Dresdner Neueste Nachrichten

Halb Pun­ke­rin, halb Po­li­zis­tin

Der „Tat­ort“kommt nach Zü­rich, in der Pre­mie­re wird die wil­de, al­te Zeit der Stadt durch­leuch­tet

- Von Lars Gro­te Otters · Animals · Wildlife · Carol Schuler · Gie?en · Switzerland · Zurich · Lucerne · ARD (broadcaster)

Das sind die bei­den Neu­en, Isa­bel­le Grand­jean (An­na Pie­ri Zu­er­cher) und Tes­sa Ott (Ca­rol Schuler) – na­tür­lich mö­gen sie sich nicht, aber sie sind zu kul­ti­viert, um das zu zei­gen. Sie ge­hen mit­ein­an­der um, wie man das tut in Po­li­zei­bü­ros, in de­nen kei­ne Pflan­zen ste­hen, son­dern nur der Di­enst­ka­len­der hängt, weil al­les pünkt­lich fer­tig wer­den muss und nie­mand Zeit zum Gie­ßen hat.

Doch nach ei­ner knap­pen St­un­de brennt die Si­che­rung in die­sem „Tat­ort“durch. Grand­jean, die Kom­mis­sa­rin, brüs­kiert ih­re Kol­le­gin Ott: „Du lässt dich von Ge­füh­len lei­ten!“, in der Schweiz ist das ein schwe­rer Vor­wurf. Ott ruft zu­rück: „We­nigs­tens ha­be ich Ge­füh­le!“Grand­jean legt nach: „Oh­ne Be­zie­hun­gen wärst du nicht in die­sem Job!“Das ist star­ker Stoff für ei­nen Film aus Zü­rich, wo sie nicht zum of­fe­nen Streit ten­die­ren, son­dern zu stil­len Schließ­fä­chern, zu fri­sier­ten Bi­lan­zen und ei­ner Spra­che, in der das Grau­en oft ein -li am En­de trägt.

In die­sem Land ist vie­les ei­ne Num­mer klei­ner, nur eben das Ge­halt nicht. Das führt zu ei­ner Per­spek­tiv­stö­rung, was eher ein men­ta­les Pro­blem ist, nicht un­be­dingt ein kri­mi­nel­les. Aus die­sem Holz sind Kri­mis aus der Schweiz ge­schnitzt, bis­her nur aus Lu­zern, jetzt auch in ei­ner ers­ten Fol­ge aus Zü­rich.

Weil sie beim Sen­der SFR nicht in Ver­dacht ge­ra­ten wol­len, mit die­sem de­zi­diert weib­li­chen Team auf Eso­te­rik oder auf Soft Skills zu set­zen, auf ei­nen Hang zum Weich­zeich­nen und zu viel Em­pa­thie, spü­len sie Punk­mu­sik über die ers­ten Bil­der, die alt aus­se­hen und ge­hö­rig ram­po­niert. Die Ju­gend kämpft, färbt sich die Haa­re bunt und schreit Pa­ro­len, die nicht auf -li en­den, nicht nied­lich sind, son­dern die Markt­wirt­schaft zur Höl­le wün­schen. „Zü­ri brännt“heißt die­se ers­te Epi­so­de, für die Ar­beits­tem­pe­ra­tur des Fil­mes lässt das ei­ni­ges er­hof­fen.

Der flam­men­de Pro­log stammt aus den 80ern, ist 40 ah­re alt und zeigt, wie es ge­we­sen ist, als der bür­ger­li­che Frie­de zur De­bat­te stand. Nun blät­tert die­ser „Tat­ort“in den al­ten Jah­ren, fin­det ei­nen Chef­re­dak­teur, der da­mals auf die Bar­ri­ka­den stieg, blickt auf ei­nen Po­li­zei­chef, der sei­ner­zeit an Raz­zi­en in den links­ex­tre­men Häu­sern teil­ge­nom­men hat. Auch ein Freund von Tes­sa Ott taucht auf, der heu­te noch am He­ro­in hängt und da­mals, in den wil­den Mo­na­ten, sehr an ei­ner Frau hing, die er­mor­det wur­de. Muss­te sie ster­ben, weil sie ein Dop­pel­le­ben führ­te, ei­ner­seits als Pun­ke­rin, an­de­rer­seits als Po­li­zis­tin?

Die Wun­den je­ner Jah­re wer­den neu ver­arz­tet, als ei­ne Brand­lei­che mit Kopf­schuss­wun­de auf der Stra­ße liegt, sie hat ein bud­dhis­ti­sches Rü­ck­en­tat­too und das Kärt­chen ei­ner Psy­cho­the­ra­pie in ih­rer Ta­sche. Der Alb­traum mit dem Na­men „Opern­haus­kra­wal­le“kommt wie­der auf den Tisch. Es ist zu müh­sam, die We­ge der Er­mitt­lun­gen an die­ser Stel­le nach­zu­zeich­nen. Sie fran­sen aus, hier und dort ein Stör­feu­er, am En­de dann ein Knall­ef­fekt. Merk­wür­dig am­bi­ti­ons­los bleibt die Pre­mie­re aus Zü­rich. Viel Hand­werk, we­nig Zau­ber, der ei­nem An­fang in­ne­wohnt.

Tra­di­tio­nell steht meist das neue Team im Zen­trum ei­nes Auf­takts, man soll die Fahn­de­rin­nen ken­nen­ler­nen, Sym­pa­thie ver­tei­len, „die mag ich, die mag ich nicht.“Wie er­mit­teln die zwei Frau­en? Grand­jean tut es mit spöt­ti­scher Poe­sie im Blick und ei­nem ly­ri­schen, fran­zö­si­schen Ak­zent, Ott steckt im Rin­gel­hemd und hält sich eher an Pip­pi Langs­trumpf – was hei­ßen soll, dass sie die Din­ge oh­ne gro­ßen Plan, doch mit viel Herz an­packt.

Sie quat­schen nicht beim Kaf­fee über Ehe­män­ner, die nicht mehr lie­fern, oder über Kin­der, die ih­re Pu­ber­tät nach Kräf­ten über­trei­ben. Wo bleibt die See­le? Bei Grand­jean und Ott pfei­fen Re­gie (Vi­via­ne An­de­reg­gen) und Dreh­buch (Ste­fan Brun­ner, Lo­renz Lan­ge­negger) erst mal auf die See­le. Es geht um die Kar­rie­re, um die Po­si­tio­nie­run­gen im Job. Das passt ganz gut zu Zü­rich. Doch man fie­bert ei­nem Wie­der­se­hen nicht ent­ge­gen, denn die bei­den bau­en kei­ne Bin­dung zu uns auf. Sie sind Ar­beits­bie­nen. Sie hin­ter­las­sen kei­ne Spu­ren. Sie hin­ter­las­sen nicht mal Ge­gen­wart. Sie wüh­len in der al­ten Zeit. Denn im Hier und Jetzt hat man es gern rei­bungs­los in die­ser Stadt.

T°tort „Zs­ri brennt1 | ARD

Mit An­na Pie­ri Zu­er­cher, Ca­rol Schuler Sonn­tag, 20.15 Uhr ★★★★★

Oh­ne Be­zie­hun­gen wärst du nicht in die­sem Job!

Is°bel­le Gr°ng­je°n, „Tat­ort“-kom­mis­sa­rin in Zü­rich

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FO­TO: WAL­TER BIERI/DPA DPS neue Teph: Trotz Fr­pu­en­lo­wer be­linbt es Annp Pie­ri Zu­er­cher (rechts) unw Cprol Schuler ih ers­ten Tp­t­ort Pus Zü­rich nicht so recht, zuh Zusch­pu­er ei­ne ech­te Bin­wunb Puf­zu­bpu­en.

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