Dresdner Neueste Nachrichten

Im Bann des Mon­des

Lou­is Dou­zet­te lieb­te es, Land­schaf­ten im Mond dar­zu­stel­len. Das be­zeugt auch ei­ne Dres­den-an­sicht im Vi­ne­ta-mu­se­um in Barth.

- Von Chris­ti­an Ruf Arts · Venice · Melbourne · Auch · Szczecin · Dresden · Greifswald · Caspar David Friedrich · François Ier, pouvoir et image

Heu­te muss vie­len Ecken der Welt ei­ne „Licht­ver­schmut­zung“be­schei­nigt werden, aber ir­gend­wie ist man doch froh, dass mit­tels al­ler­lei Licht­quel­len das Recht auf ei­ne mög­lichst dunk­le Nacht (das in der Fach­welt nicht un­um­strit­te­ne „ius ob­scu­rae noc­tis“) mit­tels al­ler­lei Licht­quel­len ge­bro­chen werden kann. As­tro­no­men mö­gen her­um­jam­mern, aber die Mehr­heit von uns kommt mit künst­li­chen Licht­quel­len ganz gut zu Ran­de.

Ei­ner, der sich vor­treff­lich auf die Darstel­lung von Land­schaf­ten im Mon­den­schein ver­stand, war der Ma­ler Lou­is Dou­zet­te. Für nacht­ak­ti­ve See­len, die sich mehr von ei­nem me­lan­cho­li­schen Mond­auf­gang als von ei­nem ro­man­ti­schen Son­nen­un­ter­gang ver­spre­chen, dürf­te der nord­deut­sche Spät­ro­man­ti­ker Lou­is Dou­zet­te, der es ver­stand, sei­ne be­son­de­re Af­fi­ni­tät zum Mond in som­nam­bu­len Ge­mäl­den zu ver­ewi­gen, ein See­len­ver­wand­ter sein.

Ähn­lich wie der Va­ter der deut­schen Ro­man­tik, Cas­par Da­vid Fried­rich, ver­fiel auch der 1834 im vor­pom­me­ri­schen Trib­sees ge­bo­re­ne Dou­zet­te dem Zau­ber der Ost­see­küs­te und setz­te sich im­mer wie­der mit ihr auf der Lein­wand aus­ein­an­der. 1888 wur­de er für sein Bild „Mond­nacht in Ve­ne­dig“auf der Kunst­aus­stel­lung in Mel­bourne mit ei­ner Gold­me­dail­le be­dacht.

Auch sonst ist an Prei­sen kein Man­gel. Der Kunst­his­to­ri­ker Adolf Ro­sen­berg stell­te 1891 fest: „Wer heu­te ei­nen wah­ren ech­ten Dou­zet­te ha­ben will, gibt sich oh­ne Mond­schein nicht zu­frie­den.“1896 wur­de der Künst­ler zum Pro­fes­sor der Ber­li­ner Aka­de­mie be­ru­fen, ab 1910 war er Eh­ren­bür­ger von Barth, zu­dem dann auch Mit­glied der All­ge­mei­nen Deut­schen Kunst­ge­nos­sen­schaft und des Künst­ler­bun­des Stet­tin.

Rich­tig be­kannt ist der Künst­ler, der 1895 nach Barth über­sie­del­te und bis zu sei­nem Tod 1924 dort leb­te, heu­te gleich­wohl nicht (mehr), aber im klei­nen Vi­ne­ta Mu­se­um von Barth, das 1997 in den Räu­men eines ehe­ma­li­gen Kauf­manns­hau­ses neu er­öff­net wur­de, ist Dou­zet­te der ge­sam­te obers­te Raum ge­wid­met. Aus­ge­stellt ist auch, als Leih­ga­be aus Pri­vat­be­sitz, das apar­te, 105 mal 75 Zen­ti­me­ter gro­ße Öl­ge­mäl­de „Mond­schein über Dres­den“. Auf ei­ner Ta­fel ist zu le­sen: „Der Künst­ler spiel­te bei die­sem Bild­ty­pus den Kon­trast von ver­hält­nis­mä­ßig hel­lem Ge­gen­licht und schwarz­schat­ti­ger Sil­hou­et­ten­wir­kung von Schif­fen, Per­so­nen und Ge­gen­stän­den in den nächt­li­chen Pan­ora­men in un­ter­schied­lichs­ten Wei­sen aus und de­kli­nier­te an­hand ver­schie­de­ner Stadt­sil­hou­et­ten zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten durch, um ab­wechs­lungs­reich die zau­ber­haf­te At­mo­sphä­re aus­zu­kos­ten, die der­ar­ti­ge Mond­schein­pan­ora­men dem Au­ge des Be­trach­ters bie­ten.“

Die Stif­tung Pom­mer­sches Lan­des­mu­se­um in Greifs­wald ver­fügt ne­ben Barth über die ein­zi­ge grö­ße­re Samm­lung von Wer­ken die­ses Ma­lers. Das 58,5 mal 90,5 Zen­ti­me­ter gro­ße Ge­mäl­de „Ein Land­see im Mond­schein“der Dresd­ner Ge­mäl­de­ga­le­rie wird seit 1945 ver­misst.

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FO­TO: C. RUF Ei­ne un­ver­wech­sel­ba­re und Ma­ler ge­ra­de auch bei Mond­schein im­mer wie­der an­zie­hen­de Sil­hou­et­te: Auch Lou­is Dou­zet­te war fas­zi­niert.

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