Dresdner Neueste Nachrichten

Kret­sch­mer will we­gen Co­ro­na Hil­fe von Ar­mee und Po­li­zei

Bun­des­wehr und Lan­des­po­li­zis­ten sol­len Ge­sund­heits­äm­ter un­ter­stüt­zen. Kanz­le­rin Mer­kel ap­pel­liert an die Deut­schen, da­heim zu blei­ben

- Von An­dré Jahn­kel, Mat­thi­as Pup­pe und Si­mon Sach­se­der Politics · Coronavirus (COVID-19) · Dresden · German Defence Force · Saxony · Angela Merkel · Christian Lindner · China · China · People's Liberation Army · Western Sahara · Beijing · Auch · Shanghai · European Union · Europe · Xi Jinping · Chemnitz · Free Democratic Party (Germany) · People's Liberation Army · Maki · Qingdao

Dres­den. Nach­dem gro­ße Tei­le Sach­sens in­zwi­schen re­gio­nal mit Co­ro­na-grenz­wer­ten kämp­fen, hat Mi­nis­ter­prä­si­dent Micha­el Kret­sch­mer (CDU) die Bun­des­wehr auf­ge­for­dert, die Kom­mu­nen stär­ker als bis­her zu un­ter­stüt­zen. Zu­dem soll die Ein­hal­tung von Hy­gie­ne­re­geln in Sach­sen künf­tig auch von der Po­li­zei kon­trol­liert werden.

„Wir sind in der ex­po­nen­ti­el­len Pha­se“, sag­te der Cdu-po­li­ti­ker. Es sei da­mit zu rech­nen, dass sich die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen nun im Drei- oder Vier-ta­ges-rhyth­mus ver­dop­peln. „Das bringt die Ge­sund­heits­äm­ter bei der Nach­ver­fol­gung von Kon­tak­ten po­si­tiv ge­tes­te­ter Fäl­le an ih­re Gren­zen, und wir kön­nen die In­fek­ti­ons­ket­ten nicht mehr un­ter­bre­chen.“Kret­sch­mer kün­dig­te an, dass Lan­des­po­li­zis­ten die Ge­sund­heits­äm­ter bei ih­ren Kon­trol­len un­ter­stüt­zen werden.

Ge­ne­rell ge­be es aber trotz stei­gen­der In­fek­ti­ons­zah­len kei­nen Grund zur Hys­te­rie. „Ver­an­stal­tun­gen sol­len wei­ter mög­lich sein, die Gas­tro­no­mie ar­bei­ten, Schu­len und Ki­tas ge­öff­net sein und die Un­ter­neh­men ar­bei­ten.“Da­für müss­te die Ge­sell­schaft aber das „Wis­sen um die Über­tra­gungs­we­ge des Co­ro­na­vi­rus kon­se­quent an­wen­den.“

In der ver­gan­ge­nen Wo­che hat­te Kret­sch­mer beim Gip­fel mit An­ge­la Mer­kel (CDU) zu­sam­men mit ei­ni­gen Amts­kol­le­gen noch ein ein­heit­li­ches Be­her­ber­gungs­ver­bot für Rei­sen­de aus Ri­si­ko­ge­bie­ten ver­hin­dert und den Grenz­wert von wö­chent­lich 50 Neu­in­fek­tio­nen je 100000 Ein­woh­nern als zu nied­rig für die Aus­ru­fung eines Ri­si­ko­ge­bie­tes kri­ti­siert. Wäh­rend die Mi­nis­ter­prä­si­den­ten beim The­ma Rei­sen kei­ne ein­heit­li­che Lö­sung fan­den, konn­ten sie sich dar­auf ei­ni­gen, dass ab ei­nem Wert von 35 be­reits Schutz­maß­nah­men ver­schärft werden sol­len.

In Sach­sen lag die Sie­ben­ta­ge-in­zi­denz laut Ro­ber­tkoch-in­sti­tut am Sonn­tag in drei säch­si­schen Land­krei­sen so­wie in Dres­den und Chem­nitz über 30. Im Erz­ge­bir­ge ist der Grenz­wert von 50 wei­ter­hin deut­lich über­schrit­ten. Seit Frei­tag wur­den aus dem Frei­statt ins­ge­samt 600 neue In­fek­tio­nen ans RKI ge­mel­det. In Dres­den sind ges­tern zehn neue Fäl­le be­kannt­ge­wor­den. Nach der In­fek­ti­on ei­ner Be­woh­ne­rin hat die Stadt am Wo­che­n­en­de die Qua­ran­tä­ne über das Asyl­be­wer­ber-heim an der Bre­mer Stra­ße ver­hängt.

Der­weil hat Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) in ei­nem für ih­re Ver­hält­nis­se flam­men­den Ton die Deut­schen ge­be­ten, nicht um­her­zu­rei­sen und lie­ber zu Hau­se zu blei­ben. Sie ap­pel­lier­te an die Be­reit­schaft der Bür­ger, sich an die ver­schärf­ten Re­geln zur Kon­takt­be­schrän­kung zu hal­ten. „Wir müs­sen jetzt al­les tun, da­mit das Vi­rus sich nicht un­kon­trol­liert aus­brei­tet“, sag­te sie am Sams­tag in ih­rem Vi­deo­pod­cast. Sie riet, auf je­de Rei­se und je­de Fei­er zu ver­zich­ten, die nicht un­be­dingt not­wen­dig sei­en.

FDP-CHEF Chris­ti­an Lind­ner hat un­ter­des­sen da­zu auf­ge­ru­fen, trotz al­ler Vor­sicht die Co­ro­na-la­ge nicht über­zu­dra­ma­ti­sie­ren. Ne­ben den In­fek­ti­ons­zah­len gel­te es auch, die Aus­las­tung der Kran­ken­häu­ser und die La­ge in den Al­ten­hei­men in po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen ein­zu­be­zie­hen.

Rund um die Welt steigen die Co­ro­na-zah­len. In ei­nem Land nicht: Chi­na.

Das Land, in dem Co­vid-19 im Ja­nu­ar die­ses Jah­res sei­nen An­fang nahm, be­trach­tet die Co­ro­na-pan­de­mie be­reits als Stoff fürs Mu­se­um: Im Au­gust er­öff­ne­te ei­ne Aus­stel­lung im Pe­kin­ger Na­tio­nal­mu­se­um, ei­nem kom­mu­nis­ti­schen Pracht­bau mit ei­ner Flä­che von fast drei­ßig Fuß­ball­fel­dern, über den Sieg ge­gen das Vi­rus.

Im Sti­le des So­zia­lis­ti­schen Rea­lis­mus ge­ben Dut­zen­de Öl­ge­mäl­de dem Vol­ke vor, wie es sei­ner Hel­den im Kampf ge­gen Co­vid ge­den­ken soll – von den Sol­da­ten der Volks­be­frei­ungs­ar­mee bis hin zum er­schöpf­ten Kran­ken­haus­per­so­nal. Die mit über­schwäng­li­chem Pa­thos auf­ge­la­de­nen Por­träts wir­ken, als wür­den sie ei­ner weit ent­fern­ten Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren.

Ge­gen­über dem Mu­se­um im Pe­kin­ger Stadt­zen­trum prangt wie eh und je das Kon­ter­fei Mao Tse­tungs, Sol­da­ten in Uni­form be­wa­chen den Platz des Himm­li­schen Frie­dens, Tou­ris­ten in ne­on­far­be­nen Win­ter­ja­cken war­ten vor dem Ein­gang der Ver­bo­te­nen Stadt. Ei­ne un­spek­ta­ku­lä­re All­tags­sze­ne, die im Co­ro­na­jahr je­doch be­mer­kens­wert scheint: Bis auf die Mas­ken der Pas­san­ten er­in­nert nichts mehr an ei­ne glo­ba­le Ge­sund­heits­ka­ta­stro­phe.

Ein Blick auf die Sta­tis­tik un­ter­mau­ert den neu­en Nor­mal­zu­stand: Seit über zwei Mo­na­ten ha­ben die Ge­sund­heits­be­hör­den in Pe­king kei­ne lo­ka­le In­fek­ti­on mehr re­gis­triert. Auch lan­des­weit zählt die Re­gie­rung nur mehr we­ni­ge Fäl­le im zwei­stel­li­gen Bereich pro Tag, wo­bei das ab­so­lu­te Gros un­ter „im­por­tier­ten Fäl­le“aus dem Aus­land ver­bucht wird. De fac­to ist Chi­na, ein Land mit 1,4 Mil­li­ar­den Men­schen, der­zeit fast vi­rus­frei.

Aus deut­scher Sicht mag dies ge­ra­de­zu sur­re­al er­schei­nen: Aus­ge­rech­net im Ground Ze­ro von Co­ro­na, das ja zu al­ler­erst in der chi­ne­si­schen Stadt Wu­han ge­wü­tet hat, soll der Lun­gen­er­re­ger nun aus­ra­diert sein?

Tat­säch­lich ist die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei für ih­re un­zu­ver­läs­si­gen Sta­tis­ti­ken be­rüch­tigt. Die all­jähr­li­chen Wirt­schafts­zah­len bei­spiels­wei­se werden von aus­län­di­schen Öko­no­men nur als gro­ber Grad­mes­ser ge­wer­tet. Und auch bei frü­he­ren Pan­de­mi­en, et­wa der Hiv­ge­sund­heits­kri­se, hat Chi­na lan­ge Jah­re die ei­ge­nen In­fek­ti­ons­zah­len auf ge­ra­de­zu ab­sur­de Wei­se her­un­ter­ge­spielt. Wie­so al­so soll­te man der Re­gie­rung jetzt trau­en?

Zu Be­ginn der Pan­de­mie ha­ben die Be­hör­den tat­säch­lich Vi­rus­pro­ben zer­stört, alar­mier­te Wis­sen­schaft­ler in Wu­han mit ei­nem Maul­korb ver­se­hen und die Sta­tis­ti­ken sys­te­ma­tisch fri­siert. In den kom­men­den Jah­ren werden wohl Ex­per­ten un­ter­su­chen, wel­che epi­de­mio­lo­gi­schen Schä­den ein trans­pa­ren­tes Vor­ge­hen der Re­gie­rung

Mas­ken tra­gen wir schon lan­ge nicht mehr. Auch die Clubs wa­ren nur kurz ge­schlos­sen.

Jun­ge Fei­ern­de in Shang­hai

hät­te ab­wen­den kön­nen. Doch mitt­ler­wei­le he­gen nur mehr die we­nigs­ten Be­ob­ach­ter, auch aus Eu­ro­pa, Zwei­fel an den of­fi­zi­el­len Co­ro­na-zah­len. Zwar wird nie­mand leug­nen, dass das au­to­ri­tä­re po­li­ti­sche Sys­tem es be­güns­tigt, schlech­te Nach­rich­ten zu ver­schwei­gen. Al­ler­dings wagt es längst kein Par­tei­ka­der mehr, ein In­fek­ti­ons­ge­sche­hen im ei­ge­nen Zu­stän­dig­keits­be­reich zu ver­heim­li­chen.

Die Kon­trol­le funk­tio­niert

Denn Prä­si­dent Xi Jin­ping hat den Kampf ge­gen des Vi­rus schon früh zur Chef­sa­che er­klärt – auch, um vor der Be­völ­ke­rung und der in­ter­na­tio­na­len Staa­ten­ge­mein­schaft ei­nen Pro­pa­gan­da­sieg zu er­rin­gen.

Die Lock­downs, wel­che in Eu­ro­pa im Früh­jahr ver­hängt wur­den und nun wie­der als Droh­ku­lis­se er­schei­nen, hat­ten we­nig mit den Maß­nah­men zu tun, die in der Volks­re­pu­blik er­grif­fen wur­den. Hier greift ein Sys­tem, das nicht nur auf staat­li­cher – di­gi­ta­ler – Kon­trol­le fußt, son­dern auch auf so­zia­ler Kon­trol­le durch Block­warts in den Nach­bar­schaf­ten. Wer ge­gen die Re­geln ver­stößt, wird bloß­ge­stellt.

Be­woh­ner gan­zer Pro­vin­zen wur­den über Wo­chen wort­wört­lich in ih­re Woh­nun­gen weg­ge­sperrt und von Nach­bar­schafts­ko­mi­tees mit Le­bens­mit­teln ver­sorgt. Auch in Ge­gen­den, die nur mar­gi­nal von der Pan­de­mie be­trof­fen war, schränk­ten die Be­hör­den die Be­we­gungs­frei­heit tief­grei­fend ein. Wer auch nur in die nächst­ge­le­ge­ne Stadt reis­te, muss­te in ei­ne 14-tä­gi­ge Qua­ran­tä­ne – in ei­nem staat­lich zu­ge­wie­se­nen Zim­mer, wel­ches rund um die Uhr über­wacht wur­de.

Die­se har­te Stra­te­gie, die nur in ei­nem auch sonst un­ter­drü­ck­e­ri­schen Staat funk­tio­niert, hat in der west­li­chen Welt zu Be­ginn der Pan­de­mie für Stirn­run­zeln, wenn nicht of­fe­ne Kri­tik ge­sorgt. Doch Chi­na hat sie so lan­ge durch­ge­zo­gen, bis die Wachs­tums­kur­ve na­he­zu auf Null ge­dros­selt werden konn­te.

Vie­le Städ­te, al­len vor­an Shang­hai, sind schon nach we­ni­gen Mo­na­ten in ein neu­es Nor­mal zu­rück­ge­kehrt. „Mas­ken tra­gen wir schon lan­ge nicht mehr. Auch die Clubs zum Fei­ern wa­ren nur kurz ge­schlos­sen“, sagt et­wa ei­ne End­zwan­zi­ge­rin im ehe­ma­li­gen Ko­lo­ni­al­vier­tel Shang­hais beim Fei­er­abend­bier. Ein Blick auf die Trot­toirs, wo sich jun­ge Men­schen bei Zi­ga­ret­ten und Cock­tails dicht an dicht un­ter­hal­ten, be­stä­tigt, wie we­nig Ab­stands­re­geln noch ein­ge­hal­ten werden.

Un­ge­fähr ei­ne Hand­voll lo­ka­ler In­fek­ti­ons­clus­ter ha­ben die Be­hör­den seit dem Som­mer noch ver­mel­det, zu­letzt ha­ben sich zwölf Per­so­nen in der ost­chi­ne­si­schen Ha­fen­stadt Qing­dao an­ge­steckt. Stets ging die Lo­kal­re­gie­rung ri­go­ros und nach dem glei­chen Mus­ter vor: Sämt­li­che neun Mil­lio­nen Ein­woh­ner wur­den in­ner­halb we­ni­ger Ta­ge zwangs­ge­tes­tet, zu­dem wur­den die be­trof­fe­nen Wohn­ge­bie­te ab­ge­rie­gelt. Stadt­wei­te Lock­downs konn­ten auf die­sem We­ge ver­hin­dert werden – oh­ne dass sich das Vi­rus wei­ter aus­ge­brei­tet hät­te.

Dem­ent­spre­chend ro­bust konn­te auch die Wirt­schaft im Land wie­der hoch­fah­ren. Nach ei­nem his­to­ri­schen Ein­bruch im ers­ten Quar­tal von fast 7 Pro­zent wird die Volks­re­pu­blik bis Jah­res­en­de als ein­zi­ge gro­ße Öko­no­mie ein Plus er­zie­len kön­nen. Da­von pro­fi­tie­ren auch deut­sche Un­ter­neh­men, al­len vor­an hei­mi­sche Au­to­bau­er: Am Wo­che­n­en­de gab Volks­wa­gen be­kannt, dass es in­ner­halb der ers­ten drei Quar­ta­le sei­nen Markt­an­teil im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum um 0,5 Pro­zent leicht aus­ge­baut hat. Chi­na wird in­mit­ten der glo­bal ein­ge­bro­che­nen Nach­fra­ge für eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men zu ei­nem Licht­blick in Co­ro­na-zei­ten.

Auch des­halb ver­trau­en die Chi­ne­sen ih­rer Füh­rung wie­der mehr, trotz der mas­si­ven Kon­trol­le je­des Ein­zel­nen. Das liegt auch an dem Ein­druck, dass die Zu­las­sung eines lm­pfstoffs un­mit­tel­bar be­vor­steht. Auf ei­nem viel ge­teil­ten Han­dy­vi­deo mel­det sich et­wa der Uni­ver­si­täts­stu­dent Zhu Ao­bing zu Wort: „Ich bin Num­mer neun der ers­ten Frei­wil­li­gen­grup­pe. Be­reits am 19. März ha­be ich ei­nen Impf­stoff in­ji­ziert be­kom­men“, sagt der jun­ge Chi­ne­se aus Wu­han, dem eins­ti­gen Epi­zen­trum der Pan­de­mie. Zhu trägt ei­ne schwar­ze Horn­bril­le, Kurz­haar­fri­sur und ei­nen dunk­len Ka­pu­zen­pul­li. In stoi­schem Ton­fall fügt er hin­zu: „Nach sechs Mo­na­ten un­ter Be­ob­ach­tung ma­che ich nun den letz­ten Blut­test. Mir geht es kör­per­lich gut, ich ha­be we­der Fie­ber noch Er­käl­tung.“

Impf­stoff ma­de in Chi­na

In den Kom­men­tar­spal­ten ha­gelt es eu­pho­ri­schen Bei­fall. Ein Nut­zer schreibt et­wa: „Wer Zwei­fel an dem Impf­stoff hat, der soll halt ab­war­ten, bis er im Aus­land er­probt wur­de. Aber ich den­ke, wenn Chi­na nicht wirk­lich et­was Er­folg­rei­ches er­schaf­fen hät­te, dann wür­de es nicht solche Be­haup­tun­gen auf­stel­len.“

Die Be­haup­tun­gen der Re­gie­rung klin­gen in der Tat viel­ver­spre­chend. Wu Guizhen, lei­ten­de Be­am­tin am chi­ne­si­schen Zen­trum für Seu­chen­prä­ven­ti­on, kün­dig­te be­reits im Sep­tem­ber an, dass ent­we­der im No­vem­ber oder De­zem­ber ei­ne Co­vid-imp­fung be­reit­ste­hen wer­de. Da­bei han­delt es sich um zwei Kan­di­da­ten von Si­no­pharm aus Shang­hai, wel­che der­zeit in den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten, Bah­rain, Pe­ru und Ar­gen­ti­ni­en ge­tes­tet werden. Rein quan­ti­ta­tiv steht Chi­na da­mit zwei­fels­oh­ne an der Speer­spit­ze der glo­ba­len Impf­stof­fent­wick­lung. Von den welt­weit rund ei­nem Dut­zend Kan­di­da­ten, die für groß­an­ge­leg­te Feld­stu­di­en zu­ge­las­sen wur­den, sind vier im Reich der Mit­te ent­wi­ckelt wor­den.

Doch of­fen­bar will die Staats­füh­rung nicht bis zur of­fi­zi­el­len Markt­zu­las­sung war­ten. Seit Ju­li hat sie drei Impf­stof­fe zur so­ge­nann­ten Not­fal­lan­wen­dung ge­neh­migt. Zu­nächst wur­de vor al­lem me­di­zi­ni­sches Per­so­nal ge­impft, spä­ter folg­ten die Ma­na­ger der staat­li­chen Un­ter­neh­men, die oft auf Ge­schäfts­rei­sen un­ter­wegs sind. Doch auch Jour­na­lis­ten und Mit­glie­der der om­ni­prä­sen­ten Nach­bar­schafts­ko­mi­tees ge­hö­ren zu den Ver­suchs­ka­nin­chen.

Auch wenn et­wa Si­no­pharm be­haup­tet, dass sich bis­lang kei­ner un­ter den zehn­tau­sen­den Pro­ban­den in Chi­na mit dem Co­ro­na­vi­rus in­fi­ziert hät­te, macht es die ent­spre­chen­den Da­ten der Öf­fent­lich­keit bis­lang nicht zu­gäng­lich. Von der wis­sen­schaft­li­chen Ge­mein­schaft wird Chi­nas Impf­stoff­wett­ren­nen dem­ent­spre­chend mit gro­ßer Skep­sis be­äugt. De fac­to gilt hier die glei­che Vor­sicht wie auch sonst im Um­gang mit Chi­na: Es kann nicht un­ab­hän­gig über­prüft werden, wie si­cher und ef­fi­zi­ent die Impf­stof­fe aus Chi­na tat­säch­lich sind.

Nach sechs Mo­na­ten un­ter Be­ob­ach­tung ma­che ich nun den letz­ten Blut­test.

Zhu Ao­bing, Pro­band in der letz­ten Pha­se eines Impf­stoff­tests

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FO­TO: KE­VIN FRAY­ER/GET­TY IMAGES FO­TO: CHI­NA­TO­PIX/AP Con­tai­ner für die Welt: Die Wirt­schaft, vor al­lem der Ex­port, zieht wie­der an.
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Ab­stand hal­ten? Das ist beim Fei­er­tags­aus­flug auf der Chi­ne­si­schen Mau­er nicht mehr nö­tig, fin­den Be­hör­den wie Be­völ­ke­rung. Die In­fek­ti­ons­zah­len lie­gen im zwei­stel­li­gen Bereich.

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