Dresdner Neueste Nachrichten

Aus­ge­rech­net Alas­ka

- Von Chris­ti­an Neffe Video Games · Square Enix · Square · Microsoft · Gay and Lesbian Alliance Against Defamation · The Heritage Foundation · Alaska · Enix America Corporation · Alliance · Xbox One

Mit „Li­fe is Stran­ge“, dem Spin-off von „Be­fo­re the Storm“, und dem Nach­fol­ger hat sich das fran­zö­si­sche Stu­dio Dont­nod ei­nen Ruf un­ter Fans ge­schichts- und ent­schei­dungs­las­ti­ger Spie­le ge­macht. Dass ihr jüngs­tes Werk nicht „Li­fe is Stran­ge 3“heißt, ist wohl ei­ne Fol­ge des Her­aus­ge­ber­wech­sels von Squa­re Enix hin zu Mi­cro­soft. Da­bei wä­re der al­te Na­me pas­send ge­we­sen, denn Dont­nod bleibt sich mit „Tell Me Why“, so der neue Ti­tel, ab­so­lut treu.

In drei je drei­stün­di­gen Epi­so­den wird die Ge­schich­te der Zwillinge Al­ly­son und Ty­ler Ro­n­an er­zählt, die nach zehn­jäh­ri­ger Tren­nung zu­sam­men­kom­men, um ihr ehe­ma­li­ges Haus in ei­nem ver­schla­fe­nen Ort in Alas­ka zum Ver­kauf vor­zu­be­rei­ten. Seit ei­nem schreck­li­chen Vor­fall in ih­rer Kind­heit ha­ben bei­de es nicht mehr be­tre­ten: Ty­ler hat­te einst sei­ne la­bi­le Mut­ter hin­ter dem Haus in Not­wehr ge­tö­tet und kam in ei­ne Ju­gend­an­stalt. Das Wie­der­se­hen der Ge­schwis­ter ist aber nur kurz er­freu­lich: Neue In­di­zi­en las­sen dar­auf schlie­ßen, dass ih­re Er­in­ne­run­gen ge­trübt sind und sich je­ne schreck­li­che Nacht an­ders zu­trug, als sie glau­ben. So be­ginnt die Su­che nach der Wahr­heit.

Doch gibt es die­se „ei­ne“Wahr­heit über­haupt? „Tell Me Why“lässt Zwei­fel dar­an auf­kom­men – auch durch die Spiel­me­cha­nik. Denn die Zwillinge ver­fü­gen über ei­ne men­ta­le Ver­bin­dung, die sie auch ge­mein­sa­me Er­in­ne­run­gen vi­sua­li­sie­ren lässt. Ge­le­gent­lich muss der Spie­ler ent­schei­den, wes­sen Ver­stand er glaubt; was Fol­gen für den Ver­lauf der Ge­schich­te hat. Das gilt auch für man­che Dia­log- und Hand­lungs­op­tio­nen. Am grund­le­gen­den Sto­ry­ver­lauf än­dern die zwar we­nig, spür­ba­rer ist da­für der Ein­fluss auf das Ver­hält­nis der Ge­schwis­ter, was zu zwei ver­schie­de­nen En­den füh­ren kann.

Spiel­me­cha­nisch läuft „Tell Me Why“wie schon „Li­fe is Stran­ge“al­ler­dings auf Spar­flam­me: Das Er­kun­den der Schau­plät­ze, das In­ter­agie­ren mit Ob­jek­ten und Fi­gu­ren so­wie das Lö­sen klei­ne­rer Rät­sel ist we­der ab­wechs­lungs­reich noch an­spruchs­voll. Der Fo­kus ist er­zäh­le­ri­scher Na­tur, und hier kann Dont­nod so­wohl at­mo­sphä­risch mit au­then­ti­schen Sze­na­ri­en und ei­nem pass­ge­nau­en Sound­track als auch bei der Cha­rak­ter­zeich­nung punk­ten.

Im Zen­trum ste­hen Ty­ler und sei­ne in­ne­ren wie äu­ße­ren Kon­flik­te hin­sicht­lich sei­ner Iden­ti­tät als Trans­mann: Schon als Kind ver­stand er sich eher als Al­ly­sons Bru­der denn als Schwes­ter, nun kehrt er nach sei­ner Tran­si­ti­on zu­rück in sei­ne Hei­mat, in der dies auf we­nig Ver­ständ­nis stößt. Zu­gleich glaubt er, dass sei­ne Mut­ter einst des­we­gen auf ihn los­ging, und wird des­halb von Schuld­ge­füh­len ver­folgt. Die Ne­ben­fi­gu­ren sind ähn­lich fein­füh­lig ge­schrie­ben.

Um Kli­schees zu ver­mei­den, ar­bei­te­te das Stu­dio mit der Gay & Les­bi­an Al­li­an­ce Against De­fa­ma­ti­on und der Hu­na He­ri­ta­ge Foun­da­ti­on zu­sam­men, die sich für die in­di­ge­ne Kul­tur in Alas­ka ein­setzt. Lei­der

kommt Letz­te­res in „Tell Me Why“zu kurz. Auch die Tech­nik des Spiels ist nicht zeit­ge­mäß. Da kann Dont­nod mit dem Spiel kaum neue Im­pul­se set­zen und reizt auch das Er­in­ne­rungs-fea­ture kaum aus. Im­mer­hin wagt das Stu­dio in ei­nem Me­di­um, das noch im­mer von Ste­reo­ty­pen do­mi­niert wird, et­was Neu­es und lie­fert ei­ne er­grei­fen­de Ge­schich­te rund um die The­men Iden­ti­tät, Er­in­ne­rung, Freund­schaft, Lie­be und Fa­mi­lie.

In­fo „Tell Me Why“ist für Xbox One und PC er­hält­lich, wur­de von der USK ab 12 Jah­ren frei­ge­ge­ben und kos­tet ca. 30 Eu­ro (10 pro Epi­so­de)

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