Dresdner Neueste Nachrichten

Ein Hand­streich ist kei­ne Ant­wort

- Von Tho­mas Bau­mann-hart­wig Dresden · Sindh

Man muss kein Pro­phet sein: Das Rechts­amt wird nach in­ten­si­ver Prü­fung fest­stel­len, dass der Stadt­rats­be­schluss zum ko­ope­ra­ti­ven Bau­land­mo­dell rechts­wid­rig war. Es war ein Husa­ren­stück von CDU, AFD, FDP und Frei­en Wäh­lern, in ei­ner De­bat­te über ei­ni­ge Aus­nah­men gleich die kom­plet­ten Re­geln für den so­zia­len Woh­nungs­bau zu kip­pen. Ein An­teil von nur noch 15 Pro­zent So­zi­al­woh­nun­gen für In­ves­to­ren statt 30, das ist ei­ne Haus­num­mer.

Aber was ist da­mit ge­won­nen, wenn Ober­bür­ger­meis­ter Dirk Hil­bert (FDP) den Be­schluss kas­siert? An­ders ge­fragt: Wie viel ist ver­lo­ren? Dres­den steht vor ei­ner der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen seit 1990: Mit­ten in der Co­ro­na-pan­de­mie muss der Stadt­rat ei­nen Haus­halt für 2021/2022 auf­stel­len. Die Ein­nah­men schrump­fen, die Be­gehr­lich­kei­ten wach­sen, Spa­ren ge­hört zu den Fremd­wör­tern im Vo­ka­bu­lar von Stadt­rä­ten. In die­ser Si­tua­ti­on braucht es ei­ne kla­re Mehr­heit, um po­li­ti­sche Prio­ri­tä­ten zu set­zen.

Die­se Mehr­heit ist seit Don­ners­tag­abend in wei­tes­ter Fer­ne. Die CDU, die sich auf den Weg ge­macht hat, mit Grü­nen, SPD und auch Lin­ken ge­mein­sa­me In­ter­es­sen aus­zu­lo­ten, hat Ver­trau­en ver­spielt. Die Christ­de­mo­kra­ten ha­ben das oft be­haup­te­te Kli­schee vom „kon­ser­va­ti­ven Block“be­stä­tigt.

Das stra­te­gi­sche Pro­blem: Die CDU hat Ro­tg­rün-rot zwar or­dent­lich eins aus­ge­wischt und die hei­li­ge Kuh „So­zia­ler Woh­nungs­bau“zur Ader ge­las­sen. Aber: Das lin­ke La­ger kann nun wie­der treff­lich das Bild von den „Er­fül­lungs­ge­hil­fen der Miet­haie“an die Wand ma­len. Es wird auf frucht­ba­ren Bo­den fal­len. Um nichts ma­chen sich die Dresd­ner Fa­mi­li­en grö­ße­re Sor­gen als um die Fra­ge des be­zahl­ba­ren Wohn­raums.

Was bei dem ideo­lo­gisch be­setz­ten The­ma So­zia­ler Woh­nungs­bau wie­der zu kurz kom­men wird, ist die in­halt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung: Sind 30 Pro­zent So­zi­al­woh­nun­gen der Schlüs­sel für be­zahl­ba­re Mie­ten in Dres­den oder ver­hin­dert die­se ho­he Quo­te den Bau neu­er Woh­nun­gen? Die­se Fra­ge lässt sich nicht im Hand­streich be­ant­wor­ten. Son­dern nur mit ei­ner qua­li­fi­zier­ten De­bat­te.

War es ein Tief­punkt der Kul­tur im Stadt­rat, dass der „kon­ser­va­ti­ve Block“das Feh­len ei­nes Grü­nen-stadt­rats aus­ge­nutzt hat? Mög­lich. Die hek­ti­schen und un­über­leg­ten Re­ak­tio­nen des lin­ken La­gers, den Be­schluss zu ver­hin­dern, wa­ren al­ler­dings auch kein Ruh­mes­blatt. Kul­tur geht an­ders.

Ein schö­nes Wo­che­n­en­de!

Ihr Tho­mas Bau­mann-hart­wig

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