Ihm ha­be die Ver­wal­tung zu­ge­si­chert, dass die ei­gent­lich in die­sen Ta­gen be­gin­nen­den Sa­nie­rungs­ar­bei­ten ru­hen, bis das Schick­sal des Au­gust Thea­ters ge­klärt ist. Aus­gangs­punkt für den Streit ist ein Um­den­ken im für den 2,8 Mil­lio­nen Eu­ro teu­ren Rat­hau­sum­bau zu­stän­di­gen Amt für Hoch­bau und Im­mo­bi­li­en­ver­wal­tung. Ließ ein Ver­tre­ter der Be­hör­de noch im ver­gan­ge­nen Jahr wis­sen, dass die vom Thea­ter ge­nutz­ten Rats­her­ren­stu­ben von der Brand­schutz­sa­nie­rung und dem be­hin­der­ten­ge­rech­ten Aus­bau nicht tan­giert wer­den, si­cker­ten im Früh­jahr des Jah­res ge­gen­tei­li­ge Plä­ne durch. Dem­nach soll in den Räu­men im Hoch­par­terre, wo der­zeit das Bür­ger­bü­ro un­ter­ge­bracht ist, ein Be­ra­tungs­raum für die Ver­wal­tung mit 24 Plät­zen ent­ste­hen. Das Bür­ger­bü­ro soll da­für in die Räu­me um­zie­hen, die der­zeit vom Thea­ter ge­nutzt wer­den.

Für das Thea­ter zu­nächst ent­schei­dend ist si­cher, dass der OB be­auf­tragt ist, sich für die Dau­er der Sa­nie­rung um Aus­weich­spiel­or­te für die Pup­pen­spiel­büh­ne zu be­mü­hen. Eben­so soll das Rat­haus laut An­trag so sa­niert wer­den, dass die Thea­ter­spiel­stät­te er­hal­ten bleibt. Was die For­mu­lie­rung ab­schwächt, ist der Zu­satz „vor­be­halt­lich der wei­te­ren Prü­fun­gen“und die Tat­sa­che, dass nach dem Um­bau nicht zwangs­läu­fig das Au­gust Thea­ter die­se Thea­ter­spiel­stät­ten be­zie­hen muss. Dass der neue Mie­ter der al­te ist, kön­ne der Stadt­rat der Ver­wal­tung nicht vor­schrei­ben, sagt Ste­fan En­gel. Und auch nicht, wie der neue Miet­ver­trag aus­sieht. Der al­te fiel für das Ehe­paar Käst­ner-kubsch sehr güns­tig aus: Sie zahl­ten 3,16 Eu­ro für den Qua­drat­me­ter, weil die Stadt da­mals froh war, je­man­den für die lan­ge un­ge­nutz­ten Räu­me ge­fun­den zu ha­ben. „Der Ball liegt jetzt bei der Ver­wal­tung, et­was für den Er­halt des Thea­ters zu tun“, so En­gel. Poe­ti­scher for­mu­lie­ren es Ran­di und Gri­go­rij Käst­ner-kubsch: „Ein Rat­haus oh­ne Kunst ist wie ei­ne Ver­wal­tung, die nicht die Kunst des Mit­ein­an­der ver­steht.“

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